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Leberkrebs: Prognose für Leberversagen nach operativer Teilentfernung möglich

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(Wien, 8. Jänner 2018) Die postoperative Leber-Dysfunktion (Versagen) ist die schwerste Komplikation nach einer Leberresektion (Entfernung) bei Lebertumoren. Bisher waren nur zeitaufwändige und teure Tests für die Risikoabschätzung vor einer Operation erhältlich. Eine Forschungsgruppe der MedUni Wien hat nun gezeigt, dass ein erhöhtes präoperatives von-Willebrand-Faktor–Antigen (vWF-Ag) im Blutkreislauf eng mit schlechteren klinischen Ergebnissen einhergeht. Dadurch lässt sich das Risiko möglicher Komplikationen bereits vor der Operation besser einschätzen. Die Ergebnisse dieser internationalen, multizentrischen Kooperationsstudie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Hepatology“ veröffentlicht.

Die Forschungsgruppe um Patrick Starlinger von der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien befasst sich seit mehreren Jahren mit der Vorhersage der postoperativen Leber-Dysfunktion und der zu erwartenden klinischen Ergebnisse nach der operativen Leberresektion. Die derzeit verfügbaren Methoden sind entweder kostenintensiv, nur begrenzt erhältlich oder zeitaufwändig. Vor mehreren Jahren wurde gezeigt, dass das vWF-Ag in einem engen Zusammenhang mit portaler Hypertension (Pfortaderhochdruck) bei PatientInnen mit Leberzirrhose steht. Diese Beobachtung führte zu einer ersten prospektiven exploratorischen Studie (Beginn 2012), die das vWF-Ag als unabhängigen Marker für die präoperative Vorhersage der postoperativen Leber-Dysfunktion und Komplikationen nach der Leberresektion identifizierte. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer multizentrischen, multinationalen Kooperationsstudie in mehreren Zentren in Österreich und in der Schweiz weiter validiert.

„Nach unserer explorativen Studie war es extrem wichtig, den nächsten Schritt zu gehen und den Wert des vWF-Ag in einer klinischen Routineumgebung in mehreren Einrichtungen zu bestimmen“, erläutert Patrick Starlinger. „Nur so konnten wir vWF-Ag als einfach bewertbares – und am wichtigsten – als klinisch anwendbares Tool einführen, das eine zuverlässige Risikobeurteilung von Patienten vor der Leberresektion ermöglicht und daher potenziell tödliche Komplikationen verhindert.“

Während der klinischen Studie untersuchte das Team auch die pathophysiologische Relevanz des vWF in der frühen Phase der Leberregeneration. Bisher basieren verfügbare Daten zur Verbindung zwischen vWF und Leberregeneration auf experimentellen Modellen. Die PrüferInnen konnten zeigen, dass ein unmittelbarer vWF-Ag-Burst während der frühen Leberregeneration äußerst relevant zu sein scheint, da er eine ausreichende Plättchen-Adhäsion in der sich regenerierenden Leber ermöglicht. Die zentrale Rolle der Blutplättchen bei der Regeneration der menschlichen Leber wurde von dieser Gruppe bereits nachgewiesen. Starlinger: „Was wir zum Schluss verblüfft waren zu beobachten, war die Tatsache, dass unsere Beobachtungen vorhandenen experimentellen Daten nahezu exakt entsprachen, was auch die Relevanz eines akuten vWF-Ag-Bursts während der frühen Leberregeneration dokumentiert.“ Da in der klinischen Praxis bereits pharmakologische Substanzen verwendet werden, um die Freisetzung von vWF-Ag aus den vorhandenen Speicherpools zu induzieren, weist diese Beobachtung auf ein interessantes therapeutisches Potenzial hin.

In der Schweiz läuft derzeit eine klinische Studie zur Untersuchung der Wirkung solcher pharmazeutischer Substanzen in der perioperativen Umgebung der Leberresektion auf die postoperative Leberregeneration. Starlinger: „Wenn diese Studie einen Nutzen im Sinne eines klinischen Ergebnisses zeigt, wird dies die erste und einzige effektive therapeutische Option sein, die wir haben, um die postoperative Leberregeneration bei Patienten mit umfassender Leberresektion zu unterstützen.“

 

Service: Hepatology
Perioperative Von Willebrand Factor Dynamics are Associated with Liver Regeneration and Predict Outcome after Liver Resection - Patrick Starlinger, David Pereyra, Stefanie Haegele, Paul Braeuer, Lukas Oehlberger, Florian Primavesi, Andreas Kohler, Florian Offensperger, Thomas Reiberger, Arnulf Ferlitsch, Barbara Messner, Guido Beldi, Stefan Staettner, Christine Brostjan, Thomas Gruenberger, DOI: 10.1002/hep.29651
onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/hep.29651/abstract