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Zäpfchen gegen HPV-induzierte Veränderungen entwickelt

(Wien 27-05-2013) Mit einem immunmodulierenden Zäpfchen können Zervixkarzinom-Vorstufen, also Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs, ohne chirurgischen Eingriff effizient behandelt werden. Diese neuartige Therapie wurde von WissenschafterInnen des Comprehensive Cancer Center Vienna (CCC), einer Einrichtung der MedUni Wien und des AKH Wien entwickelt und in einer klinischen Studie nun erfolgreich getestet.

Die Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) kann über eine Vorstufe - der zervikalen intraepithelialen Neoplasie (CIN) - zu Gebärmutterhalskrebs führen. In Europa sind davon jedes Jahr 205.000 Frauen betroffen, die meisten im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Da leichte Ausprägungen (CIN 1) in vielen Fällen spontan abheilen, wird therapeutisch meistens nicht eingegriffen, die Selbstheilung aber mittels engmaschiger Kontrollen überwacht. Die Standardtherapie bei schwereren Formen (CIN 2 und 3) stellt die Konisation dar. Dabei werden die Neoplasien, also die veränderten Areale, kegelförmig aus dem Gebärmutterhals herausgeschnitten. Der chirurgische Eingriff ist mit einem Rezidivrisiko von bis zu 18 Prozent verbunden und kann auch zu Nebenwirkungen wie Infektionen oder Blutungen führen. Das wesentlichste Risiko des Eingriffs stellt jedoch der deutliche Anstieg der Frühgeburtsrate auf 17,2 Prozent (gegenüber 6,2 Prozent bei Frauen ohne Konisation) dar.

Bewährter Wirkstoff innovativ eingesetzt
Der neue Therapieansatz wurde entwickelt, um Betroffenen den belastenden Eingriff und das erhöhte Risiko einer Frühgeburt zu ersparen. Dabei kommt eine immunmodulierende Substanz (Imiquimod), die bisher unter anderem als Creme für die oberflächliche Therapie von Feigwarzen zugelassen ist, zum Einsatz. In Form eines Zäpfchens wird der Wirkstoff am Gebärmutterhals appliziert wo er eine entzündungsähnliche Reaktion auslöst. Paul Speiser, Oberarzt an der Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie, Teil des Comprehensive Cancer Center Vienna, der Medizinischen Universität Wien und Leiter der Studie erklärt die Wirkungsweise: “Die durch den HP-Virus verursachten Veränderungen werden vom Immunsystem in bestimmten Situationen nicht erkannt und können in diesen Fällen zur Entstehung einer CIN führen. Durch die lokale Aktivierung der Immunabwehr mittels Imiquimod kann HPV für das Immunsystem erkennbar gemacht und vom Immunsystem selbst wirksam bekämpft werden.“

Die Studienautoren, zu denen neben Christoph Grimm und Stephan Polterauer auch Alexander Reinthaller, Stv. Leiter der Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Teil des Comprehensive Cancer Center Vienna, der MedUni Wien, zählt, konnten in ihrer Arbeit eine Rückbildungsrate der Neoplasien von 69 Prozent und eine sehr gute Verträglichkeit des Präparats nachweisen. Christoph Grimm, Oberarzt an der Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie, Teil des Comprehensive Cancer Center Vienna, der MedUni Wien abschließend: „Die ersten Daten sind vielversprechend. Der Wirkstoff scheint für die Therapie einer CIN 2 und 3 sehr wirksam zu sein, kann in dieser Applikation unkompliziert eingesetzt werden und ist wesentlich schonender als ein chirurgischer Eingriff. Um die Therapie jedoch routinemäßig am Patienten einsetzen zu können, sind noch weitere Studien nötig, die derzeit von unserer Arbeitsgruppe durchgeführt werden.“

Service: Obstetrics & Gynecology
„Treatment of cervical intraepithelial neoplasia with topical imiquimod: a randomized controlled trial.“ Grimm C, Polterauer S, Natter C, Rahhal J, Hefler L, Tempfer CB, Heinze G, Stary G, Reinthaller A, Speiser P., Obstet Gynecol. 2012 Jul;120(1):152-9.

Link zur Publikation: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22914404