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MedUni Wien trauert um Hans Bernheimer

Ehemaliger Leiter des Klinischen Instituts für Neurologie im Alter von 86 Jahren verstorben

(Wien, 09-01-.2017) Prof. Hans (Hanno) Bernheimer wurde am 5.2.1930 in Wien geboren. Er absolvierte seine Schulausbildung am Akademischen Gymnasium Wien und das Studium der Humanmedizin an der Universität Wien. Es folgte eine zweijährige klinische Tätigkeit am Kaiserin Elisabeth-Spital der Stadt Wien. Anschließend trat er ins Pharmakologische Institut der Universität Wien ein und war hier in den Jahren 1957-1965 als Forscher und Arzt tätig.

Im Jahr 1966 wurde Prof. Bernheimer vom Neurologen und Neuropathologen Prof. Franz Seitelberger ans Klinische Institut für Neurologie geholt. Nach einem Studienaufenthalt an der Abteilung für Neurochemie des Max Planck-Institut für Psychiatrie München widmete er sich dem Aufbau des Arbeitsbereichs Klinische Neurochemie am Klinischen Institut für Neurologie in Wien.

In jahrelanger konsequenter Aufbauarbeit etablierte er die Diagnostik lysosomaler und peroxisomaler Stoffwechseldefekte, die neuroimmunologische Diagnostik Antikörper-mediierter Neuropathien, sowie die Liquordiagnostik von Prionenerkrankungen.
Damit schuf er nachhaltig einen in Österreich einzigartigen labormedizinischen Spezialdiagnostikbereich, der heute mehr denn je von Einsendern aus dem gesamten Bundesgebiet, wie auch von ausländischen Einsendern in Anspruch genommen wird.

Die Ernennung zum Universitätsprofessor für Neurochemie erfolgte 1978 und die Bestellung zum Leiter des Klinischen Instituts für Neurologie im Jahr 1987.
Prof. Bernheimer übte die Leitungsfunktion als Institutsvorstand bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1998 aus.
In dieser Zeit engagierte er sich zuzüglich zur Institutsleitung in diversen Kommissionen der damaligen Medizinischen Fakultät. Unter anderem setzte er sich für die Etablierung der Sonderfachzuerkennungen im nicht-klinischen Bereich ein und trug damit auch maßgeblich zur Schaffung des Sonderfachs „Neuropathologie“ in Österreich bei. Weiters koordinierte er in sehr umsichtiger und besonnener Weise die Vergabe disponibler Forschungsflächen im AKH Wien.
Als Ansprechpartner des Wissenschaftsministeriums für das damals neu zu errichtende Zentrum für Hirnforschung war Prof. Bernheimer mit Strukturierungs-, Ausstattungs- und Personalfragen in der Entwicklungsphase dieser Institution befasst.

Nach seiner Emeritierung engagierte sich Prof. Bernheimer weiterhin in diversen akademischen Aufgabengebieten, unter anderem als Mitglied der MedUni-Wien-Jury „Researcher of the Month“ und als Mitglied des Arbeitskreises Genetik der Bundessektion Fachärzte der Österreichischen Ärztekammer.

Als kunstsinniger Mensch bereicherte Prof. Bernheimer Festivitäten des Klinischen Instituts für Neurologie, insbesondere den alljährlichen traditionellen Heringsschmaus mit persönlichen Musikbeiträgen auf der Bratsche.

Aufgrund seiner langjährigen und vielfältigen Verdienste wurde Prof. Bernheimer im Jahr 2004 vom Bundespräsidenten das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse verliehen.

In den letzten Jahren musste sich Prof. Bernheimer alters- und krankheitsbedingt aus seinen akademischen Funktionen zurückziehen, blieb aber bis zum Schluss mit dem Klinischen Institut für Neurologie verbunden.

In persönlicher Hinsicht wurde Prof. Bernheimer aufgrund seiner menschlichen Art von den Mitgliedern des Klinischen Instituts für Neurologie wie auch von seiner Berufskollegenschaft an der MedUni Wien hochgeschätzt. Er hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme seiner Mitarbeiter und Kollegen, war konsequent um Problemlösungen bemüht und vermittelte seinem Team ein hohes Maß an Wertschätzung.

An seinem medizinischen Fachgebiet und an der Wissenschaft blieb er über seine aktive Berufsperiode hinaus authentisch interessiert und mit liebevoller Hingabe engagiert und wirkte so motivierend und inspirierend auf seine ehemaligen jüngeren Mitarbeiter und Kollegen, denen er auch, wo immer möglich, als Mentor zur Seite stand.

Das Team des Klinischen Instituts für Neurologie wird Prof. Bernheimer als Vorbild dauerhaft und dankbar in freundschaftlicher und ehrenvoller Erinnerung bewahren.


Johannes Hainfellner, Klinisches Institut für Neurologie der MedUni Wien
Wien, 6. Jänner 2017