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Wissenschafter diskutierten neue Therapieansätze bei Lymphdrüsenkrebs

(Wien, 01-07-2011) Eine ausgesprochen heimtückische Erkrankung: Das großzellige anaplastische Lymphom. Es kommt gehäuft bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen vor. Typisch sind Anomalien der Erbsubstanz, die zur fälschlichen Verknüpfung von Chromosomenteilen und zur Aktivierung von Signalmolekülen führen. Spitzenforscher der "European Research Initiative on ALCL" (ERIA) diskutierten bei einer Tagung am 27. und 28. Juni in Wien neue Ansatzpunkte für mögliche Therapien.

Die Tagung fand am Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung in Wiens statt. ERIA wurde von Lukas Kenner (MedUni Wien), dem Salzburger Wissenschafter Olaf Merkel sowie von Suzanne Turner (Cambridge/Großbritannien) gegründet. Erst vergangenes Jahr haben Kenner und Merkel mögliche Ursachen für den Lymphdrüsenkrebs entdeckt. Sie publizierten ihre Ergebnisse vergangenes Jahr in der US-Wissenschaftszeitschrift "PNAS".

"Für Lymphome typisch ist die krankhafte Verknüpfung von Chromosomen, die sonst nicht miteinander verbundene Gene zu einem Hybrid-Eiweißmolekül vereinigt", so Kenner. Diese Moleküle führen in den Tumoren zur massiven Aktivierung des Steuerungselements ALK, das normalerweise Wachstums-Signale vermittelt. Durch die Überaktivierung von ALK kommt es jedoch zur Vermehrung und Entartung von weißen Blutkörperchen.

Bekannt ist aber auch, dass etwa bei der Hälfte der Lymphom Patienten ALK-Moleküle fehlen. Das führt zu einem vermehrten Entstehen von regulatorischen microRNA-Molekülen, welche zumindest im Tierversuch zu Tumoren führen. Die Wissenschafter versuchen nun, neue mögliche Ziele für medikamentöse Therapien "festzunageln". Das könnte auch für die Behandlung anderer Krebserkrankungen wichtig werden.