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1000-Ideen-Programm des FWF: Förderungen für drei ForscherInnen der MedUni Wien

Adelheid Wöhrer, Vanja Nagy und Giulio Superti-Furga führen innovative Projekte in enger Zusammenarbeit mit dem CeMM durch
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Adelheid Wöhrer, Vanja Nagy und Giulio Superti-Furga
Adelheid Wöhrer, Vanja Nagy und Giulio Superti-Furga

(Wien, 03-08-2020) Der Wissenschaftsfonds FWF unterstützt im Rahmen des neuen 1000-Ideen-Programms Forschungsprojekte mit neuartigen wissenschaftlichen Ansätzen. Adelheid Wöhrer von der Abteilung für Neuropathologie und Neurochemie der MedUni Wien, die Neurowissenschaftlerin Vanja Nagy vom an der MedUni Wien und am CCRI angesiedelten LBI-RUD, sowie der Molekularbiologie Giulio Superti-Furga, Direktor des CeMM (Research Center for Molecular Medicine oft he Austrian Academy of Sciences)  und Professor am Institut für Pharmakologie der MedUni gehören zu den 24 PreisträgerInnen des ersten Calls.

„Österreich fördert gezielt den Mut und die Innovationsbereitschaft seiner Forschenden. Als Pioniere in ihrem Feld können sie ganz neue Möglichkeiten entdecken und die Basis für künftige Anwendungen legen. Davon profitiert nicht nur der Standort Österreich, sondern langfristig jede und jeder von uns“, erläuterte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann in einer Aussendung des FWF.

„Wir sind begeistert, die ersten 1000-Ideen-Projekte ins Rollen bringen zu können. Die Premiere zeigt die Vielfalt der High-Risk-Forschung, die Projekte stammen aus den drei großen Wissenschaftsfeldern“, so FWF-Präsident Klement Tockner, und weiter: „Ziel ist es, dass Forschende an Österreichs Forschungsstätten visionäre Ideen umsetzen können. So erhöhen sich die Chancen, dass sich wissenschaftliche Durchbrüche zum Wohle aller ergeben – und das auch dann, wenn die ursprüngliche Idee scheitern sollte.“

In der ersten Ausschreibungsrunde wurden 24 Projekte an zwölf Universitäten und Forschungsstätten mit einem Förderungsvolumen von 3,4 Millionen Euro bewilligt.

Adelheid Wöhrer: „Klonale Komplexität des Glioblastoms“
Die Tumorheterogenität ist für ein schlechtes Therapieansprechen, ein frühes Tumorrezidiv und ein kurzes Überleben vieler PatientInnen verantwortlich. Dennoch wird sie in der Klinik nicht standardmäßig erfasst und spielt bei therapeutischen Entscheidungen eine meist untergeordnete Rolle.
Das Glioblastom ist ein prototypisches Beispiel für einen genetisch heterogenen Tumor.  In diesem Projekt stellen Adelheid Wöhrer und ihre KollegInnen die Hypothese auf, dass Anzahl und Zusammensetzung der Tumorzellklone variieren. Dabei gilt: je komplexer, umso Therapie-resistenter. Sie betreten weitestgehend Neuland, indem sie den Tumor nicht als statisches, sondern als dynamisches Gebilde ähnlich einem Ameisenhaufen betrachten, das aus vielen einzelnen, unterschiedlich beweglichen und miteinander kommunizierenden Einheiten besteht. In ihrem methodischen Ansatz kombinieren sie Tiefensequenzierungen mit anspruchsvollen räumlichen und zeitlichen Modellierungen und einem ex-vivo Modell, das ein Drug Screening bei voll erhaltener Tumorheterogenität erlaubt. Das transformative Potential dieses Projekts liegt nicht nur darin, die Tumorheterogenität einen Schritt weiter hin zu einem klinischen Biomarker zu entwickeln, sondern sie durch ein besseres mechanistisches Verständnis letztlich direkt zu beeinflussen.

Zur Person
Adelheid Wöhrer studierte Medizin an der Medizinischen Universität Wien, wo sie im Doktoratsprogramm Klinische Neurowissenschaften zum Thema Hirntumorepidemiologie promovierte. Sie ist seitdem als Neuropathologin an der Abteilung für Neuropathologie und Neurochemie der Universitätsklinik für Neurologie tätig. In Forschungsaufenthalten am Samsung Medical Center, Südkorea konnte sie ihre Fertigkeiten im Bereich der digitalen Pathologie vertiefen.  
Im Rahmen des 1000 Ideen Projektes arbeitet sie eng mit Georg Widhalm von der Universitätsklinik für Neurochirurgie, Christoph Bock vom CeMM und Bernhard Baumann vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik zusammen.

Vanja Nagy: „Reverse-Engineering neuronaler Entwicklungsstörungen“

Durch die Möglichkeiten der Gensequenzierung sind heute bereits 1000 Gene bekannt, die neuronale Entwicklungsstörung verursachen können. Dennoch sind die Ursachen in rund vierzig Prozent der Fälle noch nicht erforscht. Für die Studie wurde computerbasiert das „ID-Interaktom“ entwickelt, das ein Netzwerk aller genetischen Interaktionen repräsentiert. Mittels Genschere CRISPR-Cas9 wird der normale Workflow umgekehrt und zuerst werden krankheitsverursachende Gene funktional validiert und dann mit dem genetischen Profil von PatientInnen verglichen. Die Studie bietet darüber hinaus Einblicke in die grundlegende zelluläre Neurobiologie.

Zur Person
Vanja Nagy studierte an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai, USA. Sie ist Gruppenleiterin am Ludwig Boltzmann Institute für Rare and Undiagnosed Diseases (LBI-RUD) in Wien, das an der St. Anna Kinderkrebsforschung (CCRI) und an der Abteilung für Neurologie der MedUni Wien angesiedelt ist, und Adjunct Principal Investigator am CeMM. Im Rahmen des 1000-Ideen-Projekts wird sie mit Jörg Menche vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) zusammenarbeiten.