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Kein Tabu mehr: Ringvorlesung informiert zu Gewalt an Frauen

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(Wien, 29-09-2017) Im Rahmen der Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen" im November gibt es wieder eine Vorlesungsreihe, organisiert von MedUni Wien, dem Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) und der Volksanwaltschaft. Der heurige Titel lautet "Eine von fünf: Schrittweise – Wege aus der Gewalt". 

"Die meisten Gewaltverbrechen passieren im Wohn- und Kinderzimmer", verdeutlichte Volksanwältin Gertrude Brinek bei einer Informationsveranstaltung einleitend die Dringlichkeit und Aktualität des Themas häusliche Gewalt bzw. Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Mit der Ringvorlesung wolle die Volksanwaltschaft ihre Verantwortung als Organisation zum Schutz der Menschenrechte wahrnehmen und einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung schaffen: "Das Thema muss aus der Zone des mäßig Beachteten heraus." Die Gewaltspirale drehe sich, eine von fünf Frauen sei in Österreich im privaten oder öffentlichen Raum von Gewalt betroffen, sagte Brinek.

Pro Jahr seien es nach Schätzungen rund 300.000 Frauen in Österreich, die körperlicher oder sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind, ergänzte Andrea Berzlanovich von der Medizinischen Universität Wien. Ärzte bzw. Gesundheitsfachkräfte müssen wissen bzw. feststellen können, dass Verletzungen von häuslicher Gewalt stammen und diese erkennen können. "Hier bedarf es einer gezielten Fortbildung", sagte Berzlanovich.

Von Gewalt betroffene Frauen schämen sich oft dafür, was ihnen angetan wurde, hielt Maria Rösslhumer vom AÖF fest, die Österreich generell ein gutes Zeugnis in Sachen Gewaltbekämpfung ausstellte. Insbesondere beim Opferschutz habe sich viel getan. Trotzdem gebe es noch zahlreichen Lücken. Ihr gravierendstes Anliegen: "Es gibt immer noch mehr Täterschutz als Opferschutz. Zwei Frauen werden pro Monat in Österreich von Tätern aus der Familie ermordet, das kann nicht sein in einem kleinen Land wie Österreich. Der Staat muss mehr in den Schutz von Frauen und Kindern investieren."

Leitthema der Ringvorlesung, die heuer von 27. November bis 13. Dezember am Department für Gerichtsmedizin in Wien-Alsergrund stattfindet, ist in erster Linie der Opferschutz, aber auch die Täterarbeit. Die sieben Vorlesungen mit insgesamt 23 Vortragenden sollen Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen dafür gewinnen, sich in Hinblick auf ihre zukünftige berufliche Praxis, sowie auch im wissenschaftlichen Kontext intensiver mit der Gewaltthematik und den daraus resultierenden Problemen für die Betroffenen zu befassen, so Berzlanovich. Parallel dazu wird die Publikation "Eine von fünf. Gewaltschutz für Frauen in allen Lebenslagen" präsentiert. Die Auftaktveranstaltung findet am 23. November in der Volksanwaltschaft Wien statt.