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MedUni Wien trauert um Gerhard Lechner

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Bild: MedUni Wien/Matern

(Wien, 21-12-2017) Prof. Dr. Gerhard Lechner, vormaliger Vorstand der Universitätsklinik für Radiodiagnostik an der Medizinischen Universität Wien (1997-2004) und Träger des Großen Silbernen Ehrenzeichens der Republik Österreich, verstarb am 7. Dezember 2017 im 81. Lebensjahr in Wien. Gerhard Lechner blieb seit seinem Studium der Medizinischen Fakultät Wien der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien als akademischer Lehrer, Wissenschaftler und Kliniker eng verbunden.

Der Bludenzer Gerhard Lechner (1937-2017) kam nach seiner mit Auszeichnung absolvierten Matura 1955 nach Wien, um an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien Medizin zu studieren. Schon während des Studiums engagierte er sich als Demonstrator am Institut für Physik und Chemie und später am Anatomischen Institut, an welchem er auch nach seiner Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde im Jahr 1962 als wissenschaftlicher Assistent tätig war.

Nach zweijährigem Auslandseinsatz als Chief Medical Officer für das UNO-Bataillon im nördlichen Afrika kehrte Gerhard Lechner nach Wien zurück und absolvierte die Ausbildung im Fach Chirurgie an der 1. Chirurgischen Universitätsklinik in Wien. Schon bald entdeckte Gerhard Lechner seine Liebe zur Radiologie und begann mit der Ausbildung zum Facharzt für Röntgenologie, die er 1972 mit dem Facharzt abschloss. Von 1972 bis 1973 forschte Gerhard Lechner im Rahmen eines Max-Kade-Stipendiums am Department of Radiology der Harvard Medical School in Boston. Nach seiner Rückkehr übernahm Gerhard Lechner ab 1973 die Leitung der Röntgenabteilung der 1. Chirurgischen Universitätsklinik, erhielt 1977 die Venia Legendi für das Fach Radiologie und wurde 1982 zum außerordentlichen Universitätsprofessor bestellt. Nach der Übersiedlung des Chirurgischen Röntgen ins neue AKH wurde Gerhard Lechner 1992 zum Univ. Professor und Leiter der Klinischen Abteilung für chirurgische Fächer ernannt. Von 1994 bis 1997 war er supplierender Vorstand der Universitätsklinik für Radiodiagnostik. 1997 wurde er zum Vorstand der Universitätsklinik für Radiodiagnostik gewählt, eine Funktion, die er bis 2004 innehatte.

Unter Leitung von Gerhard Lechner entwickelte sich die von ihm geleitete Klinische Abteilung für Chirurgische Fächer, als auch die gesamte Universitätsklinik für Radiodiagnostik in Richtung eines klinisch wissenschaftlichen Faches. Zudem förderte Gerhard Lechner den Aufbau wissenschaftlicher Strukturen wie beispielsweise die Etablierung des Exzellenzzentrums für Hochfeld-MR am Gelände des Allgemeinen Krankenhauses – Medizinischer Universitätscampus. Ebenso wichtig war Gerhard Lechner die organisatorische und medizintechnische Weiterentwicklung der Klinik. Er trieb die Einführung eines Qualitätsmanagement-Systems und die Entwicklung einer modernen Didaktik im studentischen Unterricht voran. Das Engagement von Prof. Lechner im Bereich der Lehre reicht von der Einführung einer Blockvorlesung an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik, der Schaffung eines digitalen Lernzentrums für Studenten für das Fach Diagnostische Radiologie bis hin zur Herausgabe eines Lehrbuches Radiologie für Studierende, ausgerichtet auf das Wiener Curriculum.

Prof. Lechner hatte neben seiner ärztlichen, wissenschaftlichen und didaktischen Tätigkeit zahlreiche universitäre Funktionen inne, unter anderem im Fakultätskollegium und der Studienkommission der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Mit großer Hingabe organisierte Gerhard Lechner gemeinsam mit seinem engen Freund Rainer Kotz den Professorenklub der medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Er war Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Organisationen und Gremien, in denen er auch leitende Funktionen innehatte. Gerhard Lechner war unter anderem Vorstandsmitglied der Österreichischen Röntgengesellschaft, Präsident des Österreichischen Röntgenkongresses, Mitglied im Landessanitätsrat Wien und im Obersten Sanitätsrat der Republik Österreich. Er wurde mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich geehrt und 2015 zum Ehrenmitglied der ÖRG ernannt.

Gerhard Lechner hinterlässt ein umfangreiches wissenschaftliches Oeuvre, das neben 150 wissenschaftlichen Arbeiten zahlreiche Lehrbücher und das deutschsprachige radiologische Standardwerk für Studierende „Lehrbuch der radiologisch-klinischen Diagnostik“ umfasst. Er war Initiator und Organisator von zahlreichen Kongressen, Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen und fungierte als Mentor zahlreicher erfolgreicher RadiologInnen im In- und Ausland.

Gerhard Lechner war durch seine gesamte berufliche Karriere und auch nach seinem Übertritt in den Ruhestand im Jahr 2005 der Medizinischen Universität Wien eng und treu verbunden. Er übernahm zahlreiche ehrenamtliche Aufgaben, unter anderem die langjährige und erfolgreiche Leitung des Komitees „Researchers of the Month“.

Mit Univ. Prof. Dr. Gerhard Lechners Ableben verliert die Medizinische Universität Wien einen großartigen Menschen, einen leidenschaftlichen akademischen Kliniker und Wissenschaftler und einen ausgezeichneten Radiologen, der maßgeblich zur Entwicklung des Faches Radiologie beigetragen hat.


Univ. Prof. Dr. Christian Herold
Leiter der Universitätklinik für Radiologie und Nuklearmedizin
Wien, Dezember 2017