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Während COVID-19-Pandemie weniger Lungenembolien diagnostiziert

Eine Studie zeigt den deutlichen Rückgang von diagnostizierten Lungenembolien im AKH Wien während der COVID-19-Pandemie
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(Wien, 29-05-2020) Unter der Leitung von Cihan Ay und Stephan Nopp von der Universitätsklinik für Innere Medizin I wurde in einer Studie ein Rückgang der diagnostizierten Lungenembolien im AKH Wien während der COVID-19-Pandemie festgestellt. Die Ergebnisse zeigen: Sowohl die Anzahl der diagnostizierten Fälle als auch die diagnostischen Verfahren sind im Zeitraum von Mitte März bis Ende April 2020 im Vergleich zu den Vorjahren 2018 und 2019 deutlich zurückgegangen.

„Bereits zu Beginn der COVID-19-Pandemie wurde in einigen Ländern festgestellt, dass allgemein die Zahl der Patientinnen und Patienten mit akuten Erkrankungen zurückgegangen ist. Unsere Studie zeigt, dass das auch auf Patientinnen und Patienten mit einer Lungenembolie im AKH Wien zutrifft“, berichtet Studienleiter Cihan Ay.

Für die Studie wurde die Anzahl der diagnostischen Verfahren, die bei Verdacht auf eine Lungenembolie durchgeführt werden, sowie die Häufigkeit der Neuerkrankungen – die Inzidenz – während der Pandemiezeit (Kalenderwoche 12 bis 17) mit den Zahlen aus dem Vergleichszeitraum der Vorjahre 2018 und 2019 verglichen. Für beide Faktoren wurde ein deutlicher Rückgang verzeichnet: Die Inzidenz ist um 66 Prozent zurückgegangen und die Anzahl der diagnostischen Verfahren um 45 Prozent.

Angst vor Ansteckung und weniger Risiko als mögliche Gründe für Rückgang
„Wie dieser eklatante Rückgang zu erklären ist, darüber lässt sich nur spekulieren“, betont Ay. „Wir wissen, dass es eine Vielzahl an Risikofaktoren für eine Lungenembolie gibt, wie eine Operation oder eine Verletzung zum Beispiel am Bein. In der Zeit des Lockdowns ist einiges zurückgefahren worden, wie Operationen und Freizeitaktivitäten, die zu risikobehafteten Verletzungen führen können. Gleichzeitig ist auch davon auszugehen, dass Menschen mit milden Symptomen aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken, gar nicht erst ins Krankenhaus gegangen sind.“

Überlappende Symptome bei COVID-19
Die Studie wurde vom „Medizinisch-Wissenschaftlichen Fonds des Bürgermeisters der Bundeshauptstadt Wien“ gefördert und beschäftigt sich auch mit der Frage, welchen Einfluss die gesundheitspolitischen Maßnahmen auf die Diagnostik und die Häufigkeit der Neuerkrankungen hatten. In diesem Zusammenhang ist ein weiterer Aspekt interessant: die Überlappung von Symptomen einer Lungenembolie mit jenen einer COVID-19-Erkrankung, besonders wenn es zu einem Lungeninfarkt kommt.

„Aufgrund der ähnlichen Symptome wie Husten, Fieber und Atemnot ist es auch denkbar, dass betroffene Patientinnen und Patienten in jene Krankenhäuser, die schwerpunktmäßig COVID-19-Erkrankte behandelt haben, überstellt wurden und dass auch dieser Faktor ein Mitgrund für den starken Rückgang der Lungenembolie-Fälle im AKH Wien ist“, berichtet Ay.

Um die Ergebnisse der Studie zu bestätigen, bräuchte es Studien in weiteren Krankenhäusern.

Service:
Pulmonary embolism during the COVID-19 pandemic: decline in diagnostic procedures and incidence at a University Hospital. Res Pract Thromb Haemost. Nopp S, Janata-Schwatczek K, Prosch H, Shulym I, Königsbrügge O, Pabinger I, Ay C. doi.org/10.1002/rth2.12391