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Transplantationsmedizin: Zwei Spenderorgane desselben Spenders gleichzeitig optimiert

Im neu etablierten Perfusionsraum an AKH Wien und MedUni Wien konnten erstmals zwei Spenderorgane desselben Spenders parallel perfundiert werden
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(Wien, 03-03-2021) Die ex-situ Organperfusion von Spenderorganen zählt zu den vielversprechendsten Neuerungen in der Transplantationsmedizin. Dabei werden Spenderlungen oder Spenderlebern nach der Explantation in speziell entwickelten Maschinen mit Speziallösungen durchspült und deren Funktion kontinuierlich überwacht. Organe mit grenzwertiger Qualität können während des Vorganges genau vermessen und über mehrere Stunden hinweg beobachtet werden, bevor sie für eine Transplantation freigegeben werden. Nun konnten im neu etablierten Perfusionsraum an AKH Wien und MedUni Wien erstmals zwei Spenderorgane desselben Spenders parallel perfundiert werden.

Sowohl bei der Spenderleber als auch bei der Spenderlunge war nach der Entnahme unklar, ob die Qualität der Organe für eine sichere Verpflanzung ausreicht. Daher wurden die Organe vom Spenderkrankenhaus in das Universitätsklinikum AKH Wien transportiert und dort für mehrere Stunden in Perfusionsmaschinen optimiert. Beide Organe konnten verwendet werden und sowohl Leber als auch Lunge zeigten nach der Transplantation eine gute primäre Organfunktion.

Neue Methoden verbessern Funktion von Spenderorganen
Die Lungenperfusion nach der Explantation (ex-situ) wurde in der heute angewandten Form im schwedischen Lund und Toronto (Kanada) entwickelt. Ursprünglich war die Methode zur Vermessung von Spenderorganen gedacht. Das Lungentransplantationszentrum an AKH Wien und MedUni Wien war maßgeblich daran beteiligt, dass die ex-situ Lungenperfusion zur Optimierung von Spenderorganen erweitert werden konnte. Das Durchspülen der Lunge mit speziellen Lösungen und gezielte therapeutische Interventionen ermöglichen, dass die Spenderorgane in ihrer Funktion verbessert werden können und primär als nicht transplantabel eingestufte Organe für die Transplantation akzeptiert werden.

„Die ex-situ Lungenperfusion ist heute ein wichtiger Faktor um die Versorgung mit Spenderlungen zu verbessern,“ so Konrad Hötzenecker vom Lungentransplantationsprogramm an AKH Wien und MedUni Wien.

Seit rund drei Jahren wird an der Klinischen Abteilung für Transplantation von AKH Wien und MedUni Wien ein Maschinenperfusionsprogramm für Spenderlebern durchgeführt, das von Gabriela Berlakovich, Leiterin der Klinischen Abteilung für Transplantation initiiert wurde. Innerhalb des Programmes konnten bereits mehr als 100 Spenderorgane vor der Transplantation hypotherm perfundiert werden. Im vergangenen Jahr wurde das Programm um eine neue Maschine für die normotherme ex-situ Leberperfusion erweitert. Diese ermöglicht erstmals die genaue Überwachung und Vermessung von Organen.

„Der große Vorteil dieser Methode im Vergleich zur Lagerung auf Eis ist, dass über einen Zeitraum von mehreren Stunden der Stoffwechsel der Spenderleber genau überwacht werden kann“, erklärt Dagmar Kollmann von der Klinischen Abteilung für Transplantation. Es konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass durch diese neuartige Technik die Rate von marginalen Spenderorganen, die für die Transplantation akzeptiert werden, signifikant erhöht werden konnte.