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Nicolas Kozakowski erhält den Wissenschaftspreis der Bamberger Morphologietage 2019

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© Charlotte Moser

(Wien, 31-01-2019) Nicolas Kozakowski vom Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien wurde im Rahmen der Bamberger Morphologietage 2019 mit dem nach Johann Lukas Schönlein benannten Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Dieser Preis würdigt seine Arbeiten über die Relevanz der präzisen Beschreibung einer der wichtigsten Läsionen für die Diagnose der Antikörper-mediierten Nierentransplantatabstoßung (ABMR) – die peritubuläre Kapillaritis. 

Namensgeber des Preises ist Johann Lukas Schönlein, geboren 1793 in Barmberg, der als Internist, Medizinhistoriker, Paläobotaniker und Pathologe als der bedeutendste Mediziner der Geschichte der Stadt Bamberg gilt.

Die ABMR gilt als wichtigste Ursache des Transplantatverlustes im Langzeitüberleben und ist an der Medizinischen Universität Wien Fokus einer sehr intensiven Zusammenarbeit von WissenschafterInnen der klinischen und diagnostischen Fächer, mit dem Ziel der verbesserten Detektion, der optimierten Therapie und letztendlich des verlängerten Transplantatüberlebens.

Von der Seite der Pathologie stellt die peritubuläre Kapillaritis laut internationalen Empfehlungen der Banff-Stiftung, einer internationalen Konsensus-Gruppe von ExpertInnen, ein wichtiges diagnostisches Kriterium der ABMR dar. Das Hauptziel dieser Expertengruppe ist die ständige Verbesserung der pathologischen Beurteilung der Abstoßung durch die Definition von histologischen Läsionen und das Verfassen von diagnostischen Richtlinien. Die Bedeutung des Ausmaßes bzw. der Verteilung der peritubulären Kapillaritis, sowie die Zusammensetzung der infiltrierenden Leukozyten in Nierentransplantatbiopsien war noch nie im Detail analysiert worden. Dieser Mangel motivierte N. Kozakowski zur Auseinandersetzung mit der Morphologie der peritubulären Kapillaritis.

In Zusammenarbeit mit Željko Kikić von der klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse (Universitätsklinik für Innere Medizin III) konnten drei Studien über die genauen morphologischen Eigenschaften dieser Entzündung hervorragend publiziert werden. In einer großen allgemeinen Population an nierentransplantierte PatientInnen (über 700 PatientInnen und 1300 Nierentransplantatbiopsien) wurde das diffuse Ausmaß der peritubulären Kapillaritis als unabhängiger Risikofaktor vom bis dato verwendeten Score für eine herabgesetzte Langzeitorganfunktion und den Transplantatverlust identifiziert und in Kidney International (IF: 8,428) samt einem ehrenvollen Kommentar von der international anerkannten Nephropathologin Lorraine Racusen veröffentlicht. Diese Arbeit wurde mit dem Hans Popper Preis 2015 der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie gewürdigt.
Darauf folgte eine im Journal Transplantation (IF: 3,960) publizierte Arbeit, die sich auf eine Risikopopulation von PatientInnen mit erhöhter ABMR-Wahrscheinlichkeit fokussierte. Das diffuse Ausmaß der peritubulären Kapillaritis korrelierte hier mit der Bindungskräfte Spender-spezifischer zirkulierender Antikörpern, welche als direkte Hauptursache der ABMR gelten, sowie mit meist irreversiblen chronischen Läsionen u.a. der Nierenkörperchen (Transplantat-Glomerulopathie), eine spät vorkommende Veränderung verbunden mit dem andauernden Aussetzen des transplantierten Organs zu den schädlichen Antikörpern. Ein Poster über diese Arbeit wurde mit dem Michael J. Mihatsch & Dusan Ferluga Award, der Nephropathology Working Group of the European Society of Pathology anerkannt.
Letztendlich wurde der diagnostische Vorteil dieser zusätzlichen morphologischen Information (diffuses Ausmaß der peritubulären Kapillaritis) evaluiert. Die in Nephrology, Dialysis and Transplantation (IF: 4,600) angenommene Studie konnte zeigen, dass eine derzeit als nicht diagnostisch geltende, isolierte, geringgradige und diffuse verteilte peritubuläre Kapillaritis (ptc1diffuse) jedoch mit der Transplantat-Glomerulopathie und einem schlechteren Graftüberleben signifikant verbunden ist. Die Inklusion dieser Läsion in die derzeit akzeptierten Diagnosekriterien für ABMR der Banff-Stiftung verbesserte signifikant die Prädiktion vom später ereignenden Transplantat-Glomerulopathie und -Verlust. Diese weiteren Argumente zur standhaften Sinnhaftigkeit der genauen Befundung dieses histologischen Merkmales unterstützen ihren Wert als potentieller Surrogate zur laufenden Antikörper-vermittelten Reaktion des Körpers auf das transplantierten Organ. Das diffuse Ausmaß der peritubulären Kapillaritis sollte in einer möglichst internationalen und multizentrischen Studie unter der Obhut der Banff-Stiftung verifiziert und in die diagnostischen Empfehlungen aufgenommen werden.

Zur Person
Nicolas Kozakowski studierte Humanmedizin an der Faculté de Médecine Xavier Bichat Paris VII. Er arbeitet als Facharzt am Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien und ist Mitglied der Nephropathologischen Arbeitsgruppe (mit H. Regele, R. Kain und J. Kläger). Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der Nephropathologie, er publizierte bereits mehrere Arbeiten in Top-Zeitschriften über die Pathologie der Nierentransplantatabstoßung, teils in Kollaboration mit MitarbeiterInnen der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Abteilung für Nephrologie und Dialyse. Er ist derzeit in Paris für einen wissenschaftlichen Aufenthalt in der INSERM Forschungseinheit der Universitätsabteilung für Nephrologie von Christos Chatziantoniou (eh. Pierre Ronco) und erforscht die Inhibition vom Komplement in glomerulären Entzündung der Eigennieren.

Literatur
Kozakowski N, Herkner H, Bohmig GA, et al. The diffuse extent of peritubular capillaritis in renal allograft rejection is an independent risk factor for graft loss. Kidney Int 2015;88:332-40.

Kozakowski N, Eskandary F, Herkner H, et al. Diffuse Extent of Peritubular Capillaritis in Late Antibody-Mediated Rejection: Associations With Levels of Donor-Specific Antibodies and Chronic Allograft Injury. Transplantation 2017;101:e178-e87.

Kozakowski N, Herkner H, Eskandary F, et al. An integrative approach for the assessment of peritubular capillaritis extent and score in low-grade microvascular inflammation-associations with transplant glomerulopathy and graft loss. Nephrol Dial Transplant 2018.