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DialysepatientInnen: Optimierungsbedarf bei Schlaganfallprävention

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Copyright: crystal light/Shutterstock

(Wien, 15-11-2021) DialysepatientInnen mit Vorhofflimmern sind mit Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung, die derzeit bei dieser Gruppe zur Schlaganfallprävention eingesetzt werden, nicht ausreichend vor einem Schlaganfall geschützt. Das zeigt eine Studie, die unter der Leitung von Oliver Königsbrügge und Cihan Ay von der Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien in Zusammenarbeit mit sieben Dialysezentren in Wien durchgeführt wurde.

Menschen mit Vorhofflimmern, ein unregelmäßiger Herzschlag, der häufig mit einer zu schnellen oder zu langsamen Herzfrequenz einhergeht, haben ein stark erhöhtes Schlaganfallrisiko. Die VIVALDI-Studie (Vienna Investigation of atrial fibrillation and thromboembolism in patients with atrial fibrillation on hemodialysis), die unter der Leitung von Oliver Königsbrügge und Cihan Ay von der Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien durchgeführt wurde, zeigt bei der Schlaganfallprävention bei DialysepatientInnen Handlungsbedarf auf.

„Der Anteil der PatientInnen mit Vorhofflimmern ist unter den HämodialysepatientInnen mit über 25 Prozent besonders hoch. Schlaganfälle und andere kardiovaskuläre Ereignisse tragen signifikant zur Mortalität bei“, erklärt Cihan Ay von der Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien. „Die Analyse von kardiovaskulären Ereignissen, die während des Beobachtungszeitraumes auftraten, ergab, dass jene PatientInnen, die eine Antikoagulation mit dem Vitamin-K-Antagonisten Phenprocoumon erhielten, entgegen den Erwartungen nicht im Sinne einer Reduktion von Schlaganfällen profitierten, sondern eine höhere Rate an schweren Blutungen hatten.“

Die VIVALDI-Studie wurde in Zusammenarbeit mit sieben Dialysezentren in Wien durchgeführt. Eine Kohorte von 625 HämodialysepatientInnen wurde dabei über einen Zeitraum von maximal 45 Monaten beobachtet. Die Inzidenz von thromboembolischen Ereignissen (Schlaganfällen und systemischen Embolien) lag bei den PatientInnen mit Vorhofflimmern bei 4,8 Prozent pro Jahr. 8,4 Prozent der PatientInnen erlitten im Jahr schwere Blutungen. „Die hohe Gesamtrate an thromboembolischen Komplikationen bestätigt den Handlungsbedarf, HämodialysepatientInnen eine Antikoagulationstherapie zu ermöglichen, die gleichermaßen effizient Schlaganfälle und andere thromboembolische Komplikationen verhindert und sicher in Hinsicht auf das Blutungsrisiko verabreicht werden kann“, so Ay.

In der Allgemeinbevölkerung ist die Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern gut erforscht. Basierend auf Studienergebnissen hat sich seit mehreren Jahren die Medikation mit der Substanzklasse der direkten oralen Antikoagulantien (DOAK) als wirksam durchgesetzt. PatientInnen mit dauerhaftem Nierenversagen und Dialysepflicht ist diese Art der Medikation aufgrund fehlender Studien bisher vorenthalten. Aktuell ist im deutschsprachigen Raum ausschließlich die Substanzklasse der Vitamin-K-Antagonisten als orale Antikoagulation für HämodialysepatientInnen zugelassen. Der Einsatz von direkten oralen Antikoagulantien (DOAK) bei HämodialysepatientInnen ist derzeit in klinischer Prüfung. „Eine Optimierung der aktuellen klinischen Praxis bei der Schlaganfallprävention von HämodialysepatientInnen scheint notwendig. Die Ergebnisse der klinischen Prüfung werden daher mit Spannung erwartet“, so Ay.

Service: Journal of Thrombosis and Haemostasis
Anticoagulation use and the risk of stroke and major bleeding in patients on hemodialysis: From the VIVALDI, a population-based prospective cohort study. Oliver Königsbrügge, Hannah Meisel, Aljoscha Beyer, Sabine Schmaldienst, Renate Klauser-Braun, Matthias Lorenz, Martin Auinger, Josef Kletzmayr, Manfred Hecking, Wolfgang C. Winkelmayer, Irene Lang, Ingrid Pabinger, Marcus Säemann, Cihan Ay.

Link: doi.org/10.1111/jth.15508