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Ulrike Salzer

Titel: Ao. Univ.-Prof.in Dr.in
Supplierende Leiterin der Klinischen Abteilung für Pädiatrische Kardiologie 2002 bis 2008

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Ich denke, dass ich immer schon einen sehr großen Wissensdrang hatte, neugierig war und gerne Ursachen auf den Grund gegangen bin. Es war von vornherein klar für mich, dass ich eine Universitätskarriere anstrebe. Vielleicht weniger eine Forschungskarriere, aber sicherlich eine Karriere im klinisch-wissenschaftlichen Bereich.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Ich hatte relativ früh die Möglichkeit eine ganz neue Methode – die pädiatrische Echokardiographie - neu nicht nur an der Klinik, sondern in Wien, einzuführen. Das war eine ganz essentielle Methode in meinem Fach der Kinderkardiologie, damals absolutes Neuland. Die Echokardiographie hat viele Diagnosewege und überhaupt die Sicht der angeborenen Herzfehler sehr verändert. Der Einstieg in die Echokardiographie war sozusagen der Beginn meines wissenschaftlichen Weges, auf diesem Weg habe ich weiter aufgebaut.
1984 habe ich einen Auslandsaufenthalt in München absolviert, wo im Deutschen Herzzentrum die Echokardiographie schon eingesetzt wurde. Ich habe dann die verschiedenen Entwicklungen der Echokardiographie mitverfolgt, in der Kinderkardiologie angewandt und meine Arbeiten geschrieben. Diese neue Methode, die extrem wegweisend war in meinem Fach, war ein Glückstreffer. Und dann war es auch für mich die geeignete Methode, weil ich ein sehr fotografisches Gedächtnis habe.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Ich denke, eine Stärke ist das Hinterfragen von Dingen. Weiters habe ich gerne Klarheit in meinen Gedanken, und ich glaube, dass das ganz essentiell ist in der Medizin. Die Klarheit, dass ich sagen kann welchen Schritt mache ich zuerst, und welchen als nächsten. Ich habe ein gutes Gedächtnis, kann Gedanken gut vernetzen, bin beharrlich und bleibe mit Hingabe bei einer Sache, bin begeisterungsfähig. Wichtige Eigenschaften sind auch Konsequenz und Selbstdisziplin.. Und letztlich, das hat aber weniger mit der Wissenschaft zu tun, sondern eher mit der klinischen Karriere, ist das Wahrnehmen der eigenen Intuition wichtig. Gerade in der Medizin ist das Hören auf dieses innere „Bauchgefühl“ so wichtig. Man spürt plötzlich, dieser Patient ist krank. Ich weiß zwar nicht warum er krank ist, aber er ist krank und ich muss daran arbeiten die Ursache herauszufinden und sehr rasch eine Diagnose zu stellen.

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Ich habe 2 Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Sie wurden 1985 und 1988 geboren. Unterstützung habe ich bekommen von meinem Mann, absolut. Es ist ja für Männer nicht immer ganz einfach, wenn Frauen Karriere machen, aber mein Mann hat das voll inhaltlich unterstützt. Ich habe jeweils 1 Jahr Karenz genommen, war aber in dieser Karenzzeit sehr viel an der Klinik, insbesonders bei kritisch kranken Neugeborenen.
Meine Eltern haben uns finanziell unterstützt und in den ersten Zeit einmal die Woche eine Haushaltshilfe bezahlt. Auch jetzt gehen meine Kinder noch gerne zweimal in der Woche zu zum Mittagessen zu meiner Mutter.
Wichtige Ressourcen waren und sind eine stabile Familie, eine gute Belastbarkeit und Kondition, und die Freude am Beruf.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Es gibt manches was ich jetzt absolut anders machen würde. Das eine betrifft einen längeren Auslandsaufenthalt. Die zweite negative Erfahrung in meiner Karriere war ein Prozess, der letztlich absolut positiv für mich ausgegangen ist, aber einen solchen Prozess durchzustehen und zu sehen wie manche Leute an der Klinik reagieren oder wie man plötzlich von Vorgesetzten alleingelassen wird, war eine äußerst negative Erfahrung. Aber ich habe daraus gelernt, dass es immer wieder Menschen gibt, auf die man sich sehr gut, auch in schwierigen Situationen, verlassen kann. Daher ist es für mich sehr wichtig meinen Mitarbeitern immer zu signalisieren, dass bei durchaus manchmal intern notwendiger Kritik ich in kritischen Situationen unbedingt hinter ihnen stehe.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Ich weiß es nicht. Von dem was ich als Frau glaube, was Frau sein ausmacht, ist es nicht hinderlich. Frauen, glaube ich, spüren manches mehr, und das ist ja nicht schlecht, sowohl für den Arztberuf, als auch für das Leben bzw. die Lebenserfahrung. Die Frage ist, was Sie als Karriere definieren. Wenn Sie Karriere so definieren, dass man an der Spitze dieser Universität eine Rolle hat, ist das nur ein Ansatz. Wenn sie Karriere mehr als den persönlichen Weg definieren, wie ich es bevorzuge, so ist dieser unabhängig vom Geschlecht. Was meine Karriere an der Universität betrifft, so ist es meine Erfahrung, dass man als Frau in der Medizin in fachlicher Hinsicht sehr wohl akzeptiert und anerkannt wird und sich – natürlich mit großem persönlichen Einsatz, den auch Männer leisten müssen, habilitieren kann. Das Erreichen von Spitzenpositionen ist noch immer schwierig, da hier nicht mehr die rein fachlichen Qualifikationen, sondern Kommunikation, Netzwerkarbeit, Strategie und politische Aspekte eine Rolle spielen. 

