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Präzisionsmedizin auch bei Behandlung der rheumatoiden Arthritis der wichtigste Trend

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Präzisere Behandlung von Rheuma

(Wien, 06-07-2016) Präzisionsmedizin oder personalisierte Medizin ist auch in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis der wichtigste und aktuellste Trend. Das ist eines der zentralen Ergebnisse eines Reviews über den derzeitigen Stand der Erkrankung, deren Behandlung und Diagnose, zu dem die MedUni Wien-Forscher Josef Smolen und Daniel Aletaha vom absoluten Top-Journal „The Lancet“ eingeladen wurden. „Das zeigt unseren internationalen Stand, dass wir an der MedUni Wien klinisch und wissenschaftlich sehr gut wissen, wie die rheumatoide Arthritis ‚funktioniert‘, wie man die Erkrankung rasch diagnostiziert, evaluiert und optimal behandelt“, freut sich Josef Smolen, Rheumatologe und Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien im AKH Wien über diese Anerkennung.

Personalisierte Medizin bei Rheuma bedeutet heutzutage, dass für jeden Patienten bzw. jede Patientin noch präziser als bisher festgestellt werden kann, welche Therapie am besten und am schnellsten wirkt, und welche eher nicht geeignet ist. Die Therapie der Zukunft bedeutet, so Smolen, der neben dem Hirnforscher Hans Lassmann der meistzitierte Wissenschafter der MedUni Wien ist, unter anderem auch eine beginnende Abkehr von den derzeit breit eingesetzten Biologika mittels Injektion zurück zu oralen, medikamentösen Therapien, die aber nun „maßgeschneidert“ auf die Hemmung bestimmter Moleküle innerhalb einer Zelle hin synthetisiert wurden.

Erst im April 2016 konnte das Team rund um Smolen in einer klinischen Phase-3-Studie zeigen, dass der Wirkstoff Baricitinib signifikante Erfolge bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis bringt. Bei Baricitinib handelt es sich um einen oral verabreichten Inhibitor (Hemmer) der Januskinase 1 und 2. Das zentrale Ergebnis der Studie: ProbandInnen, die diesen Wirkstoff erhielten, zeigten signifikante Verbesserungen ihrer Beschwerden. „Mit Baricitinib haben wir einen neuen Wirkstoff an der Hand, der selbst dann wirkt, wenn derzeit im Einsatz befindliche Medikamente nicht ausreichen“, erklärt Smolen. „Damit könnte in naher Zukunft ein neuer Wirkstoff, eine neue Basis für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis verfügbar sein.“ Die Entscheidung über die Zulassung soll in den kommenden Wochen fallen. Smolen: „Realistisch ist ein Einsatz in der klinischen Praxis ab 2017. Aber auch hier wird man immer präzise abschätzen müssen und können, für welchen Patienten diese Therapie und für welchen die Biologika besser sind.“

Über die Rheumatoide Arthritis
Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die überwiegend Frauen (etwa zwei Drittel der Betroffenen) betrifft und am häufigsten im Alter zwischen 40 und 70 Jahren diagnostiziert wird. Etwa ein Prozent der Bevölkerung weltweit ist von rheumatoider Arthritis betroffen. Dabei kommt es zu Entzündungen in den Gelenken. Schwellungen, Überwärmungen und eine Funktionseinschränkung sind die Folge. Unbehandelt führt das zu einer zunehmenden Zerstörung der Gelenke und des gelenknahen Knochens mit der Folge von Fehlstellungen, Verformungen und zunehmender permanenter Behinderung.
In dem Lancet-Review, das gemeinsam mit Iain McInnes aus Glasgow verfasst wurde, wird der State-of-the-Art der rheumatoiden Arthritis hinsichtlich Ätiologie, Pathogenese, Diagnostik, Therapiestrategien und Zukunftsaspekten dargelegt.

MedUni Wien als europäisches Top-Rheumazentrum
Die Wiener Rheumatologie gilt in Europa als „das“ führende Zentrum. Josef Smolen gehört seit Jahren zu den am meisten zitierten Rheumatologen weltweit und Daniel Aletaha ist der meistzitierte Rheumatologe der nächsten Generation.

Fünf Forschungscluster an der MedUni Wien
Insgesamt sind fünf Forschungscluster der MedUni Wien etabliert. Dort werden in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt. Die Forschungscluster umfassen medizinische Bildgebung, Krebsforschung/Onkologie, kardiovaskuläre Medizin, medizinische Neurowissenschaften und Immunologie. Das vorliegende Paper fällt in die Themenbereiche des Clusters für Immunologie.