Skip to main content

Europäischer Antibiotika-Tag: Mehr als ein Viertel der PatientInnen in heimischen Spitälern erhält Antibiotika

Alle News

(Wien, 16-11-2016) Mindestens jede/r vierte in österreichischen Krankenanstalten aufgenommene Patient erhält Antibiotika. Das ist das zentrale Ergebnis der nationalen Punkt-Prävalenz-Studie, die um Juni 2015 unter maßgeblicher Beteiligung der Universitätsklinik für für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle der Medizinische Universität Wien durchgeführt wurde und deren Zahlen nun anlässlich des europäischen Antibiotika-Tags am 17.11. 2016 bekannt gegeben wurden. 

Die detaillierten Ergebnisse fasst Elisabeth Presterl, Leiterin der Universitätsklinik für für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle der MedUni Wien, zusammen: „Am Untersuchungstag erhielten 26,1% der PatientInnen eine antibiotische Therapie. Allerdings erhielten davon nur 17,1% Antibiotika-Therapie zur Behandlung einer Infektion, 5.3% erhielten die Antibiotika als perioperative Prophylaxe. Der sehr hohe Anteil von Prophylaxe über den Operationstag hinaus ist mit 53,3 Prozent auffallend. Atemwegsinfektionen mit 25,5%, Haut-, Weichteil-, und Knocheninfektionen mit 19,7% und Harnwegsinfektion mit 18,6% wurden am häufigsten therapiert. Jedoch war zu einem relativ großen Teil der Antibiotika-Anwendungen, nämlich 27 Prozent, in den Patientenunterlagen nicht dokumentiert, warum die Applikation erfolgte.“

Darstellung der am häufigsten eingesetzten Antibiotika-Klassen

Die höchste Antibiotikaverwendung war mit 61,1 % auf den Intensivstationen. Der häufigste Weg der Antibiotika-Gabe erfolgte parenteral (74,9%).

Presterl: „Diese Analyse bestätigt, dass ein hoher Anteil von Prophylaxe über den Operationstag hinaus gegeben wird. Wenn man konsequent auf diese nicht-evidenzbasierte Anwendung verzichten würde, könnte man ad hoc einen großen Anteil der Antibiotika-Anwendungen in Österreich reduzieren. Dazu ist eine Optimierung der Dokumentation der Indikationen in den Patientenakten dringend empfehlenswert. Ebenso ist eine baldige Umstellung auf eine orale Antibiotika-Gabe empfehlenswert.“

Termin: Anlässlich des Europäischen Antibiotika-Tages findet auch heuer am 17.11.2016 das Symposium zum 9. Europäischen Antibiotikatag unter Mitwirkung der MedUni Wien statt.