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MedUni Wien an Entwicklung von neuem Test zur Früherkennung von Lyme-Borreliose beteiligt

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(Wien, 01-08-2016) Die Europäische Union hat einem internationalen Konsortium, das einen neuartigen Lyme-Borreliose Test auf den Markt bringen will, rund 2 Millionen Euro bewilligt. Das Projekt steht unter der Leitung der Innatoss Laboratories in den Niederlanden, maßgeblich beteiligt ist auch die MedUni Wien mit dem Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie sowie  Partner aus Deutschland. Das Team hat das Ziel, eine bahnbrechende Innovation für Lyme-Borreliose zu finalisieren, die eine frühzeitige Diagnose und zeitgerechte Behandlung ermöglicht.

Dem ID-LYME Projekt wurde im Zuge von Horizon 2020, einem Teil des EU Forschungs- und Innovationsförderungsprogramms, insgesamt 1,9 Millionen Euro genehmigt. Das gesamte Konsortium besteht aus der Medizinischen Universität Wien, DIARECT AG (Deutschland), npk design und Innatoss Laboratories (Niederlande). Das ID-Lyme Projekt basiert auf einer Wirksamkeitsstudie und präklinischer Arbeit von Innatoss. Diese Technologie nützt die Biomarkerproduktion der T-Zellen aus, um die Lyme-Borreliose so früh und so exakt wie möglich nachzuweisen.

Lyme-Borreliose, auch als Lyme-Krankheit bekannt, ist eine der weltweit häufigsten Zecken-Infektionskrankheiten mit über 200.000 neuen Infektionen jährlich alleine in Westeuropa. Behandlungen mit Antibiotika greifen am besten möglichst frühzeitig nach Ausbruch der Erkrankung. Bleibt diese jedoch unbehandelt, kann die Infektion die Gelenke, das Herz und das Nervensystem angreifen und schwere Komplikationen verursachen. Eine zeitgerechte Behandlung könnte die Auswirkungen der Lyme-Borreliose auf das Leben der Betroffenen drastisch reduzieren, ebenso die damit verbundenen Gesundheitskosten, die derzeit allein in der EU auf 660 Millionen Euro geschätzt werden.

Projektleiterin und CEO der Innatoss Laboratories, Anja Garritsen, erklärt: „Die Entwicklung eines neuartigen präzisen Diagnosetests für Lyme-Borreliose ist von größter Bedeutung. Patienten und Patientinnen, die nicht die typischen Lyme-Borreliose Symptome, wie den bekannten roten Ring oder die Wanderröte rund um den Zeckenbiss aufweisen, bleiben ohne Behandlung. Unser auf T-Zellen basierender Test kann fast unmittelbar nach dem Entdecken des Zeckenbisses eingesetzt werden und ist daher ein wichtiges Zusatzinstrument in der Diagnose von Lyme-Borreliose.“

Erster Frühtest für Borrelien-Infektionen
Von der MedUni Wien sind Hannes Stockinger und Gerold Stanek maßgeblich als leitende Wissenschafter in das Projekt involviert. Mit den bisherigen Tests lässt sich, so die Forscher, nur ein Teil des menschlichen Immunsystems analysieren, nämlich jener der B-Zellen, nicht aber jener der T-Zellen, die als Helferzellen zum Bekämpfen der Infektion nötig sind und deren Aktivität auf das Vorliegen einer Infektion schließen lässt. Daher arbeiten die Immunologie-ExpertInnen daran, den weltweit ersten „Point-of-Care“-Test zu entwickeln, mit dem es möglich wäre, die aktuelle Infektion nachzuweisen und die richtige Behandlung der PatientInnen einzuleiten. Das Team ist überzeugt dass es möglich ist, durch die Analyse von Effektor-T-Zellen, die der Antikörper-Immunantwort vorangehen, und von langlebigen zirkulierenden Gedächtnis-T-Zellen Borrelien-Infektionen viel früher zu diagnostizieren und latente und chronische Infektionen erkennen zu können.

Das ID-Lyme Projekt ist für 3 Jahre anberaumt und soll zu einer Markteinführung des neuen Zelltests im Jahr 2019 führen. Andere Firmen, medizinische Zentren, Diagnoselabors und Patientenorganisationen werden in der gesamten Entwicklungszeit mit eingebunden sein.