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Katharina Bastl gewinnt Nachwuchspreis der Akademie der Wissenschaften

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(Wien, 01-02-2017) Katharina Bastl, Biologin an der MedUni Wien, wurde mit dem Nachwuchspreis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet. Die Forscherin erhielt den Preis für Paläobiologie für ihre Forschungen zur Biologie der Raubtierart Hyaenodon.

Katharina Bastl erforschte in ihren drei Arbeiten die Entwicklung und Lebensweise einer ausgestorbenen Raubtierform. Dabei wurden Fossilien wie Zähne und Knochen als Puzzleteile zu einem besseren Verständnis der Entwicklung, Lebensweise und Verwandtschaft dieser Tiere genutzt.

Nicht immer ist dafür high-tech notwendig. Beispielsweise geben Röntgenbilder von Kieferknochen und Zähnen einen Einblick in das Entwicklungsstadium des verstorbenen Tieres. Wie der Mensch hatte auch Hyaenodon, benannt wegen seiner scheinbaren Ähnlichkeit mit heutigen Hyänen, mit denen es allerdings nicht verwandt ist, Milchzähne. Die Reihenfolge des Erscheinens bestimmter Milchzähne gibt Auskunft über die Verwandtschaft in der Gruppe, da solche Merkmale nur langsam verändert werden. Die Milchzähne von bestimmten europäischen Hyaenodon-Arten sehen anders als jene von asiatischen und nordamerikanischen Arten aus. Damit ist die Existenz einer eigenständigen europäischen Hyaenodon Linie wahrscheinlich.

Bild: ÖAW
Katharina Bastl mit Georg Brasseur, Präsident der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Solche Röntgenbilder illustrieren auch den kompletten Zahnwechsel vom jüngsten bekannten Stadium bis zum erwachsenen Tier. Das ist für das europäische und das amerikanische Hyaenodon nun beschrieben worden. Zum ersten Mal ist somit der komplette Entwicklungsweg und die Reihenfolge des Zahnwechsels sowohl für den Ober- als auch den Unterkiefer bekannt und mit Fundstücken belegt.

Die Fundstücke aus Europa, bereits beschriebene sowie Neufunde, wurden aufgearbeitet und evolutionär aussagekräftige Bereiche, wie das Kiefer, computertomographisch gescannt, der Zahnwechsel ermittelt und die Mikroabrasion der Zähne auf ihre ökologische Bedeutung hin ausgewertet. Durch Vergleich mit Funden aus Nordamerika und Asien konnten sie in Bezug auf Ökologie und Verwandtschaft analysiert und eingeordnet werden.

In Europa waren vor allem fuchsgroße Arten von Hyaeondon vertreten. Die ältesten Funde dieser Gruppe sind aus Asien belegt. Da Europa und Asien damals aber noch durch einen Meeresbereich getrennt waren (Turgai-Straße), war die Theorie, dass diese Formen nach Nordamerika und von dort nach Europa gekommen sind. Die Untersuchungen, vor allem des Zahnwechsels sowie der Milchbezahnung weisen bei den europäischen Arten von Hyaenodon auf eine eigenständige Entwicklung hin, da sie unterschiedlich zu den amerikanischen Formen verläuft.
Der Zahnwechsel als ein Indikator für Entwicklungslinien gibt damit zusätzlich Aufschluss über die Migrationsrouten. Demnach sind asiatische Formen nach Europa gekommen und haben sich eigenständig entwickelt. Die Nordamerika-Theorie ist damit widerlegt.

Bild: Katharina Bastl
Schädel und Unterkiefer mit Bezahnung von Hyaenodon (Copyright: Katharina Bastl)

140 Kilo schwere „Hyäne“
Es waren in Europa aber auch große Raubtierformen vertreten: Kerberos, das größte landlebende Raubtier seiner Zeit um etwa 40 Millionen Jahre vor heute, wurde erstbeschrieben und ist ökologisch mit der heute lebenden Tüpfelhyäne vergleichbar.  
Kerberos, benannt nach dem mythologischen Höllenhund war das größte Raubtier seiner Zeit in Europa. Er lebte vor etwa 40 Millionen Jahren und könnte bis zu 140kg gewogen haben. Aufgrund der Zahn- und Knochenreste zeichnet sich ein Bild eines Raubtieres mit Veranlagung zum Knochenknacken und kräftiger Kopfmuskulatur, das an Land gelebt hat und Sohlengänger war. Ökologisch gesehen füllte Kerberos wohl die Nische der heutigen Tüpfelhyäne aus.

Zur Person
Katharina Bastl ist promovierte Biologin (Universität Wien) und seit 2012 Mitarbeiterin des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien. Seit 2013 ist sie Universitätsassistentin. 2012 wurde sie mit dem Tilly-Edinger Preise (Paläontologische Gesellschaft) und dem Award of Excellence (Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung) ausgezeichnet. Im Juli 2013 nahm sie erfolgreich am 11. European Course on Basic Aerobiology teil. Im November 2014 gewann sie das Siegfried Jäger Stipendium (EAS EAN Meeting in Wien), im August 2015 nahm sie erfolgreich am 9. Advanced Course of Aerobiology teil.