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Medikamentöse Therapie bei hormonell aktivem Nebennierenadenom untersucht

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(c) 2019 3dMediSphere/Shutterstock

(Wien, 09-02-2026) Ein Forschungsteam um Helena Niziolek und Peter Wolf von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der Medizinischen Universität Wien hat untersucht, ob eine medikamentöse Senkung der Cortisolproduktion metabolische Veränderungen bei Patient:innen mit hormonell aktivem Nebennierenadenom bewirken kann. Die Ergebnisse zeigen erstmals, dass eine Behandlung mit dem Cortisol-Synthesehemmer Metyrapon mit messbaren positiven Auswirkungen auf Leber- und Zuckerstoffwechsel verbunden ist. Die Studie wurde aktuell in der Fachzeitschrift „eClinicalMedicine“ veröffentlicht.

Nebennierenadenome sind häufige Zufallsbefunde bei bildgebenden Untersuchungen des Bauchraums und betreffen schätzungsweise fünf Prozent der Allgemeinbevölkerung. Der Großteil dieser Tumoren ist gutartig, etwa ein Drittel davon ist mit einer milden autonomen Cortisolsekretion (MACS) verbunden. Obwohl diese Form der Hormonüberproduktion lange als klinisch wenig relevant galt, zeigen neuere Daten einen Zusammenhang mit metabolischen Erkrankungen wie arterielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes Mellitus Typ 2. „Vor diesem Hintergrund gewinnt die Entwicklung medikamentöser Therapieansätze zunehmend an Bedeutung, insbesondere für Patient:innen, bei denen eine operative Behandlung nicht möglich oder die Indikation nicht eindeutig ist“, umreißt Studienleiter Peter Wolf (Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien) die Ausgangslage für der Forschungsarbeit.

Metyrapon verbesserte Leberstoffwechsel und Insulinempfindlichkeit
Im Rahmen der Studie wurden 15 Patient:innen mit Nebennierenadenom und MACS für zwölf Wochen mit ausschließlich abendlichen Gaben von Metyrapon behandelt. Dieser Wirkstoff hemmt gezielt einen Zwischenschritt der Cortisolsynthese (Hemmung der 11β-Hydroxylase) und ist bereits seit Jahrzehnten in der Therapie des schweren Hypercortisolismus (Cushing Syndrom) zugelassen und etabliert. Die kurze Wirkdauer von Metyrapon ermöglicht die Hemmung der Cortisolsynthese abends und nachts. Dies führt zu einer Normalisierung der circadianen Cortisol-Rhythmik ohne Risiko einer Nebenniereninsuffizienz durch eine Übertherapie. 

Nach zwölf Wochen medikamentöser Therapie wurden in Kooperation mit mehreren Expert:innen der MedUni Wien detaillierte Untersuchungen der Studienteilnehmer:innen durchgeführt. Dabei zeigten sich deutliche Verbesserungen des Leber- und Zuckerstoffwechsels, der Insulinempfindlichkeit, des Blutdrucks und von Entzündungsmarkern – Ergebnisse, die das Forschungsteam zu vertiefenden Untersuchungen motivieren: „Angesichts der hohen MACS-Prävalenz könnte der medikamentöse Therapieansatz mit abendlicher Gabe von Metyrapon eine neue, vielversprechende Option für viele betroffenen Patient: innen bieten. Zur Überprüfung der Ergebnisse planen wir nun eine größere randomisierte Nachfolgestudie, bei der die beobachteten positiven Effekte von Metyrapon mit einem Placebo verglichen werden sollen“, so Peter Wolf über die nächsten Schritte.

Publikation: eClinicalMedicine
Metabolic effects of metyrapone treatment in patients with mild autonomous cortisol secretion: a prospective proof-of-concept study.
Helena Niziolek, Ivica Just, Anna Tosin, Clemens Baumgartner, Konrad Körmöczi, Luise Bellach, Paul Fellinger, Hannes Beiglböck, BSc Hana Skuciova, Greta Gericke, Stefan Lässer, Anton Luger, Siegfried Trattnig, Alexandra Kautzky-Willer, Marie Helene Schernthaner-Reiter, Florian Wolfgang Kiefer, Greisa Vila, Thomas Scherer, Michael Leutner, Martin Krssak, Michael Kreb, Peter Wolf.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2589537026000222