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Drücken hilft: Defi-Initiative der MedUni Wien erfolgreich

Ersthelfer reanimierte Mann mit Herzstillstand in Wien mittels öffentlichem Defi - dankbares Wiedersehen im AKH
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Bild: PID Schaub Walzer

(Wien, 12-08-2016) Das rasche Eingreifen eines Passanten und der Einsatz eines öffentlich installierten Defibrillators („Defi“) haben einem Mann mit Herzstillstand in Wien-Neubau das Leben gerettet. Der Patient wurde an der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien und des AKH Wien betreut und konnte mittlerweile auf die Normalpflegestation verlegt werden.

Schnell und richtig reagierte Niklas Palt, als er den Notfall in einem Reisebüro in der Wiener Neubaugasse bemerkte. Ein Kunde hatte einen Herzstillstand erlitten. „Eine Mitarbeiterin hat bereits den Notruf 144 gewählt. Ich habe einem Mann zugerufen, einen Defi zu holen“, erzählt der Grazer. Zeitgleich begann der Ersthelfer mit der Herzdruckmassage. Mit dem Defibrillator der 150 Meter entfernten, öffentlich zugänglichen Gewista-Defi-Säule auf der Mariahilfer Straße 71A kam der Helfer wenig später zurück. Wie vom Gerät über Lautsprecher angewiesen, bereiteten die beiden Helfer alles für die Schockabgabe vor.

Das wenige Augenblicke später eintreffende Team der Berufsrettung Wien übernahm die Wiederbelebungsmaßnahmen. Im AKH Wien wurde der Patient zunächst an der Universitätsklinik für Notfallmedizin betreut, konnte aber bereits nach wenigen Tagen auf eine Normalpflegestation verlegt werden. Heute, neun Tage nach dem Vorfall, erhielt Günter Bodner, der kurz vor der Entlassung steht, Besuch von dem jungen Mann, der ihn durch sein rasches Eingreifen und seinen vorbildlichen Einsatz wieder zurück ins Leben geholt hat.

Harry Kopietz, Präsident des gemeinnützigen Vereins Puls, der sich dem Kampf gegen den plötzlichen Herztod verschrieben hat, würdigte den vorbildlichen Einsatz des jungen Mannes mit einer Lebensretterurkunde. „Herr Palt hat Zivilcourage und vorbildliches Verhalten gezeigt!“ Kopietz wies darauf hin, wie wichtig und sinnvoll die Installation öffentlich zugänglicher Defibrillatoren ist: „Ein Herzstillstand kann jeden Menschen treffen, jederzeit und überall. Je mehr Defis es gibt und je mehr Laien damit umgehen können, desto mehr Menschen werden in Zukunft einen plötzlichen Herztod überleben.“


Nur Nichtstun ist falsch

Alle 45 Minuten stirbt ein Österreicher am plötzlichen Herztod. Bei einem leblosen Patienten nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um etwa zehn Prozent ab. Die rasche Hilfe durch Laien, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft, ist somit oft die einzige Möglichkeit, einen Menschen wieder ins Leben zurückzuholen. Doch nur wenige trauen sich auch einzugreifen. Als Grund für die unterlassene Hilfeleistung wurde von Befragten in erster Linie die Angst vor Fehlern und Unwissenheit angegeben. Dabei gilt in einem solchen Notfall: Nur Nichtstun ist falsch!

„Schon durch wenige Handgriffe – durch kräftigen Druck in der Mitte des Brustkorbes und den raschen Einsatz eines Defis noch vor Eintreffen der Rettung - können Zeugen von lebensbedrohlichen Zwischenfällen effizient Hilfe leisten und so die Überlebenswahrscheinlichkeit von derzeit elf Prozent auf mehr als 70 Prozent erhöhen“, erklärt Mario Krammel, Intensivmediziner der MedUni Wien im AKH Wien und geschäftsführender Puls-Präsident.

Die Initiative, Defis im öffentlichen Raum zu installieren, wird von der MedUni Wien wissenschaftlich begleitet. Dabei sind vier Universitätskliniken beteiligt: Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinik für Notfallmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin II (Kardiologie) und Universitätsklinik für Unfallchirurgie.

Die Firma Gewista hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und dem Verein Puls bereits an zehn Standorten in Wien Vitrinen errichtet, an denen Defis für den öffentlichen Gebrauch angebracht sind. Diese können im Notfall - ähnlich wie ein Feuerlöscher - entnommen werden. Es wird automatisch eine Telefonverbindung mit der Notrufzentrale der Wiener Berufsrettung hergestellt. Der Laien-Defi in den Gewista-Säulen leitet den Ersthelfer mittels Sprachanweisungen durch die Notsituation. Somit kann auch ein medizinischer Laie zum Lebensretter werden.

In Wien gibt es derzeit 800 Defis, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.