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MedUni Wien-Studie: Stammzellen senden ein Protein aus, das Krebs auslösen kann

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Stammzellenforschung

(Wien, 12-07-2016) Sowohl für die Kultivierung humaner embryonaler Stammzellen, als auch für die Entwicklung humaner induzierter pluripotenter Stammzellen wurde jeweils der Nobelpreis für Medizin vergeben. Das vor allem auch deshalb, weil neben ihrer Bedeutung für die Grundlagenforschung mit diesen Zellen die Hoffnung verbunden wird den Paradigmenwechsel von einer bisher nur reparierenden Medizin zu einer regenerierenden vollziehen zu können. Das Spektrum von Erkrankungen des Menschen, für die man sich durch den Einsatz solcher Stammzellen neue Therapien erhofft, reicht vom Herzinfarkt, über Krebs, neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer, Diabetes bis zu einer Vielzahl verschiedener seltener genetischer Erkrankungen.

Viele dieser neuen therapeutischen Ansätze werden bereits jetzt in klinischen Studien erprobt (siehe: clinicaltrials.gov/ct2/results; clinicaltrials.gov/ct2/results.

Das Grundprinzip dabei ist zumeist, aus diesen Stammzellen im Labor bestimmte Zellen des Menschen herzustellen (Herzmuskelzellen, Nervenzellen, Inselzellen etc.), um diese dann dem Patienten oder der Patientin zu transplantieren, mit der Hoffnung, dass Gewebe bzw. Organe dadurch wieder regenerieren und ihre normalen Funktionen vollständig übernehmen können. „Ein Problem dabei ist allerdings, dass nicht differenzierte Stammzellen, die zumeist in geringen Mengen in dem zu transplantierenden Zellgemisch noch zu finden sind, Tumore bei den Patienten auslösen können. Selbst wenn dieser Aspekt auch stets mitkalkuliert wird und alles daran gesetzt wird dies bei der Therapie zu unterdrücken, gab und gibt es so manche bisher nicht erklärbare Nebenwirkungen solcher Stammzelltherapien“, erklärt Markus Hengstschläger, Leiter des Departments für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.

MedUni Wien-Forscher finden erstmals Erklärungen für unverstandene Nebenwirkungen

In einer jetzt im Topjournal „Stem Cells“ (eines der beiden international höchst zitierten Stammzellforschungs-Journale der Welt) veröffentlichten Studie bietet die Arbeitsgruppe von Markus Hengstschläger weltweit nun erstmals eine mögliche Erklärung für diese Phänomene: „Humane pluripotente Stammzellen senden ein Protein mit dem Namen ‚soluble E-cadherin‘ aus, das bei jenen Zellen, bei denen dieses Protein ankommt, Entartung, Wanderung im Körper und Tumorentstehung auslösen kann. Man weiß also jetzt, dass Stammzellen, die in der Therapie eingesetzt werden, Signale an normale Körperzellen der Patienten schicken, die sehr ernste gesundheitliche Risiken zur Folge haben können.“

Hengstschläger: „Diese neuen Erkenntnisse bieten jetzt erstmals eine Erklärung für so manche bisher unverstandene Nebenwirkungen von Stammzelltherapien und stellen aber auch möglicherweise ein Chance dar, durch das Blockieren dieser von den Stammzellen ausgeschickten Signale solche Therapien effizienter und sicherer für die Patienten zu machen“, erläutert Markus Hengstschläger „ Es freut uns sehr, dass viele der internationalen Kollegen, die unsere neuen Ergebnisse von Kongressen bereits kennen, schon jetzt darüber nachdenken, dieses Wissen sofort für die Verbesserung der Therapien von Patienten einzusetzen – das ist genau das, was wir uns von translationaler Medizin stets wünschen.“

Service:

Human pluripotent stem cells release oncogenic soluble E-cadherin
Margit Rosner and Markus Hengstschläger
STEM CELLS doi:10.1002/stem.2461
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/stem.2461/epdf