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Sind genetische Eingriffe an den Malariamücken ethisch vertretbar?

UNESCO-Lehrstuhl für Bioethik an der MedUni Wien lädt am 7. September zu Fach-Veranstaltung in das Josephinum
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Anopheles Moskito

(Wien, 01-09-2016) Moderne Techniken machen es möglich, in die Erbinformation von Organismen einzugreifen. Die Idee, das Erbgut der den Malariaparasiten übertragenden Anopheles-Stechmücke so zu verändern, dass sie keine Gefahr mehr für den Menschen darstellt, wirft ethische Fragen auf. Darf der Mensch so in die Natur eingreifen, dass er eine ganze Spezies manipuliert oder sogar ausrottet? Und welche Konsequenzen für das Ökosystem hätte das? Diese und andere Fragestellungen werden am 7. September auf Einladung des UNESCO-Lehrstuhls für Bioethik an der MedUni Wien im Josephinum von einer hochkarätigen Expertenriege diskutiert.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken jährlich weltweit mehr als 200 Millionen Menschen an Malaria. Rund 600.000 Menschen starben im vergangenen Jahr an der Tropenkrankheit, 90 Prozent von ihnen in Afrika, in den meisten Fällen sind es Kinder unter fünf Jahren. Malaria wird durch Parasiten verursacht, die durch die Stiche infizierter Anopheles-Mücken übertragen werden.

Die fortschrittliche Technologie namens „Gene Drive“ benutzt das Protein Crispr/Cas 9 zum „Genome Editing“. Dabei werden Abschnitte im Genom präzise zerschnitten und ersetzt oder ausgeschaltet. ForscherInnen aus Kalifornien und Großbritannien ist es in Versuchen bereits gelungen, unfruchtbare Mücken zu züchten bzw. solche, die keine Malaria-Erreger mehr übertragen können. Das eröffnet auch ähnliche Ansätze zu Bekämpfung der Ausbreitung anderer von Stechmücken übertragenen Viren wie z.B. Zika oder Dengue.

Doch die technische Machbarkeit bedeutet noch lange nicht, dass man so etwas auch tun sollte. „Die Ausrottung einer ganzen Spezies kann unvorhergesehene Folgen für das Ökosystem haben“, erklärt Christiane Druml, Leiterin des UNESCO-Lehrstuhls für Bioethik und des Josephinums, „welche Auswirkungen hat so etwas auf die Umwelt und die lokale Bevölkerung?“

Um die technischen Möglichkeiten und auch die Konsequenzen dieses Handelns zu diskutieren, kommen hochkarätige ExpertInnen auf Einladung des UNESCO-Lehrstuhls für Bioethik, der Ethik Plattform der BOKU und des Centre de Recherches Médicales de Lambaréné am 7. September 2016 im Josephinum zusammen. Unter ihnen sind z.B. die WHO-Malaria-Expertin Francine Ntoumi von der Universität Tübingen und Nicolai Windbichler (Imperial College London), der zu den Autoren der ursprünglichen Publikation zu „Gene Drive“ gehört.

„Malaria ist eine große Last für die Bevölkerungen in den betroffenen Regionen, aber massive Eingriffe in die Natur werfen natürlich ethische Fragen auf, die wir bei dieser Veranstaltung diskutieren werden“, erklärt Christiane Druml.

Termin: Fighting Malaria with CRISPR/Cas9: Ethical Implications
Am 7. September 2016 widmet sich eine internationale Veranstaltung der Frage, inwieweit man mit Techniken wie CRISPR/Cas9 Mücken der Gattung Anopheles dauerhaft so verändern kann, dass sie keine Malaria mehr übertragen können. Welche Folgen könnte dies für den Menschen, aber auch für die Umwelt und das Ökosystem haben? Was sind die ethischen Implikationen? Diese Fach-Veranstaltung wird in englischer Sprache abgehalten. Ort und Zeit: Josephinum, Währinger Straße 25, 1090 Wien, 9.30 bis 17 Uhr. Anmeldung ist erforderlich bei dominika.flomyn@meduniwien.ac.at (Tel. 40160-26051).

Für JournalistInnen gibt es die Möglichkeit für Interviews mit den Vortragenden.