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Zelltherapie zur Regeneration nach Herzinfarkt: Kai C. Wollert im Interview

(Wien, 16-11-2010) Ein Jahr nach der Eröffnung des CD-Labors für Diagnose und Regeneration von Herz- und Thoraxerkrankungen an der MedUni Wien lädt die EACTS (European Association For Cardio-Thoracic Surgery) am 2. Dezember zur Plenarsitzung “Research on regenerative medicine at the MedUni Vienna” ins Hörsaalzentrum. Vom 3. bis 4. Dezember werden internationale ExpertInnen im Rahmen des 2nd EACTS Meeting on Cardiac & Pulmonary Regeneration in Wien relevante Themen aus der Kardiologie, Pulmologie und auch Dermatologie diskutieren.

Prof. WollertKai C. Wollert, Experte für kardiale Stammzelltherapie (Medizinischen Hochschule Hannover) berichtet in einem Kurzinterview über den aktuellen Stand und Herausforderungen der Herzinfarkt-Therapie mit körpereigenen Zellen:

MedUni Wien: Was ist aus Ihrer Sicht der Stand der Wissenschaft bei der (Stamm)Zell-basierten Therapie nach einem Herzinfarkt?

Prof. Wollert: Mit der Zelltherapie steht uns möglicherweise erstmals ein Verfahren zur Verfügung, mit dem man die frühe Heilungsphase nach einem Infarkt positiv beeinflussen und die Entwicklung einer chronischen Herzmuskelschwäche verhindern kann. So konnte inzwischen von mehreren Arbeitsgruppen gezeigt werden, dass durch eine Behandlung mit körpereigenen Knochenmarkzellen wenige Tage nach dem Herzinfarkt die Auswurfleistung des Herzen signifikant verbessert werden kann. Erste Beobachtungen deuten zudem darauf hin, dass durch eine solche Behandlung auch das Auftreten künftiger klinischer Ereignisse reduziert werden kann.

MedUni Wien: Wo sehen Sie die Probleme dieser Therapieform und wohin geht die therapeutische Reise beim Menschen?

Prof. Wollert: Ein derzeit limitierender Faktor ist das Fehlen eines allgemein akzeptierten Protokolls für die Isolation therapeutisch wirksamer Knochenmarkzellen. Hier steckt der Teufel zum Teil im Detail, weil schon geringfügige Änderungen in den Isolationsmethoden die biologische Aktivität der Zellen teilweise deutlich beeinflussen können. Es fehlt derzeit auch noch der Beweis, dass durch die Zelltherapie nicht nur die Herzleistung sondern auch die Belastbarkeit und das Überleben der PatientInnen verbessert werden können. Eine große paneuropäische Studie zur Beantwortung dieser Fragen ist in Planung.

MedUni Wien: Können Sie uns über die Mechanismen der (Stamm)Zelltherapie berichten? Wo sehen Sie die Zukunft?

Prof. Wollert: Ursprünglich hatte man vermutet, dass sich die transplantierten Knochenmarkzellen im Herzinfarktareal in Herzmuskelzellen verwandeln und auf diese Weise die Funktion des Herzens verbessern. Dieser Mechanismus spielt allerdings wohl nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht man heute davon aus, dass die transplantierten Zellen Wachstumsfaktoren freisetzen und diese Faktoren den Heilungsprozess nach Infarkt stimulieren. Ein faszinierendes aktuelles Forschungsgebiet befasst sich nun mit der Charakterisierung dieser Faktoren. Dahinter steckt die Idee, PatientInnen in Zukunft nicht mehr mit Zellen, sondern mit einzelnen Faktoren zu behandeln.


Zur Person:
Professor Dr. Kai C. Wollert, Internist und Kardiologe, Professor für kardiale Stammzelltherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover, geb. 1964, studierte von 1984 bis 1991 Medizin an der Universität Mainz und der University of San Antonio, Texas. Sein weiterer wissenschaftlicher Werdegang führte ihn an die Universität von Freiburg und von 1993 bis 1995 an die University of California, San Diego. Weiters ist er Leiter der DFG Klinischen Forschergruppe Unit 136 und Mitglied des Editorial Boards des European Heart Journal und von Basic Research in Cardiology. Professor Wollert ist bereits vielfach mit international anerkannten Auszeichnungen geehrt worden, unter anderem mit dem Karl-Ludwig-Neuhaus Prize, dem Albert-Fraenkel Prize und dem Preis des Council for Basic Cardiovascular Science Outstanding Achievement Award der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Neben seinen zahlreichen Publikationen zählen auch Seminare und Gastvorlesungen zu seinem umfangreichen Betätigungsfeld.

“Research on regenerative medicine at the MedUni Vienna”
2. Dezember 2010, 16-18 Uhr
Hörsaal 3, AKH Hörsaalzentrum
9., Währinger Gürtel 18-20
» Programm

2. EACTS Meeting
3.-4. Dezember 2010
Courtyard Vienna Messe Hotel
2., Trabrennstrasse 4
» Programm