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Eric Kandel erhält Ehrendoktorat der MedUni Wien

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Bild: MedUni Wien/Hörmandinger
v.l.n.r.: Heinz Faßmann (Wissenschaftsminister), Eva Dichand (Unirätin der MedUni Wien), Bundeskanzler Sebastian Kurz, Denise und Eric Kandel, MedUni-Wien-Rektor Markus Müller

(Wien 24-04-2018) Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, verlieh heute, Dienstag, dem Neurowissenschaftler Eric Kandel das Ehrendoktorat der MedUni Wien. Kandel, der im November 1929 als zweiter Sohn eines Spielwarenhändlers in Wien geboren wurde, erhielt im Jahr 2000 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Ausgezeichnet wurde er für seine Forschung auf dem Gebiet des Gedächtnisses. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz und Wissenschaftsminister Heinz Faßmann gratulierten persönlich.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland musste Kandel mit seiner Familie im Jahr 1939 in die USA emigrieren. 1945 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sein Interesse an der Erforschung physiologischer Vorgänge im Gehirn erwuchs zunächst auf seinem Interesse an der Psychologie und den Thesen Sigmund Freuds. Kandel begann 1952 an der New York University Medizin zu studieren, um ursprünglich Psychiater oder Psychoanalytiker zu werden, entschied sich dann aber dazu, in der Grundlagenforschung tätig zu werden und sich der experimentellen Untersuchung biologischer und molekularer Vorgänge im Gehirn zu widmen.

Im Jahr 2000 erhielt Kandel den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung, dass Veränderungen in der Stärke von Verbindungen zwischen Nervenzellen die Grundlage für Lernvorgänge im Gehirn darstellen. Durch seine Versuche in der Meeresschnecke konnte er weiters zeigen, dass die Veränderung existierender Proteine für das Kurzzeitgedächtnis notwendig ist, während das Langzeitgedächtnis von einer Veränderung der Genexpression und der Synthese neuer Proteine abhängig ist. Kandel konnte so nachweisen, wie geistige Vorgänge biologische Veränderungen produzieren und dass Lernen und Gedächtnis molekulare und anatomische Veränderung im Gehirn bewirken.

„Eric Kandel ist einer der ganz wenigen lebenden Nobelpreisträger mit Wurzeln in Österreich. Damit allein ein großes Vorbild von uns allen. Wir haben eine Verantwortung gegenüber jenen, die vertrieben wurden und die keiner mehr zurückgeholt hat. Eric Kandel verkörpert als Mahner der Republik den Blick zurück und als erfolgreicher Wissenschaftler und Vorbild den Blick nach vorne“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz.


Bild: MedUni Wien/Hörmandinger

„Als herausragender Forscher, Humanist und Nobelpreisträger des Jahres 2000 hat Professor Kandel die moderne Medizin geprägt“, sagte MedUni Wien-Rektor Markus Müller. „Wir sind geehrt, dass er nach den traumatischen Erlebnissen seiner Kindheit im Wien der 30er-Jahre, die schließlich zur Flucht der Familie mit Emigration in die USA führten, für uns ein Lehrer und Freund geworden ist. Es ist uns eine große Freude, dass er dieses Ehrendoktorat als Geste der besonderen Wertschätzung unserer Universität entgegennimmt.“

„Wir alle werden entscheidend von unseren Erinnerungen geprägt. Die Erkenntnisse, die aus der jahrzehntelangen Forschung von Eric Kandel hervorgehen und Einblicke in die biologischen Fundamente von Lernen und Gedächtnis bis auf die Ebene einzelner Moleküle gewähren, sind ein Geschenk an die Menschheit.“, sagte Laudatorin Daniela D. Pollak. Sie war drei Jahre als Postdoktorandin im Labor von Eric Kandel tätig und hat sich dort mit der Erforschung der molekularen Grundlagen der erlernten Sicherheit im Mausmodell beschäftigt.