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Natürlich kann man Kinder in Kinderkrippen geben, wie das viele meiner Kolleginnen tun und auch getan haben. Ich persönlich bin von dieser Art der Kinderbetreuung nicht ganz überzeugt. Ein Kind, das sehr früh in der Gruppe mitlaufen muss, nicht schlafen kann wenn es schlafen will, oder wenn alle aktiv sind auch aktiv sein muss, tut sich schwer seinen eigenen Rhythmus zu finden. Der Besuch eines Kindergartens ist allerdings für die Entwicklung sehr wichtig. Das ist natürlich ein etwas finanziell anspruchsvolleres Konzept, aber ich habe in diesem Sinne Prioritäten gesetzt und mein Gehalt überwiegend für die Kinderbetreuung und weniger für Urlaube ect. verwendet. Das wichtigste war dann das Aussuchen einer Kinderfrau der man vertraut und die eine kontinuierliche Bezugsperson (bei uns über 15 Jahre) darstellt. Ich denke, es ist wichtig, dass man die Zeit die man mit den Kindern verbringt ihnen ganz widmet. Wichtig ist auch den Kindern zu erklären, warum es in der Medizin geht, auch wenn am Anfang nicht immer alles verstehbar ist. Es gab in meinem beruflichen Leben verschiedene Phasen in denen meine Kinder mein Leben an der Klinik zum Teil auch überhaupt nicht geschätzt haben und negativ gegen meinen Beruf eingestellt waren. Im Laufe der Zeit wurde es immer positiver und positiver. Meine Tochter studiert jetzt im 3. Semester Medizin, sie hat diese Entscheidung völlig selbständig getroffen.

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Musik. Ich spiele Klavier und musiziere mit meinen Kindern und höre viel Musik, manchmal auch bei meiner Schreibtischarbeit. Zusätzlich gehe ich laufen, meditiere, fotografiere und lese gerne. Der Aufenthalt im Freien macht bewusster und verleiht Distanz.

 

Tipps und Tricks
Ich habe eigentlich keine wirklichen Tipps und Tricks. Ich denke, wichtig ist Selbsterkenntnis, Klarheit in den eigenen Gedanken und die Fähigkeit die aktuelle Situation mit einem etwas distanzierten Blick zu betrachten. Humor ist sehr hilfreich, ebenso auch das Ablegen persönlicher Wehleidigkeit. Wichtig ist auch, den eigenen Weg mit dem Weltbild abzustimmen, damit man authentisch handelt. Kommunikation ist wichtig und Freude am Miteinander. Man kann im Team durchaus lernen, dass männliche und weibliche Kommunikation unterschiedlich verläuft, dieses Bewusstmachen der Muster allein führt zu einem besseren Verstehen des anderen.
Ich würde jungen Kollegen und Kolleginnen auf jeden Fall raten einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, Energie in das Erlernen von Zeitmanagement zu investieren und sich die Fachdisziplin auszusuchen, die sie wirklich interessiert.