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Subkutaner Defibrillator zur Prävention des plötzlichen Herztodes

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Bild: BostonScientific

(Wien, 02-06-2017) Ein Team der MedUni Wien und des AKH Wien hat den österreichweit 300. Subkutanen Defibrillator implantiert. Diese neuartigen „Subcutaneous Implantable Defibrillators“ (S-ICD) kommen gänzlich ohne Elektroden im Herz aus. Das Gerät wird an die linke Seite des Brustkorbes implantiert und mit einer neben dem Brustbein unter der Haut verlaufenden Elektrode verbunden. Das sorgt für größere Sicherheit und erhöht die Lebensqualität der Betroffenen.

In Österreich versterben jedes Jahr mehr als 15.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Die Ursachen dafür sind vor allem Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder anhaltende Kammertachykardien, die letztlich zum Herzstillstand führen und in 80 Prozent der Fälle in Folge einer Durchblutungsstörung bei koronarer Herzerkrankung auftreten. Aber auch andere Herzmuskelerkrankungen wie verschiedene Formen der Herzschwäche (Kardiomyopathie) oder angeborene Erkrankungen des Herzrhythmus-Systems, die ebenfalls zu Rhythmusstörungen führen können, finden sich als Ursache.

Implantierbare Defibrillatoren, die sogenannten ICDs, sind die wirksamste Therapie zum Verhindern des plötzlichen Herztodes. Bei Auftreten einer bösartigen Herzrhythmusstörung gibt das implantierte Gerät einen Elektroschock ab, welcher die Herzrhythmusstörung beendet und den normalen Herzrhythmus wieder herstellt. In Österreich wurde vor ziemlich genau 30 Jahren dem ersten Patienten ein solches Gerät implantiert.

Ältere Modelle leiden unter mechanischem Verschleiß
Die ersten dieser ICDs waren ziemlich groß und wurden anfänglich im Bauchraum implantiert und mit Elektroden verbunden, die direkt auf das Herz aufgenäht wurden, was natürlich einen großen chirurgischen Eingriff darstellte. Im Laufe der Zeit wurden die Geräte deutlich kleiner und werden heute routinemäßig wie ein Herzschrittmacher unter dem Schlüsselbein implantiert. Die Elektroden werden über die großen Venen (transvenös) ins Herz eingeführt und dort direkt in der rechten Herzkammer fixiert. Im Anlassfall gibt das implantierte Gerät einen Elektroschock über die Elektrode ab.
Diese direkt im Herzen liegenden Elektroden sind durch die Kontraktion des Herzmuskels mechanischen Belastungen ausgesetzt, die auf Dauer zu einer Beeinträchtigung der Funktion führen können. Vor allem bei jüngeren PatientInnen, die körperlich aktiv sind, kann es an der Eintrittsstelle in das Gefäßsystem unter dem Schlüsselbein zu einem Abrieb der Isolierung und damit einem Defekt der Elektrode kommen. In diesem Fall muss die defekte Elektrode operativ ersetzt werden, was einen durchaus riskanten Eingriff darstellt.

Seit 2009 steht nun zusätzlich ein subkutan implantierbarer Defibrillator – der S-ICD – zur Verfügung, welcher gänzlich ohne Elektroden im Herzen auskommt. Das Gerät wird an die linke Seite des Brustkorbes implantiert und mit einer neben dem Brustbein unter der Haut verlaufenden Elektrode verbunden. Die Elektrode liegt bei diesem Gerät unter der Haut und ist dadurch im Vergleich zu transvenösen Sonden weniger Belastungen ausgesetzt. Diese Sonden können länger ohne Beschädigungen in Verwendung bleiben. Außerdem bleiben das Herz und die Gefäße bei diesem System gänzlich unberührt.

300. S-ICD in Österreich im AKH Wien implantiert
Diese neue Therapieform nimmt an Bedeutung zu. Wurden bis vor 2016 weltweit rund 13.000 dieser subkutanen S-ICD Systeme implantiert, so waren es alleine im Jahr 2016 ebenso viele. Auch in Österreich steigt die Zahl der Implantationen mit diesem subkutanen Defibrillatorsystem an. So wurde erst kürzlich im AKH Wien der 300. S-ICD in Österreich implantiert (Elektrophysiologisches Team der Herzchirurgie: Cesar Khazen, Thomas Aschacher, Martin Andreas, unter der Leitung der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie, Günther Laufer). Das AKH Wien hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Zentrum der Herzversorgung mit überregionaler Bedeutung entwickelt. Vor allem das Management transvenöser Elektrodenkomplikationen nimmt an Bedeutung zu.