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Klimawandel könnte für Millionen Menschen neue Heuschnupfen-Welle auslösen

Ragweed, Bild: MedUni Wien/Bastl

(Wien, 25-08-2016) Laut einem jetzt veröffentlichten Bericht des FP7-EU Projektes „Atopica“ unter maßgeblicher Mitarbeit der MedUni Wien kann der Klimawandel für Millionen von Menschen in ganz Europa eine neue Heuschnupfen-Welle auslösen. Die aktuellen Forschungen zeigen, dass sich die Anzahl der Menschen, die aufgrund von Ragweed-Pollen (Ambrosia, Traubenkraut) an Heuschnupfen leiden, in nur 35 Jahren verdoppeln könnte – und zwar von derzeit 33 auf 77 Millionen. Die ForscherInnen nehmen an, dass der Klimawandel für zwei Drittel dieses Anstiegs verantwortlich ist. Höhere Ragweed-Pollen-Konzentrationen und eine längere Ragweed-Pollen-Saison können auch den Schweregrad der Symptome verstärken.

Heuschnupfen ist ein allergischer Zustand, von dem bereits rund 40 Prozent der EuropäerInnen irgendwann einmal in ihrem Leben betroffen sind. Er wird durch eine Allergie auf Pollen ausgelöst – dazu gehören Baumpollen, Gräserpollen oder Kräuterpollen. „Pollenallergie ist weltweit ein großes Problem im öffentlichen Gesundheitswesen, und man weiß noch nicht genau, auf welche Art und Weise sich der Klimawandel hier auswirken wird“, fassen die ForscherInnen zusammen. „Dies ist die erste Studie, um abzuschätzen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Pollenallergie haben könnte.“ Das Forschungsteam untersuchte potenzielle Auswirkungen auf die Verbreitung von Ragweed-Pflanzen, Pflanzenproduktivität, Pollenproduktion und -ausbreitung so wie die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf die Allergien in Europa.

Ragweed ist eine Pflanze, die sich besonders rasch ausbreitet, ihre Pollen sind ein weitverbreitetes Allergen. Eine einzige Pflanze kann etwa eine Milliarde von Pollenkörnern pro Saison produzieren.

Das Forschungsteam hat Karten mit den geschätzten Ragweed-Pollenzählungen während der Pollensaison erstellt und diese mit den Daten kombiniert, etwa wo Menschen wohnen und wie stark die Allergiebelastung in der Bevölkerung ist. Sie haben herausgefunden, dass sich die Anzahl der Menschen, die von Ragweed-Pollen betroffen sind, in Europa höchstwahrscheinlich von 33 auf 77 Millionen Menschen mehr als verdoppeln wird – und das schon bis ins Jahr 2050.

Michelle Epstein, Atopica-Koordinatorin der MedUni Wien von der Universitätsklinik für Dermatologie, meint: „Die Ragweed-Pollenallergie wird zu einem Problem der öffentlichen Gesundheit quer durch ganz Europa und breitet sich auch in Gegenden aus, wo dies derzeit noch selten der Fall ist. Das Problem wird sich in Ländern mit einem bereits existierenden Ragweed-Problem, wie in Ungarn und Kroatien, möglicherweise noch verstärken, aber auch in Deutschland, Polen und Frankreich.“ Höhere Pollen-Konzentrationen und eine längere Ragweed-Pollensaison können auch den Schweregrad der Symptome verstärken. Die aktuellen Prognosen weisen darauf hin, dass die Ragweed-Saison in den meisten Teilen Europas von Mitte September bis Mitte Oktober andauern wird.

Epstein: „Die jährliche, wirtschaftliche Belastung durch Allergie-Erkrankungen in der EU wird derzeit bereits auf 55 bis 151 Milliarden Euro geschätzt, eine immer höhere Pollenbelastung wird noch höhere Kosten verursachen.“ Das richtige „Management“ dieser invasiven Pflanze könnte die Anzahl der Menschen, die davon betroffen sind, auf etwa 52 Millionen senken, während ein Szenario mit einer sehr schnellen Pflanzeninvasion die Anzahl der betroffenen Menschen auf ungefähr 107 Millionen ansteigen ließe, so das Ergebnis der Studie. Die Kontrolle von Ragweed sei daher enorm wichtig für das öffentliche Gesundheitswesen und auch wesentlich als Anpassungsstrategie gegen die Auswirkungen des Klimawandels.

„Man muss aber auch betonen, dass sich die Auswirkungen des Klimawandels nicht auf Ragweed beschränken und dass eine ganze Reihe von anderen pollenproduzierenden Pflanzenarten möglicherweise auch davon betroffen ist. Unsere Methoden bieten einen Rahmen für andere Studien, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pollenallergie bei anderen Pflanzenarten untersuchen“, so Epstein.

Service: Environmental Health Perspectives
”Climate change and ragweed pollen allergy in Europe.” Iain R. Lake, Natalia, R. Jones, Maureen Agnew, Clare Goodess, Filippo Giorgi, Lynda Hamaoui-Laguel, Mikhail A. Semenov, Fabien Solomon, Jonathan Storkey, Robert Vautard, Michelle M. Epstein.