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MedUni Wien trauert um Klaus Turnheim

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(Wien, 28-07-2017) Am 25. Juli verstarb der prominente Pharmakologe Klaus Turnheim nach langer schwerer Krankheit. Er startete nach Abschluss des Medizinstudiums seine Karriere 1968 zunächst als Assistenzarzt an der I. Medizinischen Klinik der Universität Wien und wechselte 1969 an das Pharmakologische Institut.

Herr Turnheim gehört damit zum Kreis jener Pharmakologen, die noch aus der legendären Ära von Franz Theodor Brücke stammen. 1970 wurde Otto Kraupp, ein lang gedienter Mitarbeiter Brückes, an die neu gegründete Ruhr-Universität Bochum berufen und Klaus Turnheim wechselte mit ihm formal dorthin, arbeitete aber tatsächlich weiterhin am Wiener Institut, weil die Gebäude in Bochum noch nicht fertig gestellt waren. Mit der ein Jahr später erfolgten Berufung von Otto Kraupp nach Wien, blieb nun auch Herr Turnheim dauerhaft in Wien. Es folgte Forschungsaufenthalte (1977/78 und 1988) bei Stanley G. Schultz (University of Pittsburgh, PA, und University of Houston, TX) sowie zahlreiche kürzere Auslandsaufenthalte, die Klaus Turnheim von Nigerien bis Japan führten und von seiner Neugier zeugen und sein Interesse belegen, sich wissenschaftlich weiter zu entwickeln. Er habilitierte 1979, 1985 wurde ihm der Berufstitel eines Außerordentlichen Universitätsprofessors verliehen.

In seinem wissenschaftlichen Opus begann Herr Turnheim mit der tierexperiementellen Analyse der Kreislaufwirkung von Catecholaminen, hier sticht besonders die Analyse der Wirkung des serotoninergen Schlankheitsmittels Aminorex hervor, das zur pulmonalen Hypertonie führt. In weiterer Folge wandte sich Klaus Turnheim dem transepithelialen Transport zu, der auch sein Markenzeichen wurde; Herr Turnheim war damit ein Wegbereiter für das wissenschaftlichen Feld der Transporterproteine, das derzeit zu den am raschesten wachsenden Gebieten in der Pharmakologie gehört.

Die wissenschaftliche Bedeutung eines akademischen Forschers und Lehrers lässt sich auch an der Entwicklung seiner Mitarbeiter ablesen. Im Labor von Herrn Turnheim begannen die Laufbahnen einiger herausragender Akteure, wie Anton Luger, Markus Grasl, Rainer Oberbauer und Michael Roden. Für das Lehrbuch „Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie“, nach seinen Erstherausgebern „Forth-Henschler-Rummel“ genannt, war er von dessen erster Auflage (1975) an für das Kapitel „Wasser und Elektrolyte“ zuständig.

Wolfgang Schütz,
Rektor em. und ehemaliger Leiter des Instituts für Pharmakologie der MedUni Wien