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2026 August - Mariem Radhouani

Dr.in Mariem Radhouani, DVM, MSc, PhD

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, August 2026

Die Jury der Auszeichnung „Researcher of the Month“ würdigt Dr.in Mariem Radhouani für ihre Publikation in der Fachzeitschrift Science Immunology mit dem Titel „Eosinophil innate immune memory after bacterial skin infection promotes allergic lung inflammation“.

Die Studie wurde an der Medizinischen Universität Wien (Universitätsklinik für Innere Medizin I, Forschungsbereich Infektionsbiologie) in der Arbeitsgruppe von Ao. Univ.-Prof. Philipp Starkl in Zusammenarbeit mit dem CeMM – Forschungszentrum für Molekulare Medizin sowie internationalen Partner:innen durchgeführt.

Wenn Hautinfektionen spätere Allergien beeinflussen

Unser Immunsystem lernt kontinuierlich aus Umweltreizen. Während dies essenziell für den Schutz vor Infektionen ist, kann es auch unerwartete Folgen haben (Ansaldo et al., 2021). In dieser Studie untersuchten Dr.in Radhouani und Kolleg:innen, wie lokale bakterielle Hautinfektionen Immunreaktionen in entfernten Organen wie der Lunge beeinflussen können (Radhouani et al., 2025).

Mithilfe experimenteller Modelle zeigte das Forschungsteam, dass die Exposition gegenüber dem weit verbreiteten Hautbakterium Staphylococcus aureus langanhaltende Veränderungen in einer bestimmten Art von Immunzellen, den sogenannten Eosinophilen, hervorruft. Diese Zellen sind typischerweise an allergischen Erkrankungen wie Asthma beteiligt (Lambrecht et al., 2025). Bemerkenswerterweise zeigte sich, dass Eosinophile nach einer Hautinfektion eine Form des „angeborenen immunologischen Gedächtnisses“ entwickeln, wodurch sie auch nach Abklingen der Infektion verändert bleiben (Netea et al., 2020).

Diese Reprogrammierung erfolgt auf mehreren Ebenen: Die Zellen durchlaufen metabolische, epigenetische und funktionelle Veränderungen, die ihre Reaktionsbereitschaft erhöhen. In der Folge lösen diese „vorgeprägten“ Eosinophilen bei erneutem Kontakt mit Allergenen eine verstärkte Entzündungsreaktion in der Lunge aus, was zu einer Verschlimmerung allergischer Entzündungen führt.

Die Ergebnisse zeigen eine bisher unterschätzte Wechselwirkung zwischen Haut und Lunge und verdeutlichen, wie frühere oder insbesondere frühkindliche Hautinfektionen zur Entstehung oder Verschlechterung allergischer Erkrankungen wie Asthma beitragen können. Die Arbeit liefert neue mechanistische Einblicke in den sogenannten „atopischen Marsch“, also die Entwicklung von Hautentzündungen hin zu respiratorischen Allergien (Dharmage et al., 2014).

Insgesamt unterstreicht die Studie, dass lokale Umweltreize an Barriereorganen systemische und langfristige Auswirkungen auf das Immunsystem haben können und eröffnet neue Perspektiven für Prävention und Therapie allergischer Erkrankungen.

Wissenschaftliches Umfeld

Dr.in Mariem Radhouani führte diese Arbeit an der Medizinischen Universität Wien, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Forschungsbereich Infektionsbiologie, in der Arbeitsgruppe von Ao. Univ.-Prof. Philipp Starkl sowie am CeMM – Forschungszentrum für Molekulare Medizin durch. Ihre Forschung konzentriert sich darauf zu verstehen, wie Infektionen an Barriereorganen, insbesondere der Haut, systemische Immunreaktionen prägen und zur Entstehung allergischer Erkrankungen beitragen.

Zur Person

Dr.in Mariem Radhouani absolvierte ihr PhD-Studium in Immunologie an der Medizinischen Universität Wien und am CeMM in der Arbeitsgruppe von Ao. Univ.-Prof. Philipp Starkl. Zuvor studierte sie Veterinärmedizin in Tunesien und schloss einen MSc in Infektiologie und Immunologie in Frankreich ab, was die Grundlage für ihren interdisziplinären Forschungsansatz bildet.

Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Immunologie, Infektionsbiologie und Allergieforschung, mit besonderem Fokus darauf, wie mikrobielle Expositionen das immunologische Gedächtnis und die Krankheitsanfälligkeit beeinflussen.

Derzeit ist Dr.in Mariem Radhouani als Postdoktorandin am VIB-UGent Center for Inflammation Research in Gent, Belgien tätig. Dort untersucht sie, wie mütterliche und frühkindliche Einflüsse die Entwicklung des Immunsystems prägen und zur Entstehung entzündlicher Erkrankungen beitragen.

Ausgewählte Literatur

  1. Ansaldo E, Farley TK & Belkaid Y (2021) Control of Immunity by the Microbiota. Annu Rev Immunol 39: 449–479
  2. Dharmage SC, Lowe AJ, Matheson MC, Burgess JA, Allen KJ & Abramson MJ (2014) Atopic dermatitis and the atopic march revisited. Allergy 69: 17–27
  3. Lambrecht BN, Ahmed E & Hammad H (2025) The immunology of asthma. Nat Immunol 26: 1233–1245
  4. Netea MG, Domínguez-Andrés J, Barreiro LB, Chavakis T, Divangahi M, Fuchs E, Joosten LAB, Van Der Meer JWM, Mhlanga MM, Mulder WJM, et al (2020) Defining trained immunity and its role in health and disease. Nat Rev Immunol 20: 375–388
  5. Radhouani M, Farhat A, Hakobyan A, Zahalka S, Pimenov L, Fokina A, Hladik A, Lakovits K, Brösamlen J, Dvorak V, et al (2025) Eosinophil innate immune memory after bacterial skin infection promotes allergic lung inflammation. Sci Immunol 10: eadp6231

Dr.in Mariem Radhouani, DVM, MSc, PhD

Medizinische Universität Wien
Universitätsklinik für Innere Medizin I
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

T: +43 (0)1 40400-51480
mariem.radhouani@meduniwien.ac.at

Aktuelle E-Mail: mariem.radhouani@vib.be