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Hirntumoren bei Kindern: Translationale CCC Kooperation zwischen Krebsforschung und Kinderklinik an EU „Innovative Medicines Initiative 2“ beteiligt

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(Wien, 06-07-2017) Die Innovative Medicines Initiative 2 (IMI-2) fördert die Plattform „Innovative Therapies for Children with Cancer Paediatric Preclincal Proof-of-concept Platform“ (ITCC-P4) mit über 16 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um ein EU-weites Projekt, mit dem eine präklinische Testplattform zur Erforschung von Tumoren bei Kindern etabliert werden soll. Das multizentrische Forschungsprojekt wird vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) geleitet. Das Comprehensive Cancer Center Vienna (CCC) ist beteiligt.

Die MedUni Wien beteiligt sich mit einer translationalen CCC-Kooperation unter Leitung von Walter Berger vom Institut für Krebsforschung (mit Daniela Lötsch), unter Beteiligung der Abteilung für pädiatrische Neuro-Onkologie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde (Irene Slavc, Johannes Gojo), der Universitätsklinik für Neurochirurgie (Thomas Czech) und des Klinischen Instituts für Neurologie (Christine Haberler). Die Kooperationsplattform des CCC verfügt über eine besondere Expertise in der Etablierung von Zell- und Organoidmodellen im Bereich von Hirntumoren bei Kindern und ist an innovativen Studien zur besseren molekularen Charakterisierung dieser teils hochaggressiven Tumore beteiligt. Das belegen rezente Publikationen zum Thema - eine davon in der hochrangigen Fachzeitschrift „Cell“. Die Laufzeit des Projekts beträgt vier Jahre.

In Österreich erkranken etwa 90 Kinder im Jahr an einem primären Hirntumor. Genom-weite Analysen zeigen immer mehr, dass es sich dabei um eine Vielzahl von zwar molekular präzise definierbaren aber oft äußerst seltenen Erkrankungen handelt. Um auf die nötigen Fallzahlen für klinische Studien zu kommen, sind internationale Kooperationen unerlässlich. Das setzt voraus, dass nur die vielversprechendsten Therapieansätze tatsächlich klinisch getestet werden. Hier setzt das aktuelle Forschungsprojekt an, das von IMI-2 und damit von einer Kooperation der EU und der pharmazeutischen Industrie finanziert wird: Um die bestmöglichen Therapiestrategien für Tumorerkrankungen bei Kindern herauszufiltern, wird in den nächsten vier Jahren europaweit eine Plattform für präklinische Testmodelle aufgebaut. Dabei handelt es sich neben transgener Mausmodelle um Transplantationsmodelle und Organoide humaner Tumorproben.


Bild: MedUni Wien
v.l.n.r.: Walter Berger, Irene Slavc, Christine Haberler und Johannes Gojo

Walter Berger: „Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Partnerschaft zwischen universitären Einrichtungen und der Pharmaindustrie. Ist die Plattform etabliert, kann sie für aussagekräftige, präklinische Substanztestungen herangezogen werden. Die Aktivität der neuen Therapien kann mit den genetischen Veränderungen und anderen Biomarkern abgeglichen werden, um somit jene Kinder mit der größten Chance eines Therapieerfolgs herauszufiltern. So könnte man auch seltenen Erkrankungen mittelfristig den Zugang zur Präzisionsmedizin öffnen.“
Neben dem direkten Benefit für die jungen PatientInnen kommt eine derartige Kooperation auch der Forschung an Universitäten längerfristig zugute: wenn die Plattform etabliert ist und von den Pharmafirmen für Testungen herangezogen wird, fließen Teile des ökonomischen Gewinns wieder an die akademischen Partnerorganisationen zurück.

Über IMI
Die Innovative Medicines Initiative (IMI) hat das Ziel, die Gesundheitsversorgung zu verbessern, in dem die Entwicklung von innovativen Medikamenten und der Zugang von PatientInnen zu ihnen beschleunigt werden. Das trifft vor allem auf Gebiete zu, in denen es bislang noch keine befriedigenden Therapien gibt. IMI ist eine Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und der europäischen pharmazeutischen Industrie.

Über das Forschungsprogramm Hirntumoren bei Kindern
Die Forschungsgruppe für Hirntumoren bei Kindern innerhalb des CCC-CNS unter der Leitung von Irene Slavc (Abteilung für pädiatrische Neuro-Onkologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde) hat sich zur Aufgabe gestellt, das Verständnis für die molekularen Mechanismen dieser Tumorarten zu vertiefen und eine verbesserte Therapie für diese jungen Patienten zu ermöglichen. Dies geschieht durch die Vereinigung von Grundlagenforschung, translationalen Forschungsansätzen sowie klinischen Studien. Im Zentrum der CCC-CNS-Arbeitsgruppe für Hirntumoren bei Kindern steht eine engmaschige Kooperation von klinischen Instituten unter Beteiligung der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde (Johannes Gojo, Andreas Peyrl. Amedeo Azizi), der Universitätsklinik für Neurochirurgie (Thomas Czech, Christian Dorfer), dem Klinischen Institut für Neurologie (Christine Haberler), der Universitätsklinik für Strahlentherapie (Karin Dieckmann) und der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin (Daniela Prayer, Tatjana Traub-Weidinger), sowie dem Institut für Krebsforschung (Walter Berger, Daniela Lötsch).

Neben eigenen Publikationen in Top-Journalen, wie zuletzt in Neuro-Oncology (Gojo et. al, Neuro-Oncology 2017), steht die Forschungsgruppe in regem wissenschaftlichem Austausch mit internationalen Kooperationspartnern und war unter anderem an der molekularen Re-Klassifizierung von CNS-PNETs beteiligt (Sturm et. al, Cell 2016). Ein weiterer Fokus sind klinische Studien wie zum Beispiel eine internationale transatlantische Studie zur Therapie rezidivierter Medulloblastome, die von Wien aus initiiert wurde (MEMMAT, NCT01356290).