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Trauer um Armin Prinz

Ehemaliger Leiter der Abteilung Ethnomedizin der MedUni Wien verstarb unerwartet im Alter von 73 Jahren
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(Wien, 31-08-2018) Ao.Prof. DDr. Armin Prinz, ehemaliger Leiter der Abteilung Ethnomedizin der Medizinischen Universität Wien, verstarb völlig unerwartet am 25. August 2018.

Armin Prinz, am 29. Juli 1945 in Öblarn geboren, studierte Ethnologie und Medizin in Wien und habilitierte sich im Fach Ethnomedizin an der MedUni Wien. In seinen beiden Tätigkeiten – als Notarzt am Wiener Flugplatz und als Abteilungsleiter an der MedUni Wien - verkörperte er die Medizin und die Ethnologie wie sonst keiner und lebte eine echte Interdisziplinarität. Oft sagte er: „Für die Mediziner bin ich der Ethnologe und für die Ethnologen bin ich der Mediziner.“ Er sah sich als beides und war amüsiert, wenn ihn Menschen auf das eine oder andere festlegen wollten.

Armins Lebensweg war nicht gradlinig. Als Jugendlicher brach er die Mittelschule ab, entschloss sich mit 16 Jahren zur See zu fahren und schloss die Seemannsschule auf dem „Schulschiff Deutschland“ in Bremen ab. Er arbeitete einige Jahre für große deutsche Reedereien – eine Malariaerkrankung bewog ihn aber, den Beruf aufzugeben. Mit 24 holte er die Matura als Externist nach und begann, Ethnologie zu studieren und später Medizin. Während seines Doppel-Studiums verbrachte er mehre Jahre in entlegenen Gebieten im damaligen Zaire, jetzt Demokratische Republik Kongo. Nach dem Abschluss beider Studien und der Absolvierung des Turnus kehrte er für seine Forschungen über viele Jahre immer wieder in den Nordost-Kongo zu den Zande, einer großen ethnischen Gruppe, zurück, drehte professionell Filme und unterstützte die WHO als Berater beim Ebola-Ausbruch in Isiro 2012.

Schon ab 1981 begann er, seine legendären Vorlesungen zu halten. Viele von uns haben ihn vor allem dort kennengelernt und uns von seiner umfassenden Expertise, seinem Witz und seiner Begeisterung für Afrika mitreißen lassen. Er publizierte zu den Themen Ethnomedizin, Ernährungsanthropologie, Ethnopharmakologie und Medizingeschichte und habilitierte sich schließlich 1989. Er betreute zahlreiche Studierende, die er auch immer wieder in seine Forschungen im Kongo und im Senegal einband. Er baute eine eigene Bibliothek auf und gründete die Sammlung Ethnomedizin, die mit Objekten und vor allem zeitgenössischen Malereien von mittlerweile namhaften Künstlern aus Afrika, heute im Weltmuseum untergebracht ist. Teile davon werden in Kürze im Kunsthaus Graz zu sehen sein, die Ausstellungseröffnung im September 2018 wird er leider nicht mehr sehen.

Armin Prinz war passionierter Wissenschaftler, Mentor, Arzt und Ethnologe, und er war auch ein Visionär für viele Themen, die er so nicht benannt haben wollte, wie „interkulturelle Kompetenz“ oder „global health“.  Seine KollegInnen, ehemaligen StudentInnen und seine Familie werden ihn sehr vermissen.

Ruth Kutalek