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Metastasierter Brustkrebs: Operation vor medikamentöser Therapie ist nicht sinnvoll

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(Wien, 08-06-2017). Eine neue Studie der ABCSG (Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group) signalisiert, dass Frauen, die von einem metastasierten Mammakarzinom betroffen sind, nicht von einer Operation profitieren, die vor der medikamentösen Therapie durchgeführt wird. Dies könnte einen Paradigmenwechsel in der Therapie der Erkrankung bewirken. Die multizentrische Untersuchung wurde am Wochenende im Rahmen eines der wichtigsten Krebskongresse der Welt, dem ASCO, präsentiert und entstand unter der Leitung von Florian Fitzal. Er ist Leiter der Brustchirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien/AKH Wien und einer der beiden stellvertretenden Leiter des Brustgesundheitszentrums des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien.

Pro Jahr erhalten rund 250 Frauen in Österreich die Nachricht, dass sie primär an einem „metastasierten Mammakarzinom“ erkrankt sind. Das bedeutet: Erstdiagnose Brustkrebs in einem späten Stadium. Trotz rezenter Erfolge in der Behandlung ist in dieser glücklicherweise seltenen Situation „Heilung“ nicht möglich; die Therapieziele sind Lebensqualitätserhalt und Verlängerung der Lebenserwartung – für viele Betroffene können einige Jahre erreicht werden. Daher arbeiten BrustkrebsexpertInnen auf der ganzen Welt daran, die Therapien sowie die Behandlungsstrategien und gleichzeitig die Lebensqualität der PatientInnen zu verbessern.

Paradigmenwechsel
So untersuchte ein von Florian Fitzal geleitetes Forschungsteam der ABCSG (Präsident: Michael Gnant, MedUni Wien/AKH Wien), wie eine sofortige operative Entfernung des Brustkrebsgewebes vor der Gabe der systemischen (medikamentösen) Therapie die Behandlung beeinflusst. Im vergangenen Jahrzehnt galt diese Methode als mögliche Behandlungsstrategie beim primär metastasierten Mammakarzinom. Die wissenschaftliche Basis für dieses Vorgehen waren retrospektive Studien, also Studien, in denen bereits vorhandenes Datenmaterial analysiert wurde und in denen gezeigt werden konnte, dass eine Operation das Überleben möglicherweise um bis zu 50 Prozent verbessern könnte.

Die Ergebnisse der Studie ABCSG-28 zeigen nun, dass eine Operation vor der systemischen Therapie die Behandlungsergebnisse im Vergleich zur primären systemischen Therapie nicht verbessert. Diese Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen von anderen, internationalen Untersuchungen, die erst jüngst erschienen sind.
Fitzal dazu. „Unsere Arbeit zeigt, dass eine OP den betroffenen Frauen keinen Überlebensvorteil verschafft. Das heißt, dass man vielen von ihnen im Sinne der besseren Lebensqualität den belastenden Eingriff ersparen kann. Das könnte zu einem Paradigmenwechsel in der Therapie des primär metastasierten Mamakarzinoms führen.“

Service:
“Primary operation in synchroneous metastasized invasive breast cancer patients: first oncologic outcomes of the prospective randomized phase III ABCSG 28 POSYTIVE trial”
Fitzal, Bjelic, Steger, Singer, Marth, Hubalek, Schrenk, Balic, Knauer, Haid, Wette, Swoboda, Luisser, Fuegger, Greil, Soelkner, Fesl, Gnant on behalf of the ABCSG.