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Hannes Stockinger erhält Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse

Hohe Auszeichnung für Leiter des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien
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Wissenschaftsminister Faßmann und Prof. Stockinger (v.li.). Copyright: Willy Haslinger.

(Wien, 07-11-2018) Hannes Stockinger, Leiter des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie und ebenso Leiter einer Subeinheit des Zentrums, des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie an der Medizinischen Universität Wien, wurde mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet.

Das Österreichische Ehrenzeichen beziehungsweise Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst wird vom Bundespräsidenten über Vorschlag der Bundesregierung beziehungsweise eines von ihr ermächtigten Bundesministers verliehen.

Hannes Stockinger ist Professor für Molekulare Immunologie und Leiter des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie und ebenso Leiter einer Subeinheit des Zentrums, des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie an der Medizinischen Universität Wien. Das Zentrum ist mit 300 MitarbeiterInnen eines der größten translationalen präklinischen Forschungseinrichtungen der Medizinischen Universität Wien. Er war auch Mitbegründer und CEO des Biotech-KMU-Kompetenzzentrums für Biomolekulare Therapeutika (BMT).

Entdecker der „Lipid-Rafts“

Hannes Stockinger und sein Forscherteam entdeckten und charakterisierten erstmals eine Reihe kritischer Rezeptoren/Liganden auf der Zellmembran von Immunzellen und wie dadurch Immunzellen miteinander kommunizieren, um unseren Körper zu schützen. Weiters entdeckte er mit Vaclav Horejsi (Tschechische Akademie der Wissenschaften, Prag), wie eine Gruppe von Rezeptoren, die sogenannten GPI-Proteine, die über das Glykolipid Glykosylphosphatidylinositol (GPI) in der äußeren Plasmamembranschicht verankert sind, Signale über die Plasmamembran vermitteln: nämlich über Zellmembranstrukturen, die heute als Fettflöße (Englisch Lipid-Rafts) bezeichnet und als die zentralen Schaltstellen der Informationsübertragung aus der Zellumgebung über die Zellmembran ins Zellinnere betrachtet werden.

Pionier der monoklonalen Antikörper

Die Werkzeuge für die strukturelle und funktionelle Charakterisierung dieser Rezeptoren waren und sind monoklonale Antikörper (mAk). Deren Herstellung erlernte er in Pionierarbeit als Dissertant im Labor von Walter Knapp in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Diese mAk werden heute nach wie vor für die Erforschung des Immunsystems und für die Diagnose von Immunerkrankungen und Leukämien eingesetzt. Auch setzte das damalige Team erstmals mAk für die Therapie ein und legte damit den Grundstein für die heute so erfolgreichen Immuntherapien bei Krebs, Autoimmunreaktionen und Organtransplantationen. Auf Grund dieser Leistungen ist Hannes Stockinger seit 15 Jahren Mitglied des internationalen Human Cell Differentiation Molecules Council, welches die CD-Nomenklatur für diagnostische und therapeutische Antikörper vergibt.

Außerdem baute Stockinger in enger Zusammenarbeit mit dem Biophysiker Gerhard Schütz (Technische Universität Wien) hochauflösende Mikroskope. Erstmals gelang es ihnen mit diesen Nanoskopen, Moleküle (insbesondere Membranrezeptoren) einzeln in lebenden (Immun)Zellen aufzulösen und zu studieren. Diese Untersuchungen liefern eine völlig neue Sicht auf die Organisation und Arbeitsweise der Moleküle in Zellen und dadurch die Grundlage für die Entwicklung neuartiger diagnostischer und therapeutischer Strategien. Diese Forschungen wurden in mehr als 20 Publikationen, einige davon in den Höchstliga-Journalen der Nature Publishing Group, publiziert.

Neben diesen Analysen von biochemischen Prozessen auf nanoskopischer Ebene liegt ein zweiter aktueller Schwerpunkt im zielgerichteten und geschützten Transport von Medikamenten durch neuartige Liposomen. Basierend auf eindrucksvollen in vitro- und Mausstudien werden gerade solche Liposomen für eine klinische Phase-1-Studie zur Behandlung rheumatoider Arthritis hergestellt (gefördert durch ein EU Projekt). Ein dritter derzeitiger Forschungsschwerpunkt liegt in der Entwicklung verbesserter Diagnoseverfahren für bakterielle Erkrankungen, insbesondere Lyme-Borreliose (ebenfalls von der EU gefördert).
Die Forschungstätigkeit von Hannes Stockinger ist in 200 wissenschaftlichen Arbeiten (davon einige in Höchstligazeitschriften wie Cell, Science, Nature Methods, Nature Immunology, The Journal of Experimental Medicine, Science Signaling) dokumentiert.

Engagement in Fachgesellschaften und Ausbildung

Hannes Stockinger übernahm zahlreiche Funktionen in nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften und Organisationen: beispielsweise war er Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, Kuratoriumsmitglied des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich, Schatzmeister der Europäischen Vereinigung immunologischer Gesellschaften, etc. Derzeit ist er der Präsident des Verbands wissenschaftlicher Gesellschaften Österreichs, dessen 160 Mitgliedsgesellschaften etwa 30.000 Einzelmitglieder einschließen.

Ein großes Anliegen ist ihm die Förderung und Ausbildung von JungwissenschafterInnen. So baute er für die PhD-Ausbildung an der Medizinischen Universität Wien als erster Curriculumdirektor (2003-2010) und als Vorsitzender der Curriculumkommission für die Doktoratsstudien (2010-laufend) eine der erfolgreichsten PhD-Schulen auf, die derzeit 1400 PhD Studierende betreut. Er gründete die Young Scientist Association (YSA) und das PhD-Symposium an unserer Universität und führte selbst 36 DoktorandInnen zu einem erfolgreichen PhD-Abschluss. Darüber hinaus betreute er unzählige Diplom-/MasterstudentInnen.

Viele seiner PhD Studierenden kamen aus osteuropäischen Ländern. Dadurch lernte er die Probleme der WissenschafterInnen in diesen Ländern im Detail kennen und so wuchs in ihm das Anliegen, sie in ihrem Anschlussbesterben an den westlichen Standard zu unterstützen. Einige Beispiele: Seit 2000 organisiert er im zweijährigen Abstand gemeinsam mit Vaclav Horejsi die renommierte Tatra Immunology Conference in der Slowakei. 2009 gründete er die South Eastern European Immunology School, die mittlerweile 10-mal (von allen Balkanstaaten über Rumänien und die Ukraine bis nach Armenien) abgehalten wurde. Für die Tätigkeiten im südosteuropäischen Raum wurde er mehrfach geehrt: Gastprofessor der Universität Kragujevac, Serbien, Ehrenmitglied der Georgischen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, Ehrenauszeichnung der Danylo Halytsky Nationalen Medizinischen Universität Lemberg, Ukraine, Ehrenmedaille der Danylo Halytsky Nationalen Medizinischen Universität Lemberg, Ukraine, Adjunct Professor für Immunologie an der Jerewan Staatlichen Medizinischen Universität, Armenien.

Link: Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie https://www.meduniwien.ac.at/hp/CePII