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Neue Methode zur Vorhersage von Allergien der Atemwege in der frühen Kindheit

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(Solna/Wien, 12-12-2017) Die Immunantwort auf eine Handvoll Allergen-Moleküle in der frühen Kindheit kann die Entstehung von allergischer Rhinitis und Asthma im Jugendalter voraussagen. Darauf deutet eine Studie im Journal EBioMedicine hin, die von ForscherInnen am schwedischen Karolinska Institut und der Medizinischen Universität Wien veröffentlicht wurde. Die Forschungsergebnisse könnten die Entwicklung von Vorbeugemaßnahmen und neuen Behandlungsmethoden bei Allergien der Atemwege bei Kindern beschleunigen.

Allergien gehören zu den am weitest verbreiteten Ursachen für chronische Krankheiten und führen zu einem hohen Leidensdruck, da sie die gesamte Lebensqualität beeinträchtigen. Die Immunglobulin E (IgE) Sensibilisierung auf Allergene hat sich als ein erhöhtes Risiko im Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen und Asthma erwiesen. In einer neuen Studie haben ForscherInnen des Karolinska Instituts und der MedUni Wien eine neue Methode verwendet, um herauszufinden, welche spezifischen Allergene den Übergang (die Transition) von einer noch symptomfreien, „stillen“ IgE-Sensibilisierung in der frühen Kindheit zur Entstehung von Allergien der Atemwege im späteren Leben voraussagen können.

Indem sie einen Chip mit mikro-angeordneten Allergenen verwendeten, haben die ForscherInnen die IgE-Reaktivität auf mehr als 100 Allergen-Moleküle von mehr als 40 Allergiequellen untersucht. Die Studie umfasste Daten von 786 Kindern der schwedischen Geburtenkohorte BAMSE und 248 Kinder der Geburtenkohorte MAAS aus Großbritannien. Eine molekulare Signatur von IgE gegen eine Handvoll von Allergenen im Alter von 3-5 Jahren prognostizierte das Entstehen einer Allergie der Atemwege mit mehr als 90% Wahrscheinlichkeit im Jugendalter bei den beiden geographisch getrennten Bevölkerungsgruppen. Die ermittelten Risiko-Allergene kamen von Erdnüssen, Birke, Gras und Katzenhaare bei der schwedischen Bevölkerung und von Hausstaubmilben, Gras und Katzenhaare bei der britischen Bevölkerung.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass nur einige wenige regionale Allergen-Moleküle wahrscheinlich wichtig für die Vorhersage von Entstehung und Persistenz von allergischen Erkrankungen der Atemwege sind und diese sollten im Fokus für vorbeugende Maßnahmen und Zielsetzungen bei neuen Therapien sein“ sagt Magnus Wickman vom Institut für Umweltmedizin des Karolinska Instituts, dessen Arbeitsgruppe die Studie gemeinsam mit der Gruppe um Rudolf Valenta vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien durchführte.

Nach Meinung der Forscher deuten die Ergebnisse auf eine Generalisierbarkeit der Daten über Bevölkerungsgruppen hinaus hin, ebenso wie die Möglichkeit eine individualisierte Risikovorhersagetabelle für allergische Atemwegserkrankungen zu erstellen. Diese Tests könnten eventuell von KinderärztInnen oder praktischen ÄrztInnen, die Kinder schon in jungen Jahren untersuchen, als Vorsorgeuntersuchung verwendet werden.

Das BAMSE-Projekt ist eine laufende longitudinale, bevölkerungs-basierte, prospektive Geburtenkohorte von mehr als 4.000 Kindern, die zwischen 1994 und 1996 in Stockholm, Schweden, geboren wurden. ForscherInnen am Karolinska Institut führen derzeit gerade das achte Follow-up des Projekts durch, da die Studienteilnehmer ein Alter von 22-24 Jahren erreicht haben.

„Atemwegserkrankungen, die in der Kindheit oder im Jugendalter beginnen, bestehen oft ein Leben lang und Geburtenkohorten sind wesentlich um den Lebenszyklus einer Allergie zu verstehen. Wir sind vielleicht in der Lage zu verhindern, dass Allergien oder Asthma in der Kindheit im Erwachsenenalter zu schweren chronischen Erkrankungen führen, wenn die betroffenen Kinder ermittelt werden und in einem frühen Stadium präventiv behandelt werden“, meint Magnus Wickman.

Die Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit europäischen ForscherInnen innerhalb des EU-geförderten Programmes MeDALL (Mechanisms of the Development of Allergy, Mechanismen der Entstehung von Allergien). Es wurde durch Forschungszuschüsse der schwedischen Asthma- und Allergie-Stiftung, des Stockholmer Grafschaftrats (ALF), des schwedischen Forschungsrats, der schwedischen Herz-Lungen Stiftung, der schwedischen Krebs- und Allergiestiftung, der König Gustav V 80. Geburtstagsstiftung, der Hesselman Stiftung, der Konsul Th C Bergh Stiftung, der Magnus Bergvall Stiftung, des schwedischen Forschungsrats für Gesundheit, Arbeitsleben und Sozialwesen, dem österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) und dem siebenten Rahmenprogramm MeDALL der Europäischen Kommission unterstützt.


Service: EBioMedicine
“Detection of IgE reactivity to a handful of allergen molecules in early childhood predicts respiratory allergy in adolescence”
Magnus Wickman, Christian Lupinek, Niklas Andersson, Danielle Belgrave, Anna Asarnoj, Marta Benet, Mariona Pinart, Sandra Wieser, Judith Garcia-Aymerich, Alexandra Baar, Göran Pershagen, Angela Simpson, Inger Kull, Anna Bergström, Erik Melén, Carl Hamsten, Josep M. Antó, Jean Bousquet, Adnan Custovic, Rudolf Valenta, Marianne van Hage. EBioMedicine, online 14. Dezember 2017.