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Welt-Alzheimertag: „Multimodales Alltagstraining“ und „Hirnstimulation“ können Gedächtnisstörungen positiv beeinflussen

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(Wien, 19-09-2016) „Mit den richtigen Maßnahmen können klinische Symptome der Alzheimer Demenz verzögert werden bzw. erste Symptome wie Vergesslichkeit positiv beeinflusst werden“, das betont Peter Dal-Bianco, Alzheimer-Experte der Universitätsklinik für Neurologie an der MedUni Wien anlässlich des Welt-Alzheimer-Tags am 21. September. Eine aktuelle Studie aus Finnland und Schweden unterstreicht diesbezügliche Erkenntnisse der MedUni Wien-ForscherInnen. So wurde festgestellt, dass sich ein „multimodales Alltagstraining“ positiv auf die kognitiven Fähigkeiten etwa zur Planung und Durchführung von Projekten auswirkt. 

In der sogenannten FINGER-Studie (Finnish Geriatric Intervention Study to Prevent Cognitive Impairment and Disability) wurden 1.260 Personen zwischen 60 und 77 Jahren, die bereits vergesslich waren, in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe von  631 Personen erhielt über 24 Monate ein alltagsangepasstes regelmäßiges körperliches Training mit Spaziergängen und gleichzeitigem Dialog, ein Balance- und Gedächtnistraining am Computer, sozialen Aktivitäten, einer gesunden Diät sowie  Überwachung des Herz-Kreislauf-Status. Dal-Bianco: „Das Ergebnis war eine signifikante Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten in den Bereichen Verarbeitungsgeschwindigkeit und Exekutivfunktionen in der aktiven Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe.“ Diese Gruppe umfasste 629 Personen.

Das unterstreichen auch Forschungsergebnisse an der MedUni Wien: „Bewegungsträge Menschen haben zum Beispiel ein um 80 Prozent erhöhtes Alzheimer-Risiko im Vergleich mit körperlich aktiven Menschen. Weitere Faktoren, die den klinischen Beginn einer Demenz beschleunigen können, sind Übergewicht, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Rauchen“, fasst Dal-Bianco zusammen.

Derzeit leiden weltweit mehr als 30 Millionen Menschen an Alzheimer. Laut Prognosen sollen es 2030 bereits 63 Millionen und 2050 etwa 114 Millionen sein. In Österreich sind derzeit 120.000 Menschen betroffen, 2050 sollen es ca. 280.000 sein.

Dal-Bianco: „Die neurodegenerativen Gewebsveränderungen im Gehirn entwickeln sich langsam und beginnen bereits etwa 30 Jahre vor den ersten klinischen Demenzsymptomen. Wenn wir also in einem frühen Stadium die richtigen Maßnahmen ergreifen und wissenschaftlich nachweisen können, dass sie auch wirken, könnten vielen Menschen den klinischen Ausbruch der Erkrankung so lange hinauszögern, dass sie diesen vor ihrem altersbedingten Tod nicht erleben müssen.“

An der Universitätsklinik für Neurologie, MedUni Wien, wird zur Behandlung von Alzheimer Demenz im frühen Stadium eine Hirnstimulation mit transkranieller Magnetstimulation eingesetzt – zusätzlich zur medikamentösen Therapie. Dieses Verfahren soll Energie auf das Hirngewebe übertragen. Damit soll die Neubildung von Strukturen im Nervensystem gefördert werden: „Dadurch soll die Hirnleistung verbessert werden“, sagt Dal-Bianco.

Und zur Frühdiagnostik von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer läuft eine weitere Studie an der MedUni Wien, die gemeinsam mit Gerhard Garhöfer von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie durchgeführt wird: Dabei wird die Aktivität der Nervenzellen der Netzhaut im Auge durch Lichtstimmulation gesteigert. Sind diese Nervenzellen nicht mehr in der Lage ausreichend Signale zur nötigen Nährstoff- und Blutversorgung auszusenden, kann dies ein Indiz für die weitere Entwicklung zur Alzheimerdemenz sein. Aus dieser Studie erhoffen sich die MedUni Wien-ForscherInnen eine weitere Möglichkeit der Alzheimer-Früherkennung.

Termin: Die Jahrestagung der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft, deren Präsident Peter Dal-Bianco ist, findet von 14.-15. Oktober 2016 in Hall in Tirol statt. Weitere Infos & Programm: www.alzheimer-gesellschaft.at