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Suizide in der Covid-19-Pandemie um 4 Prozent gesunken

Internationale Studie mit über 70 WissenschafterInnen in 21 Ländern
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(Wien, 14-04-2021) Die Suizide während der seit März 2020 andauernden Covid-19-Pandemie sind in Österreich um vier Prozent gesunken – damit wurde der Trend von vor 2019 bestätigt. Eine internationale Studie zeigt nun, dass diese Entwicklung ähnlich zu den Trends der Suizide international in der ersten Phase der Corona-Pandemie bis Ende Oktober ist. „Mittlerweile liegen auch Zahlen von Statistik Austria zum gesamten Jahr 2020 vor, diese unterstreichen die Studienergebnisse“, sagt Thomas Niederkrotenthaler vom Zentrum für Public Health (Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin), der gemeinsam mit Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, seitens der MedUni Wien beteiligt war. Insgesamt waren rund 70 WissenschafterInnen in 21 Ländern involviert. Im Durchschnitt sind die gezeigten Trends in allen untersuchten Ländern ähnlich.

Dass die Suizidrate trotz der Krise und den steigenden psychischen Belastungen – so wurden steigende Zahlen u.a. bei Depressivität oder Angstzuständen festgestellt – nicht gestiegen ist, führen die Experten der MedUni Wien auf rasche soziale, gesundheitsfördernde und andere unterstützende Maßnahmen zurück. Dazu gehören in Österreich z.B. die Möglichkeit, sich als Erwachsener eine psychotherapeutische Behandlung auf Krankenschein verschreiben zu lassen und online abzuhalten, Ausbau von telefonischer Krisenintervention, gezielte Förderungsprogramme am Arbeitsmarkt sowie Solidarisierungseffekte wie Nachbarschaftshilfe in der Bevölkerung. Ähnliche Effekte habe man zum Beispiel auch in der ersten Phase nach Umweltkatastrophen oder auch nach Terroranschlägen gezeigt.

Jetzt seien aber, so Niederkrotenthaler, „Ermüdungseffekte“ in der Gesellschaft zu bemerken, die man wachsam beobachten müsse, „damit die hohen psychische Belastungen weder jetzt, noch dann, wenn die Pandemie abklingt, auf die Suizide durchschlagen“. Daher müsse man schon jetzt langfristige Unterstützungsprogramme implementieren, etwa am Arbeitsmarkt und auch gesundheitsfördernden Maßnahmen. So seien insbesondere Menschen in den Gesundheitsberufen, Menschen mit psychischen Erkrankungen und sozial marginalisierte Gruppen sowie SchülerInnen und Studierende derzeit stark belastet, was langfristige Unterstützungsangebote notwendig macht.  

Was Kinder und Jugendliche angeht, betont Paul Plener, dass sich in der Altersgruppe der 15-25-jährigen weltweit und auch in Österreich die höchste Rate an psychischen Belastungen in der Pandemie zeigt. Deshalb gilt es hier ein besonderes Augenmerk auf den Ausbau der psychosozialen Versorgung zu legen: „Kinder und Jugendliche können auch nicht unabhängig von den Familien, in denen sie aufwachsen betrachtet werden und so sind steigende Raten an Arbeitslosigkeit oder Suchterkrankungen bei Erwachsenen, immer auch ein Phänomen, das sich in Familien auf die psychische Gesundheit der Kinder auswirkt“, betont der Experte.

Die Studie wurde im Rahmen der „International Covid-19 Suicide Prevention Research Collaboration“ (ICSPRC) in 16 sogenannten Hoch-Einkommensländern (Australien, Österreich, Kanada, China, Kroatien, England, Estland, Deutschland, Italien, Japan, Niederlande, Neuseeland, Polen, Südkorea, Spanien, USA) sowie 5 Mittel-Einkommensländern und -regionen (Brasilien, Ekuador, Mexiko, Puerto Rico, Russland) durchgeführt und im Top-Journal „The Lancet Psychiatry“ publiziert.

Service: The Lancet Psychiatry
“Suicide trends in the early months of the COVID-19 pandemic: Interrupted time series analysis of preliminary data from 21 countries.” Paul Plener, Thomas Niederkrotenthaler et al.
https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(21)00091-2/fulltext