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Adipositas: Anzahl der Risikofaktoren bestimmt Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

„Begleiterscheinungen“ Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Diabetes gefährlicher als Übergewicht alleine
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(Wien, 03-03-2021) Adipositas ist eng mit kardiometabolischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Diabetes verbunden. Der Einfluss einer Adipositas auf kardiovaskuläre Ereignisse, wie etwa Schlaganfälle und Herzinfarkte, ohne diese Risikofaktoren wurde jedoch kontrovers diskutiert. Eine internationale Studiengruppe unter Beteiligung der MedUni Wien konnte nun zeigen, dass nicht die Adipositas alleine, sondern vor allem die Anzahl dieser zusätzlichen Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit auf Herzkreislauferkrankungen erhöht. Die Arbeit wurde in dem internationalen Top-Journal Diabetes Care (IF 16.019) veröffentlicht. Am 4. März ist Welt-Adipositas-Tag.

Andreas Kammerlander von der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II von MedUni Wien und AKH Wien untersuchte gemeinsam mit ExpertInnen der Harvard Medical School und der Duke University den Einfluss von Adipositas in Abhängigkeit von kardiovaskulären Risikofaktoren anhand von PatientInnen mit stabiler Angina pectoris, die im Rahmen der PROMISE Studie einer koronaren Computertomographie unterzogen wurden.

Adipositas alleine erhöht Risiko nicht
Unter der Leitung von Udo Hoffmann (Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School) konnte gezeigt werden, dass bei metabolisch gesunden PatientInnen eine Adipositas zu keiner Risikoerhöhung für eine signifikante Koronarstenose oder ein kardiovaskuläres Ereignis führt. Das Vorhandensein von mehr als zwei Risikofaktoren oder Diabetes bei nicht adipösen PatientInnen war mit dem höchsten Risiko verbunden.

Hälfte aller ÖsterreicherInnen über 15 Jahre übergewichtig
Die Häufigkeit der Adipositas ist weltweit stark zunehmend. In den USA wird geschätzt, dass im Jahr 2030 die Hälfte aller Erwachsenen einen Body Mass Index (BMI) ≥30kg/m2 haben wird. Wenngleich die Zahlen in Österreich etwas niedriger sind, so zeigte sich 2019, dass die Hälfte aller ÖsterreicherInnen über 15 Jahre übergewichtig (BMI≥25 kg/m2) oder adipös (BMI≥30) ist. Adipositas ist ein bekannter Risikofaktor für die Entstehung von Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Diabetes, die wiederum Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen sind. Personen, die zwar aufgrund eines BMI>30 kg/m2 als fettleibig gelten, jedoch keine dieser Risikofaktoren entwickeln, werden häufig als „metabolically healthy obese“ (MHO; metabolisch gesund adipös) bezeichnet. Der Zusammenhang dieses metabolischen Phänotyps wird jedoch kontroversiell diskutiert und Daten zu PatientInnen mit suszipierter koronare Herzkrankheit (KHK) liegen kaum vor.

Im Rahmen seines von der Österreichischen Gesellschaft für Kardiologie unterstützten Auslandsaufenthalts am Cardiovascular Imaging Research Center (Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School) konnte Andreas Kammerlander den Zusammenhang zwischen Adipositas und kardiovaskulären Risikofaktoren unterschiedlichen metabolischen Phänotypen untersuchen. Dabei wurden PatientInnen mit stabiler Angina pectoris, die im Rahmen der „Prospective Multicenter Imaging Study for Evaluation of Chest Pain“ (PROMISE) Studie in zwei Gruppen der weiteren Abklärung 1:1 randomisiert wurden, untersucht – mit einem funktionellen Test (Belastungs-EKG, nuklearmedizinisches Verfahren oder Stress-Echokardiographie) oder einer anatomischen Bildgebung mittels koronarer Computertomographie. Anhand von 4.381 PatientInnen in der Koronar-CT-Gruppe konnten die AutorInnen zeigen, dass unterschiedliche metabolische Phänotypen, definiert durch die Anzahl an kardiovaskulären Risikofaktoren und dem Vorliegen von Adipositas, unterschiedliche Charakteristika hinsichtlich ihrer Koronargefäße sowie des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse haben.

Anzahl der Risikofaktoren bestimmt Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem die Anzahl an Risikofaktoren, und nicht das Vorliegen einer Adipositas, mit einem hohen Risiko für eine schwere KHK und kardiovaskulären Ereignissen einhergeht. Interessanterweise zeigte jene Patientengruppe mit vielen kardiovaskulären Risikofaktoren, die jedoch nicht an Adipositas litten, das allerhöchste Risiko. Die Ergebnisse führen die Forscherinnen zu der Frage, wie sich die Adipositas besser definieren lassen könnte, da der BMI bekanntermaßen mit vielen Limitationen behaftet ist. In einem Folgeprojekt arbeiten die ForscherInnen daran, Fett- und Muskeleigenschaften, die sich computertomographisch messen lassen, zu analysieren, um das Zusammenspiel von Fettgewebe, kardiometabolischen Risikofaktoren und kardiovaskulären Ereignissen besser verstehen und vorhersagen zu können.  


Service: Diabetes Care
Association of Metabolic Phenotypes With Coronary Artery Disease and Cardiovascular Events in Patients With Stable Chest Pain
Andreas A. Kammerlander, Thomas Mayrhofer, Maros Ferencik, Neha J. Pagidipati, Julia Karady, Geoffrey S. Ginsburg, Michael T. Lu, Daniel O. Bittner, Stefan B. Puchner, Nathan A. Bihlmeyer, Nandini M. Meyersohn, Hamed Emami, Svati H. Shah, Pamela S. Douglas, Udo Hoffmann on behalf of the PROMISE Investigators

Diabetes Care 2021 Feb; dc201760. doi.org/10.2337/dc20-1760

 

Veranstaltungstipp

Einladung zum Adipositastag am 4. März 2021
Übergewicht beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden, sondern ist auch ein enormes Gesundheitsrisiko. Denn Betroffene haben mit Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes zu kämpfen. ExpertInnen der MedUni Wien und des AKH Wien bieten am Donnerstag, den 4. März 2021 (16:00-17:45 Uhr, online im Livestream), bei einem Aktionstag für Betroffene und Interessierte Informationen aus erster Hand. Fragen können vorab per E-Mail oder während der Live-Vorträge übermittelt werden. Sie werden anonym behandelt und im Stream beantwortet.

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