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Personalisierte Therapie verringert Krebsrisiko für DiabetespatientInnen

Welt-Diabetes-Tag am 14. November 2016
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(Wien, 08-11-2016) Die Zusammenhänge zwischen Typ-2-Diabetes und Krebs sind komplex: Einerseits haben Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind, grundsätzlich ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken, außerdem stehen einige Diabetes-Medikamente im Verdacht, das Risiko ebenfalls fallweise erhöhen zu können. WissenschafterInnen der Universitätsklinik für Innere Medizin III und dem Institut für die Wissenschaft Komplexer Systeme der MedUni Wien konnten nun aber zeigen, dass man diese Risiken mit einer optimierten, personalisierten Therapie heutzutage praktisch ausschalten kann. 

„Krebs und Diabetes haben gemeinsame Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsmangel, Insulinresistenz, entzündliche und hormonelle Veränderungen und außerdem kann ein schlecht eingestellter Diabetes mit einem hohen Blutzuckerspiegel das Krebsrisiko erhöhen“, erklärt Alexandra Kautzky-Willer, Gender Medicine- und Diabetes-Expertin der MedUni Wien. Insgesamt leiden rund 600.000 ÖsterreicherInnen an Diabetes mellitus (Typ 2). Am 14. November 2016 ist wieder Welt-Diabetes-Tag.

Stefan Thurner und Peter Klimek vom Institut für Wissenschaft Komplexer Systeme und Kautzky-Willer konnten nun in einer Studie, die im Top-Journal Journal of Internal Medicine publiziert wurde, zeigen, dass man mit gezielten Maßnahmen der Präzisionsmedizin das Risiko ausschalten kann. Und auch, dass eine gleichzeitige Behandlung mit Statinen (die hauptsächlich bei Fettstoffwechselstörungen als Cholesterinsenker eingesetzt werden) sogar mit einem verminderten Krebsrisiko einhergeht, und dass auch das gängigste und weit verbreitetste Diabetes-Medikament, Metformin, durchwegs verringerte Risiken zeigt – das gilt ebenso für den in der medikamentösen Therapie eingesetzten Insulin-Sensitizer „Pioglitazon“, der die Insulinempfindlichkeit steigert und somit der Insulinresistenz entgegenwirkt.  

Das Forschungssetting: 1,85 Millionen ÖsterreicherInnen, die zumindest einmal im Spital waren, wurden statistisch erfasst. Rund 300.000 davon hatten Diabetes Typ 2 – diese wurden insgesamt mit rund 300 verschiedenen Kombinationen von Diabetes-Medikamenten behandelt (Inkretin-basierte Therapien und SGLT-2-Hemmer waren noch nicht involviert). Das Ergebnis der Studie: Primär insulinerhöhende Medikamente (Sulfonylharnstoff und Insulin), zeigten gegenüber insulinhemmenden ein signifikant erhöhtes Krebsrisiko, vor allem für Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreas) bei Männern und Frauen, sowie Leberkrebs bei Männern und Lymhdrüsenkrebs bei Frauen. „Wenn aber gleichzeitig Statine eingenommen werden, ist dieses Risiko ganz massiv gesenkt und zwar gegen Null im Vergleich zu PatientInnen ohne Diabetes“, sagt Kautzky-Willer.

„Das zeigt, dass man die individuelle Therapie derart optimieren kann, dass das generelle Krebsrisiko für Diabetes-Patienten ganz erheblich gesenkt werden kann. Wir haben in der Präzisionsmedizin heute eine große Auswahl an Medikamenten und möglichen Kombinationstherapien, die das ermöglichen“, ergänzt Klimek.

Service: Journal of Internal Medicine
„Use of statins offsets insulin-related cancer risks.“ A. Kautzky-Willer, S. Thurner, P. Klimek.

Diabetes-Forschung: MedUni Wien europaweit top
Die MedUni Wien hat in der Diabetes-Forschung und insbesondere bei der Erforschung geschlechterspezifischer Faktoren europaweit eine führende Rolle, vor allem durch die interne Vernetzung an der Universitätsklinik für Innere Medizin III mit der Frauenheilkunde, dem Exzellenzzentrum für Hochfeld-MR, der Nephrologie, mit dem Zentrum für Public Health und mit dem Institut für die Wissenschaft komplexer Systeme, sowie durch starke internationale Kooperationen. Die Österreichische Diabetes-Gesellschaft mit Kautzky-Willer als stellvertretender Vorsitzenden und vielen MedUni Wien-ForscherInnen in führenden Positionen, ist die einzige weltweit, die eigene geschlechtsspezifische Leitlinien im Programm hat.

Buchtipp: „Diabetes - vorsorgen, rechtzeitig erkennen und richtig behandeln.“ Der neue Ratgeber für Laien, Betroffene und Interessierte in Kooperation von MedUni Wien und Manz-Verlag von den MedUni Wien-Diabetes-Expertinnen Alexandra Kautzky-Willer und Yvonne Winhofer. 174 Seiten, 2016.