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Forschungsprojekt der MedUni Wien zur Geschichte der Hirnforschung an NS-Opfern um drei Jahre verlängert

Zahlreiche, bisher unbekannte Präparate aus der Zeit des Nationalsozialismus identifiziert
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(13-07-2020) Seit Juli 2017 läuft an der MedUni Wien im Rahmen einer internationalen Kooperation ein von der Max-Planck-Gesellschaft gefördertes Forschungsprojekt zur wissenschaftlichen Verwendung sterblicher Überreste von NS-Opfern in Instituten der Kaiser-Wilhelm- bzw. der Max-Planck-Gesellschaft. Aufgrund der bisherigen Forschungen – die unter anderem zahlreiche, bisher unbekannte Präparate aus der Zeit des Nationalsozialismus in Frankfurt am Main zutage brachten – wurde nun eine Verlängerung des Projekts vereinbart.

Zum Hintergrund: Das Projekt „Hirnforschung an Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext nationalsozialistischer Unrechtstaten: Hirnpräparate in Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und die Identifizierung der Opfer“ wurde im Juli 2017 gestartet. Ursprünglich waren 1,5 Millionen Euro für eine Laufzeit von 40 Monaten vorgesehen; die Max-Planck-Gesellschaft hat nun eine weitere Projektförderung von 2,5 Millionen Euro für die zweite Phase (bis 31. Oktober 2023) genehmigt, davon entfallen 902.500 EUR auf das Teilprojekt der MedUni Wien.

Projektleiter sind Gerrit Hohendorf (Technische Universität München), Paul Weindling (Oxford Brookes University/Leopoldina) und Herwig Czech (Medizinische Universität Wien, in Kooperation mit der Berliner Charité); mit dem Projekt assoziiert sind zudem Volker Roelcke (Universität Gießen) und Patricia Heberer-Rice (US Holocaust Memorial Museum). Die Beteiligung der MedUni Wien erfolgt über die Professur für Geschichte der Medizin an der Organisationseinheit Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin (Josephinum).

Herwig Czech erläutert: „Ziel des Forschungsprojekts ist es, diejenigen Menschen, die als NS-Opfer anzusehen sind und an deren Gehirnen Wissenschaftler der Kaiser-Wilhelm- bzw. der Max-Planck-Gesellschaft während und nach dem Zweiten Weltkrieg geforscht haben, namentlich zu identifizieren und zu dokumentieren. Weiters werden die Forschungsnetzwerke neuropathologischer Forschung (Anm.: an NS-Opfern) vor und während des Krieges rekonstruiert und untersucht, welche Publikationen auf der Basis der Forschung an NS-Opfern entstanden sind. Nach derzeitigem Stand ist von einer Gesamtzahl von 1.800 bis 2.400 NS-Opfern auszugehen.“ Die überwiegende Mehrzahl waren Opfer der nationalsozialistischen Krankentötungen („Euthanasie“); es wurden aber auch Gehirne von jüdischen Opfern der Besatzungsherrschaft in Polen, von Hingerichteten der NS-Justiz, von Alliierten Kriegsgefangenen sowie von KZ-Häftlingen verwendet.