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Welttag der Osteoporose: Vorsorgeuntersuchung kann Leben retten

(Wien 19-10-2011) – „Viel zu viele Menschen wissen nicht, dass sie an Osteoporose erkrankt sind“, sagt Peter Pietschmann, einer der Osteoporose-Experten an der MedUni Wien, anlässlich des Osteoporose-Welttags am 20. Oktober. In Österreich gibt es laut Schätzungen der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels rund 740.000 Menschen, die von Osteoporose betroffen sind, davon 600.000 Frauen. Aber nur rund 120.000 werden adäquat behandelt, weil es vor allem am Bewusstsein für die Vorsorge mangelt.

„Es besteht eine ganz deutliche Unterdiagnose der Osteoporose“, sagt Peter Pietschmann, Osteoporose-Experte am Institut für Pathophysologie und Allergieforschung der MedUni Wien am AKH Wien. „Dabei stehen uns sehr wirksame Medikamente zur Verfügung, um die Osteoporose zu behandeln und Frakturen vorzubeugen. Zudem ist die vorsorgende Knochendichtemessung eine schmerzfreie Röntgenuntersuchung und zudem im Bereich der niedergelassenen Ärzte gut verfügbar“, sagt der Wissenschafter. Bei der Knochendichtemessung wird ermittelt, ob die Knochendichte zu gering ist und damit eine eventuelle Osteoporose-Gefahr besteht. Diese Untersuchung wird von der Sozialversicherung für Frauen ab dem 65. Lebensjahr und für Männer ab 70 empfohlen und von der Krankenkasse bezahlt.

In der Dimension von Herz-Kreislauferkrankungen
Die Osteoporose stellt auf Grund des erhöhten Frakturrisikos ein Gesundheitsproblem dar, das in seiner Dimension mit Herz-Kreislauferkrankungen oder verschiedenen Krebserkrankungen vergleichbar ist. Osteoporose-bedingte Frakturen führen häufig zu Mobilitätsverlust und Pflegebedürftigkeit, Schmerzen und einer deutlich verminderten Lebensqualität.

Rund 16.000 Oberschenkelhalsbrüche gibt es pro Jahr in Österreich. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist das einer der schlechtesten Werte in der EU. Die Sterblichkeit innerhalb des ersten Jahres nach dieser Verletzung ist um das zwei- bis fünffache höher als bei Frauen ohne diese Fraktur. Außerdem, so Pietschmann, fehle generell das Bewusstsein, nach einem Knochenbruch nicht nur die unfallchirurgische Behandlung in Anspruch zu nehmen, sondern auch an die Sekundärprävention der Osteoporose zu denken.

Die Osteoporose entsteht aus einem Missverhältnis zwischen Knochenab- und –aufbau. Dadurch kommt es zu Veränderungen der Knochenmasse und der Mikroarchitektur des Knochengewebes. Das führt zu einer Abnahme der Knochenfestigkeit und damit zu einem erhöhten Risiko für Brüche. „Mehr als 50 Prozent dieser multifaktoriellen Erkrankung sind genetisch bedingt“, sagt Pietschmann. Zu den weiteren Risikofaktoren für die Entwicklung einer Osteoporose zählen hormonelle Veränderungen, Umweltfaktoren, Kalzium- und Vitamin-D-Mangel und Rauchen.

Themenschwerpunkt Osteoimmunologie
Pietschmann und sein Forschungsteam am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung befassen sich derzeit mit der Osteoimmunologie, also mit den Fragen „wie kommunizieren Knochen und Immunsystem?“ und „in welcher Weise werden Knochenstrukturen angreifbar?“. Das Ziel sind neue Behandlungsansätze, die unmittelbar in den Knochenstoffwechsel eingreifen und die Knochenzerstörung stoppen. Pietschmann: „Zur Behandlung der Osteoporose steht bereits ein vielversprechender Therapieansatz mit einem monoklonalen Antikörper gegen RANKL zur Verfügung.“ Bei RANKL (Receptor activator of nuclear factor kappa B ligand) handelt es sich um eine Substanz, die unter anderem von einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen, den T-Zellen, gebildet wird. Dieser Botenstoff des Immunsystems fördert die Bildung knochenabbauender Zellen (Osteoklasten).