Am 1. und 2. Oktober 2026 eröffnen die Medizinische Universität Wien und das AKH Wien zwei neue innovative Forschungsgebäude am Medizinischen Universitätscampus AKH Wien: das Center for Translational Medicine (CTM) und das Eric Kandel Institute - Center for Precision Medicine.
Die innovativen Gebäudekonzepte mit moderner Hightech-Ausstattung für Grundlagenforschung und Therapieentwicklung stärken den Forschungsstandort Wien und den MedUni Campus AKH gezielt weiter.
Ab 2026 bieten die neuen Gebäude moderne Bedingungen für translationale und personalisierte Medizin. Diagnosen, Therapien und Prävention können dadurch noch gezielter auf einzelne Patient:innen zugeschnitten werden, bis hin zur Identifizierung von Krankheitsursachen auf molekularer Ebene und unterstützt durch Artificial Intelligence. So rückt eine Medizin in Reichweite, die auch bei seltenen Erkrankungen neue Therapiechancen eröffnet.
Highlights zur Eröffnung
Zum Auftakt am 1. und 2. Oktober finden verschiedene Veranstaltungen für Angehörige, Partner:innen und Freund:innen von MedUni Wien und Universitätsklinikum AKH Wien statt.
Über das Center for Translational Medicine und Eric Kandel Institute - Center for Precision Medicine
Das Center for Translational Medicine verbindet Grundlagenwissenschaft und Klinik und schafft Raum für gemeinsame Forschungs- und klinische Studienprojekte. Das Zentrum bündelt die gesamte Entwicklungskette – von der experimentellen Laboruntersuchung bis zur klinischen Phase-I/II-Forschung – in einem Gebäude. Dadurch wird der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkrete Verbesserungen für Patientinnen und Patienten beschleunigt. Der Veranstaltungsbereich mit dem Eugene Braunwald Auditorium bietet zudem Platz für wissenschaftliche Vernetzung, Lehre und Fortbildung für bis zu 750 Personen.
Am Eric Kandel Institute – Center for Precision Medicine finden Wissenschafter:innen optimale infrastrukturelle Voraussetzungen, um neue Präventions-, Diagnose- und Therapiemethoden zu entwickeln, die individuell auf einzelne Patient:innen zugeschnitten sind. Finanziert aus Spenden und Mitteln der EU, ist das Eric Kandel Institut – Zentrum für Präzisionsmedizin auch eine nachhaltige Investition in zukünftige, innovative Gesundheitsversorgung.
Über die Namensgeber
Für die MedUni Wien ist es eine besondere Ehre, das Center for Precision Medicine und den größten Hörsaal der MedUni Wien im Center for Translational Medicine nach zwei hochdekorierten Forschern mit Wurzeln in Wien benennen zu dürfen. Die Leistungen von Eric Kandel und Eugene Braunwald, die als Kinder im Zuge des Anschlusses Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland fliehen mussten, werden somit für kommende Generationen ein Vorbild sein.
Eric Kandel
Im Jahr 2000 erhielt Eric Kandel (geboren 1929 in Wien) den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung von chemischen und strukturellen Veränderungen im Gehirn aller lernenden Organismen, von Schnecken bis zum Menschen.
Mit den Erkenntnissen aus seinen wissenschaftlichen Arbeiten schuf er tiefe Einblicke in die Leistungen des menschlichen Gedächtnisses und ein molekulares Verständnis psychischer Vorgänge und psychiatrischer Erkrankungen.
Kandel musste im Jahr 1939 nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland mit seiner Familie in die USA emigrieren und erhielt 1945 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 2009 wurde Kandel zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt. 2012 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen mit dem Stern für die Verdienste um die Republik, 2018 wurde ihm das Ehrendoktorat der Medizinischen Universität Wien verliehen. Kandel lebt in New York, USA.
Eugene Braunwald
Eugene Braunwald (1929 - 2026) war ein österreichisch-US-amerikanischer Kardiologe und gilt als eine der prägenden Persönlichkeiten der modernen Herzmedizin.
Er wurde 1929 in Wien geboren; seine Familie emigrierte 1939 vor dem NS-Regime in die USA. Braunwald war zuletzt Distinguished Hersey Professor of Medicine an der Harvard Medical School und Founding Chairman der TIMI Study Group am Brigham and Women’s Hospital. Zuvor war er unter anderem erster Leiter der Cardiology Branch und klinischer Direktor des National Heart, Lung and Blood Institute sowie Gründungsvorsitzender der Medizin an der University of California, San Diego. Mit seinen Arbeiten zum Herzinfarkt und als Herausgeber maßgeblicher Standardwerke der Inneren Medizin und Kardiologie hat er das Fach international nachhaltig geprägt. Bei der Zehn-Jahres-Feier der Medizinischen Universität Wien 2014 hielt er die Festrede „The Physician Scientist: Protection of an Endangered Species“.
Im neuen Center for Translational Medicine wird der größte Hörsaal der MedUni Wien nach ihm benannt: das Eugene Braunwald Auditorium.
Braunwald verstarb am 22. April 2026 im Alter von 96 Jahren in Massachusetts, USA.
Literaturtipp
Müller, M.: The architectural history of the “new buildings” of the Medical University of Vienna
Published: 11 September 2025
Wiener klinische Wochenschrift (2025)
Bild: 1914: new departments of the “old” Vienna General Hospital (AKH) Wien, view from main entrance 9., Lazarettgasse 14. Ansichtskarte, 1913–1914 (Herstellung), Paul Ledermann (Hersteller)
Wien Museum Inv.-Nr. 58891/885, CC0, open content