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Wetter wird als Auslöser von Migräne überschätzt

(Wien, 16-12-2010) Eine Studie der MedUni Wien in Kooperation mit der ZAMG Wien untersuchte den Zusammenhang zwischen Wetterlage und Kopfschmerzen.

Migräneanfälle, unter denen in Europa etwa 5 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen leiden, verlaufen bei jedem Menschen unterschiedlich. Viele Menschen mit Migräne glauben, dass bestimmte Wetterlagen oder Wetterfaktoren und insbesondere Wetterwechsel ihre Migräne auslösen. Eine Studie der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien unter der Leitung von Dr.in Karin Zebenholzer und Univ. Prof. Dr. Christian Wöber (Leiter der Arbeitsgruppe Kopfschmerz) zeigte nun, dass das Wetter als Auslöser für Kopfschmerzen erheblich überschätzt wird.

Um den Zusammenhang zwischen Migräne, Kopfschmerzen und Wetter zu untersuchen, führten 238 PatientInnen über 90 Tage ein genaues Kopfschmerztagebuch, in dem auch Fragen zur subjektiven Wahrnehmung des Wetters zu beantworten waren. Jeden Tag wurden elf Wetterwerte (wie Lufttemperatur oder Windgeschwindigkeit) erfasst und die Änderung dieser Wetterwerte im Vergleich zum Vortag berechnet. Zudem wurde für jeden Tag die Wetterlage (zum Beispiel Zwischenhoch oder Tief) ermittelt.

Im ersten Schritt der Datenanalyse gab es noch Hinweise darauf, dass ein Zwischenhoch das Risiko für Kopfschmerzen und eine geringere mittlere Tageswindgeschwindigkeit sowie der Wechsel der Sonnenscheindauer von einem Tag zum nächsten das Risiko für Migräne erhöhen könnten. Ebenso zeigte sich, dass eine Änderung der minimalen Tagestemperatur die Migränedauer verkürzt. In den weiterführenden Analysen waren diese Ergebnisse jedoch statistisch nicht mehr signifikant.

Für den so häufig als Kopfschmerzauslöser angeschuldigten Wetterwechsel und auch alle anderen subjektiven Wahrnehmungen des Wetters fand sich keinerlei Zusammenhang mit dem Auftreten von Migräne oder Kopfschmerzen.
"Es soll nicht der Eindruck entstehen, das Erleben der Betroffenen sei falsch", betonen die Studienautoren. Es sei aber sinnvoller zu schauen, welche anderen Faktoren eine Rolle spielen. "Bei Frauen ist etwa der Zusammenhang mit der Menstruation eindeutig bewiesen. Außerdem spielen Stress, psychische Anspannung bzw. das Nachlassen von Anspannung und sogar genetische Faktoren eine Rolle", sagt Zebenholzer. Im Alltag hätten diese Faktoren einen viel größeren Einfluss als das Wetter - speziell, wenn man bedenkt, dass man ohnehin die meiste Zeit in geschlossenen Räumen verbringt.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien durchgeführt und in „Cephalalgia“, dem wichtigsten Kopfschmerzjournal, publiziert

» Migraine and weather: A prospective diary-based analysis
Karin Zebenholzer, Ernest Rudel, Sophie Frantal, Werner Brannath, Karin Schmidt, Çiçek Wöber-Bingöl and Christian Wöber
Cephalalgia published online 26 November 2010 

» Universitätsklinik für Neurologie | Kopfschmerzambulanz