Skip to main content

Wissenschaftstrend Citizen Science: Pollenwarndienst der MedUni Wien als Paradebeispiel

Alle News
Mann steht mit Tablet-Computer in einem Feld

Wien, 24-08-2016) "Citizen Science" ist einer der neuesten Wissenschaftstrends – dabei handelt es sich um eine Arbeitsmethode in der Wissenschaft, mit der Projekte unter maßgeblicher Mithilfe von interessierten bzw. betroffenen Laien durchgeführt werden. Der österreichische Pollenwarndienst der MedUni Wien an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten ist dafür ein Paradebeispiel. 

„Citizen Science“ wird meistens auf mehreren Ebenen durchgeführt. Die einfachste Beteiligung ist das „Crowdsourcing“, wobei Menschen bestimmte Daten zur Verfügung stellen, auf Ebene 2 geht es um „Verteilte Intelligenz“ (etwa Fotos von Fotofallen auswerten) und auf Ebene 3 („partizipative Wissenschaft“) wird die Bevölkerung bereits bei der Entwicklung der Frage- und Problemstellung und bei der Datensammlung eingebunden. Ein Extrembeispiel ist die Ebene 4, „Extreme Citizien Sciene“, die sich vor allem in der Astronomie oder Vogelkunde findet, da diese Bereiche eine lange Tradition an Laienforschung besitzen.

Auf Ebene 3 hat sich der österreichische Pollenwarndienst der MedUni Wien unter der Leitung von Uwe E. Berger mit einem Pollentagebuch, das es seit 2009 gibt, eingeklinkt. Dieses Service für PollenallergikerInnen gibt es bereits für Betroffene in 13 europäischen Ländern: Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Finnland, Kroatien, Ungarn, Litauen, Serbien, Slowenien und in der Türkei mit mehr als 150.000 Nutzern in allen Ländern. Seit 2013 gibt es auch eine „Pollen-App“, die weltweit rund 320.000 Mal downgeloadet wurde. Die Website des Pollenwarndiensts wurde seit März 2012 von insgesamt rund 1,3 Millionen Menschen aufgerufen.

„Unser personalisierter Pollenalarm ist durch die Einträge der vielen Tausenden, die unser Service nutzen, möglich geworden. Das ist weltweit ein Unikat“, sagt Berger. Jeder und jede PollenallergikerIn hat einen anderen Schwellenwert, jeder hat andere Empfindungen und Wahrnehmungen und Reaktionslagen auf Pollenbelastungen – aber sie alle gemeinsam in einer riesigen Datenbank ergeben für den einzelnen eine passende Vorhersage für zu erwartende, persönliche Belastungen. Tag für Tag.

Berger: „Je mehr Daten wir gewinnen, desto präziser werden die individuellen Vorhersagen.“ Mit den exakten Einträgen ins Pollentagebuch hilft sich damit nicht nur jeder/e Betroffene selbst für die Evaluierung von Therapien, sondern auch allen anderen. Damit hat das Pollentagebuch einen doppelten Effekt für eine personalisierte Medizin: Einerseits können persönliche Therapieerfolge berechnet und verglichen werden, andererseits helfen die Daten und auf pollenwarndienst.at angebotene Services bei der Früherkennung und dem entsprechenden, richtigen Management von Allergien. Andererseits wurden durch die Vielzahl der Daten auch bisher unbeachtete Aeroallergene mit in die Belastungslandkarte genommen, etwa die Belastungen durch die Purpur-Erle im Dezember oder durch die Esche, die früher immer neben den stärkeren Belastungen durch die Birke zu wenig beachtet wurden.

Mehr als eine Million ÖsterreicherInnen leiden unter einer Pollenallergie. Sehr viel weniger an einer Hausstaubmilbenallergie. Dennoch gibt es auch für davon Betroffene jetzt ein neues Service an der Universitätsklinik für Hals- Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni Wien: Unter https://milbentagebuch.at/Mtb/ finden sich ebenfalls ein Tagebuch und ein Fragebogen sowie hilfreiche Tipps, wie man die Allergenvermeidung bewältigen kann.

Sensible Daten – strenge Sicherung
Ganz wichtig ist bei „Citizen Science“ die Sicherung der sensiblen Daten der teilnehmenden Bevölkerung, betont Berger. Das geschieht auch beim Pollenwarndienst der MedUni Wien nach strikten EU-Normen, eine Weitergabe an nicht autorisierte Stellen ist daher nahezu unmöglich, auch durch eine zusätzliche biometrische Sicherung.