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MedUni Wien erforscht gemeinsam mit der University of Lagos Nebenwirkungen bei HIV-Therapien

Projekt im Rahmen des Forschungsnetzwerks Africa-UniNet
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(Wien, 11-03-2021) Die MedUni Wien erforscht gemeinsam mit der University of Lagos epigenetische Veränderungen bei HIV-Therapien in Nigeria. Damit soll der plötzlich auftretenden Infertilität bei HIV-positiven Männern, die eine Therapie (cART) erhalten, auf den Grund gegangen werden. Das Projekt wird im Rahmen des Forschungsnetzwerks Africa-UniNet durchgeführt und vom Wissenschaftsministerium finanziell gefördert.

Das Afrika-UniNet wurde vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung initiiert und durch die OEAD ins Leben gerufen. Das Ziel dieses neuen Netzwerks ist es, langfristige und nachhaltige wissenschaftliche Kooperationen zwischen österreichischen und afrikanischen Universitäten und Wissenschaftsinstituten aufzubauen. In dem ersten Call des Africa-UniNet, welcher im Herbst 2020 erfolgt ist, sind 52 Forschungsanträge in verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen eingereicht und begutachtet worden.

Das Projekt „EpiSperm“ ist eine neue Kooperation zwischen der MedUni Wien und der University of Lagos in Nigeria. Als Projektkoordinator wird Mark Wossidlo von der Abteilung für Zell- und Entwicklungsbiologie der MedUni Wien mit seinem Team gemeinsam mit dem nigerianischen Team an der University of Lagos mit dem verantwortlichen Leiter, Edidiong Akang, dieses Forschungsprojekt durchführen. Der Titel des Forschungsantrages ist „The epigenetics of the spermatozoa of HIV-I infected men”.

Infertilität als Nebenwirkung bei HIV-Therapie
HIV ist immer noch eine weltweite Bedrohung mit geschätzten 38 Mio. Infizierten und 33 Mio. Sterbefällen (WHO 2020) zum heutigen Stand. Nigeria ist das Land mit der zweitgrößten HIV-Epidemie weltweit (1.8 Mio. in 2019, UNAIDS) mit immer noch vielen AIDS-bedingten Sterbefällen (150.000 in 2017, UNAIDS). Hier wurden bereits viele Anstrengungen unternommen, um möglichst vielen HIV-positiven Menschen kombinierte antiretrovirale Therapien (combined antiretroviral treatment, cART) zugänglich zu machen, welche HIV in eine kontrollierbare chronische Erkrankung umwandeln und ein langes Leben ermöglichen.

In den vergangenen Jahren wurde nun beobachtet, dass HIV-I positive Männer mit cART an einer plötzlich auftretenden und bisher nicht verstandenen Infertilität leiden. Diese Studien haben auch epigenetische Unregelmäßigkeiten im Blut dieser Patienten festgestellt, wobei hier unklar ist, ob HIV selbst oder die Therapie (cART) die Ursache hierfür ist. Die festgestellten epigenetischen Veränderungen betreffen vor allem Veränderungen in der DNA-Methylierung, einer gut untersuchten epigenetischen Markierung, welche in allen Zellen unseres Körpers unserem genetischen Code aufliegt und quasi als „An- und Aus-Schalter“ für eine Kontrolle der hergestellten Gene dient. Fehlerhafte DNA-Methylierung kann hier zu einer abnormalen Genaktivität führen, welche zu vielen Krankheiten und auch zur Krebsentstehung führen können. Des Weiteren wird die DNA-Methylierung wie alle epigenetischen Modifikationen stabil an alle Tochter-Zellen weitervererbt, welches im abnormalen Fall zu sogenannten „Epimutationen“ führen kann. Diese Epimutationen könnten nun auch über die Keimbahn an zukünftige Generationen weitervererbt werden, welches Gegenstand aktueller Forschung ist.

Diese Studie zielt nun darauf ab, potentielle epigenetische Veränderungen der DNA-Methylierung im Spermium HIV-positiver Männer mit cART aufzudecken, um die Ursache der auftretenden Infertilität besser zu verstehen. Die Ergebnisse werden dazu beitragen die bereits begonnene Stigmatisierung der cART zu demystifizieren (auch ein großes kulturelles Problem; viele HIV-positive Männer verzichten auf eine Therapie, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen) und mögliche gesundheitliche Risiken für nachfolgende Generationen zu identifizieren.

Weiters soll diese Studie dazu dienen, neue Wissenschafts- und Lehr-Kooperationen zwischen Österreich und Nigeria in Bereichen der Epigenetik und Infektious Diseases anzuregen.

Über Africa-UniNet
Jährlich finden Ausschreibungen für zweijährige bi- und multilaterale Netzwerkprojekte der beteiligten österreichischen und afrikanischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen statt. Das Wissenschaftsministerium fördert 20 dieser Projekte mit rund 500.000 Euro.

Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung fördert im Rahmen von Africa-UniNet 20 österreichisch-afrikanische Forschungsprojekte mit einer Gesamtsumme von 500.000 Euro. Africa-UniNet wurde vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) in Zusammenarbeit mit der OeAD-GmbH-Agentur für Bildung und Internationalisierung sowie der Universität für Bodenkultur Wien initiiert und aufgebaut.

2020 hatte das Africa-UniNet 51 Mitglieder, 33 Institutionen aus 11 afrikanischen Ländern, 18 aus Österreich. Für 2021 haben 7 weitere Institutionen die Mitgliedschaft angesucht. Die Projekte umfassen Partnerschaften in Burkina Faso, Nigeria, Äthiopien, Uganda, Kenia, Tansania, DR Congo, Mosambik, Zimbabwe, Namibia, Südafrika – und beinhalten eine große Bandbreite an Disziplinen. Forschungsfragestellungen und Themen sind: Medizin, Gesundheit, Wirtschaft, Soziologie, Sozialarbeit, Gendergerechtigkeit, Klimawandel, Landwirtschaft, Fischerei, Nahrungsmittelsicherheit, Wasserressourcenmanagement, Kunst, etc. Ihnen gemeinsam ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit und die inhaltliche Ausrichtung an den Zielsetzungen der Sustainable Development Goals (SDG).