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MedUni Wien trauert um Otto Majdic

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Otto Majdic – Pionier und Meister der monoklonalen Antikörper (1952 -2018)


Bescheidenheit und Zurückhaltung waren Lebensmotive von Ass. Prof. Dr. Otto Majdic, weshalb viele nicht oder nicht mehr wissen, dass er der Pionier der monoklonalen Antikörper in Österreich ist.

Die Leidenschaft für die Natur wurde ihm bei der Geburt in Eisenkappel, Kärnten, in die Wiege gelegt. Schon als Bub begann er Tiere, insbesondere Vögel, zu züchten und die verschiedensten Pflanzen zu sammeln. Aber es war nicht nur die Liebe zur Natur, es war die Hingabe, weshalb alles in seinen Händen wuchs und gedieh und das Biologiestudium war somit die logische Konsequenz.

Entscheidend im Leben ist zur gegebenen Zeit am richtigen Ort zu sein. Für Otto war dies vor 40 Jahren im Jahr 1978 die Begegnung mit Univ.-Prof. Dr. Walter Knapp, der dringend einen geschickten Biologen suchte, um am Institut für Immunologie an der damaligen Universität Wien die 1975 von Köhler und Milstein beschriebene und 1984 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Hybridomtechnologie zur Herstellung monoklonaler Antikörper zu etablieren. Und die Hybridomzellen explodierten förmlich in den Händen von Otto, und ich kenne niemanden, der mehr monoklonale Antikörper herstellte als er. Legendär sind der CD15 Antikörper VIM-D5 und der CD65 Antikörper VIM-2, die ersten Werkzeuge Anfang 1980, um myeloische Blutzellen zu erkennen. Dadurch gelang es erstmals myeloische von lymphatischen Leukämien zu diagnostizieren und zu differenzieren, die Entscheidungsgrundlage für die lebensrettende Therapie. Auch waren seine monoklonalen Antikörper unter den ersten, die therapeutisch eingesetzt wurden, wie der CD4 Antikörper VIT-4, um bei Transplantationen temporär T-Zellen zu eliminieren oder der monoklonale Antikörper-Cocktail, bestehend aus dem CD10 Antikörper VIL-A1 und den CD24 Antikörpern VIB-C5 und VIB-E3, um Knochenmark von akut lymphatischen Leukämiezellen zu säubern.

Ottos monoklonale Antikörper schlossen viele Lücken zum Verständnis der Entwicklung und Differenzierung von Immun- und Blutzellen. Seine mehr als 500 monoklonalen Antikörper sind in mehr als 200 Publikationen, die mehr als 10.000 mal zitiert wurden und Otto mit einen h-Faktor von über 60 ausweisen, beschrieben. Dieses hohe internationale Ansehen und die Sichtbarkeit verstärkte er durch die Gratisverteilung der Antikörper an die internationale Forschungsgemeinde weltweit: jeder/jede Wissenschaftler/in und jeder/jede Forscher/in, der/die bei ihm anfragte, wurde mit Gratisproben versorgt. Somit ist Otto ohne Zweifel Wegbereiter und Förderer der modernen Immunologie, und er diente letztendlich auch der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie als stellvertretender Sekretär von 1984-1988.

Er spendete den Großteil seiner Energie und Kraft seinen monoklonalen Antikörpern und vergaß dabei, dass sein eigener Körper für die Abwehr Energie und Antikörper braucht, weshalb er mit frühen 66 Jahren am 9. Februar 2018 die Infektionsabwehr verlor. Durch seinen Glauben und seinen Bezug zur Natur sah er den Tod nicht als Endgültiges, sondern als Teil eines geschlossenen Kreislaufes, der nichts vergehen lässt. Dies zusammen mit seinem Schaffen und seiner Kompetenz halten das Gedenken an seine Persönlichkeit aufrecht.

Hannes Stockinger
Organisationseinheitsleiter Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie