Skip to main content

news

Veronika Sexl

Titel: Ao. Univ.-Prof.in Dr.in
Professorin für Signalübertragung und Entwicklung molekular gezielter Therapien

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Das war mehr oder weniger Zufall. Ich habe Medizin studiert, weil ich eigentlich Kinderärztin werden wollte. Und bin dann im Laufe des Studiums über eine freiwillige Dissertation in die Wissenschaft hineingekommen. Das hat mich gefangen genommen und ich bin nicht mehr losgekommen.
Was sicherlich den Boden bereitet hat, war, dass ich aus einem familiären vorbelasteten Umfeld komme und mit der Wissenschaft aufgewachsen bin.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Ich hatte das große Glück und die Möglichkeit, gleich nach dem Studium eine Assistentenstelle am Pharmakologischen Institut anzutreten aufgrund meiner freiwilligen Dissertation, durch die ich mir schon ein bisschen wissenschaftliche Vorerfahrung erwerben durfte. Nach vier Jahren am Pharmakologischen Institut kam ich als Erwin-Schrödinger-Stipendiat in die USA ins St Judes Research Children Hospital ins Labor zu Chuck Sherr und Martine Roussel. Und habe dann noch - weil ich es sehr genossen habe und gemerkt habe, wie stark ich profitiere, einen zweiten Postdoc angeschlossen. Bei Jim Ihle, bei dem ich den Umgang mit transgenen Mäusen erlernt habe. Ich hab dann mein erstes Kind auch in den USA bekommen und meine Habilitation eingereicht und bin dann mit Kind zurück ans Pharmakologische Institut gekommen. Wo ich jetzt noch immer bin und seit Jänner 2001 meine eigene Arbeitsgruppe aufgebaut habe. Mit großer Unterstützung des FWF, ohne den das in Österreich gar nicht möglich wäre.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Man kann sich selber nur schwer einschätzen. Ich glaube, dass ich im Laufe meiner Karriere sicherlich gelernt habe, teamfähig zu sein. Ich glaube, dass das wichtigste ist, im Team zu arbeiten in der Wissenschaft. Die Wissenschaft wird immer schneller, es wird immer kompetitiver und komplexer. Man muss wirklich ständig im Team arbeiten und zusammenarbeiten, man muss kommunizieren und sich eine Offenheit bewahren. Und ich denke auch, ich habe durch meine Kinder, meine Familie sicherlich beschleunigt gelernt, lösungsorientiert zu denken, und mich nicht auf eine Position zu versteifen. Das ist, glaube ich, auch wesentlich.

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Ein zentraler Schritt war mein Auslandsaufenthalt in den Staaten. Das betrachte ich als ganz wichtigen Punkt in meiner Karriere. Auch dadurch, dass ich dort gesehen habe, dass es möglich ist, Familie und wissenschaftliche Laufbahn miteinander zu vereinen. In meinem ersten Labor hatte ich eine weibliche Laborleiterin, die ebenfalls Familie und Kinder hatte. Und in Amerika ist es durchaus üblich, Kinder und wissenschaftliche Karriere unter einen Hut zu bringen. Es ist durchaus üblich, die Kinder recht früh fremdbetreuen zu lassen. Das sind alles Dinge, die mir aus Österreich nicht so vertraut waren und wo man ein sehr positives Bild präsentiert bekommt in den Staaten. Das war das eine.
Mein Mann ist im selben Metier tätig und auch Wissenschaftler. Wir haben daher auch da eine Kommunikationsebene. Wir wissen genau, welche Probleme und welche Schwerpunkte in unseren Jobs sind. Wir verstehen das wechselseitig und wir können uns auch sehr gut ergänzen und uns bei der Kinderbetreuung aushelfen. Ich glaube, das ist auch ein wichtiger Punkt.
Grundlagenforscher oder Leute, die in der theoretischen Wissenschaft tätig sind und nicht am Patientenbett stehen … wir haben natürlich eine gewisse Flexibilität der Arbeitszeit, die uns manches Organisatorische in der Kinderbetreuung sicherlich erleichtert. Das ist, glaube ich, sehr wichtig, wenn die Kinder noch sehr klein sind und häufig krank.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Also entweder ich habe es erfolgreich verdrängt.. Ich bin mir keines größten Misserfolges bewusst. Es sind viele, viele, unzählige kleine Misserfolge, die den Lebensweg begleiten, die vor allem den wissenschaftlichen Werdegang begleiten. Und eine Eigenschaft, die man als Wissenschaftlerin sicherlich braucht ist eine sehr hohe Frustrationstoleranz, um mit den ständigen Grenzen, an die man stößt in der wissenschaftlichen Arbeit, umzugehen. Um sich nicht den Mut oder nicht den Schwung an der Sache nehmen zu lassen und trotzdem mit Hartnäckigkeit und Freude weiterzumachen. Also ich glaub, das ist mehr eine permanente Frustration, der man da ausgesetzt ist.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Rückblickend nein, manchmal hat man natürlich momentan das Gefühl, man ist ziemlich überfordert, gerade wenn man neugeborene oder kleine Kinder hat. Man ist sehr angestrengt, wenn man mit einem drei Monate alten Baby wieder beginnt, arbeiten zu gehen. Aber grundsätzlich würde ich sagen absolut nicht. Und gerade durch die Kinder habe ich sehr viel gelernt was Organisation betrifft. Also ich würde sagen nein.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Einerseits natürlich die flexiblen Arbeitszeiten, die mir mein Beruf teilweise gibt, zumindest wenn kein Studentenbetrieb ist. Sicherlich geht es nicht ohne professionelle Kinderbetreuung. Das ist eine Frage der Finanzierbarkeit.

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Freizeit ist im Moment ein rares Vergnügen. Die Freizeit, die ich hab, wird von den Kindern aufgefressen. Das macht natürlich auch großen Spaß. Das heißt, in meiner Freizeit beschäftige ich mich mit den Kindern. Als Familie gehen wir auch gerne wandern. Wenn ich irgendwie dazu komme, dann lese ich sehr gerne.
Die Strategie schnell einmal aufzutanken ist, kurz einmal eine halbe Stunde im Wienerwald laufen zu gehen.

 

Tipps und Tricks
Der allerwichtigste Tipp für eine junge Frau ist, nicht entmutigen lassen. Also wirklich, nicht entmutigen lassen und an sich selber glauben. Ich sag dann auch immer, mir wurde auch gesagt, als ich mit meinem zweiten Kind schwanger war, dass meine Karriere jetzt am absoluten Endpunkt und vorbei sei. Es hat sich dann doch weiter entwickelt. Also, nie entmutigen lassen. Einfach sich die Sachen selber zutrauen und mit Kreativität versuchen, die Situationen zu lösen. Das ist, glaub ich, das wichtigste.
Und den Mut zu schnellen Entscheidungen zu haben und dabei zu akzeptieren, dass sie falsch sein können.