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Macht Sprache die Rechnung ohne ihren Wirt?

Forschung im Rahmen des Programms Art&Science am Zentrum für Public Health – Einladung zur Ars Electronica und ans Berliner Haus der Kulturen der Welt
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(Wien, 03-09-2019) Die Übertragung psychischer und metabolischer Eigenschaften von Spender auf den Empfänger durch Kottransplantationen und daraus abgeleitete probiotische Psychopharmaka führen heute zu einem neuen Verständnis des vielfältigen Potentials von Mikrobiomen. Das Programm Art&Science unter der Leitung von Klaus Spiess vom Zentrum für Public Health bezieht sich auf diese Forschungen und untersucht Zusammenhänge zwischen dem Zeichensystem des internationalen phonetischen Alphabets, Phonemen und der Mundflora.
Nun hat die Ars Electronica, das renommierteste Medienkunstfestival der Welt, sowie das traditionsreiche, auf Kunst-Wissenschaft-Diskurse spezialisierte „Haus der Kulturen der Welt“ das Programm zu Präsentationen eingeladen.



Microbial Keywording (Strecker/Spiess)

Effekte auf das Stimmspektrum
„In der künstlerischen Performance ‚Microbial Keywording‘ wächst die Mundflora der Besucher abhängig von den von ihnen gesprochenen Phonemen.  Dies erklärt sich durch die unterschiedlichen Speicheleigenschaften (Flow, Säure, Temperatur) und Verhornungen des durch die Artikulation in Anspruch genommenen Mund-Areals“, erklärt Spiess.  

Zu ausgewählten Strängen der Mundflora werden dann im Kulturfermenter in vitro wiederholt Sexualpheromone zugegeben, jedoch kein Partner, was die Zellen über ihr ‚Proteingedächtnis‘ erinnern können. Die Art&Science Forscher binden diese Zugabe an das Muster des Stimmspektogramms und zeigen den Besuchern mit Dunkelfeld-Mikroskopie, welche unterschiedlichen Effekte mit und ohne Pheromonzugabe das Stimmspektrogramm in der Folge auf Erinnerung, Vermehrung und Zellalterung der Mundflora hat. Dies bezeichnen sie als eine ökologische Anpassungsreaktion an die Phoneme.  Entsprechend dieser Interpretation werden die Daten dieser Reaktion mit einer Data-to-Speech-Software als Phoneme editiert. 

Das spekulative Art&Science-Projekt eröffnet grundlegende Fragen der psychosomatischen Semiotik sowie der Ökolinguistik, eines neues Forschungsgebiets, das sich mit dem Verhältnis von Sprache, Materialität und Ökologie, z.B. mit den Parallelen im Rückgang von Biodiversität und Sprachendiversität befasst.
Mit der wechselseitigen Konditionierung von Zeichensystemen und biologischem Wachstum greifen die Mitarbeiter des Programms auf ihre Arbeiten mit „lebenden Währungen“ zurück, die mehrfach ausgezeichnet und international ausgestellt wurden.

An dem international angelegten Projekt arbeiten prominente Art&Science-ForscherInnen aus den USA (Paul Vanouse, Adam Brown), Deutschland (Hans-Jörg Rheinberger), Australien (Eben Kirksey), Dänemark (Jens Hauser) sowie die Wiener ForscherInnen David Berry, Vera Bühlmann,  Oliver Schürer, Anna Echterhölter, Markus Poechtrager, Mark Rinnerthaler und Katherina T. Zakravsky, sowie das Brut Theater und die Universität für Angewandte Kunst (Ingeborg Reichle, Lucie Strecker) mit. Teile davon sind von FWF V 501 (Lead: Lucie Strecker) finanziert.
Die Präsentation wird 2020 in Performance Research, dem führenden Performance Journal, Issue ‚On Microperformativity‘ und im auf Sprachen spezialisierten De Gruyter Verlag publiziert.


Weiterführende Literatur:
Caudron F, Barral Y: Mnemons: ‘Encoding memory by protein super-assembly.’
Microb Cell, 2014: 1(3): 100–102.
Fill AF, Penz H: The Routledge Handbook of Ecolinguistics. Taylor & Francis Ltd. New York 2018.