Skip to main content

Stationäre Rauchertherapie hilft beim Aufhören

Alle News

(Wien, 29-05-2017) Am 31. Mai ist Weltnichtrauchertag. Laut WHO wird die Anzahl der jährlich durch Tabakkonsum verursachten Todesfälle weltweit von bisher 6 Millionen Personen bis 2030 auf 8 Millionen zunehmen. Für stark nikotinabhängige RaucherInnen ist eine Entwöhnung aber ohne intensive Therapie nicht möglich. Die Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin am Zentrum für Public Health begleitet die seit bereits 20 Jahren erfolgreiche stationäre Rauchertherapie – etwa 40 Prozent der betreuten stark nikotinabhängigen RaucherInnen gelingt damit die nachhaltige Rauchentwöhnung.

Österreich bei Rauchen europaweit auf Platz vier
Österreich liegt (laut Eurobarometer 2012) mit 33 Prozent Rauchern an vierter Stelle unter den 27 Europäischen Ländern und fünf Prozentpunkte über dem Europäischen Mittel. Auch die durchschnittlich gerauchte tägliche Stückzahl ist mit 18 Zigaretten deutlich höher als in den EU-Ländern, wo ein mittlerer Konsum von 14 Stück verzeichnet wird. Aktuellere Trendanalysen zeigen allerdings bei den Männern einen deutlichen Rückgang und bei den Frauen einen merkbaren Anstieg in der Prävalenz. So rauchten 1972 noch etwa 39 % der männlichen und 10 % der weiblichen Bevölkerung. 2014 haben sich die Geschlechteranteile unter den Tabakkonsumenten fast angeglichen und betragen nunmehr bei Männern 27 % und bei Frauen 22 %.

Viele RaucherInnen sind mit ihrem Tabakkonsum unzufrieden. Laut Eurobarometer haben 61 Prozent derjenigen, die im EU-Raum aktuell Tabak konsumieren, bereits versucht, das Rauchen aufzugeben.

Für stark nikotinabhängige RaucherInnen ist eine Entwöhnung ohne intensive Therapie nicht möglich. Aus diesem Grund hat die Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin (früher: Institut für Sozialmedizin) am Zentrum für Public Health der MedUni Wien vor genau 20 Jahren begonnen, die stationäre Rauchertherapie zu entwickeln und zu installieren. RaucherInnen haben die Möglichkeit, diese Intervention als Leistung der Sozialversicherung zu absolvieren, was in Österreich über einige Krankenkassen möglich ist. Die Therapie zeigt gute Erfolge, berichtet Gesundheitspsychologe Rudolf Schoberberger von der Sozialmedizin/MedUni Wien: „Etwa 40 Prozent der betreuten stark nikotinabhängigen Raucher sind noch ein Jahr nach stationärem Aufenthalt rauchfrei. Sie hätten es wahrscheinlich ohne stationäre Rauchertherapie nicht geschafft, abstinent zu werden.“ Diese PatientInnen, weisen gegenüber jenen TeilnehmerInnen, die nach der Therapie weiterhin rauchen, eine deutlich verbesserte Gesundheit auf und berichten auch von einer wesentlichen Zunahme der Zufriedenheit mit ihrem Lebensstil.

Krankenkassen übernehmen Therapiekosten
Verschiedene österreichische Krankenkassen bieten ihren Versicherten die Möglichkeit einer stationären Raucherentwöhnung an. Mit der Wiener und der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse besteht eine Kooperation der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin (Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien) in Bezug auf Rekrutierung, Supervision und Evaluation. Nach ärztlicher Begutachtung in der Krankenkasse werden die in Frage kommenden KandidatInnen an die Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin zur weiteren Abklärung überwiesen. In diesem zweiten Rekrutierungsschritt werden vor allem die Kriterien für eine stationäre Aufnahme (deutliche Nikotinabhängigkeit, Motivation zur Mitarbeit, Gruppentauglichkeit) sowie zusätzliche Aspekte aus dem Bereich Lebensstil und Umgang mit Gesundheit und Krankheit erfasst und auf einem standardisierten Erhebungsinstrument (Fragebogen) festgehalten. Im Fall einer positiven Beurteilung werden die Patienten innerhalb von etwa drei Monaten einer dreiwöchigen stationären Rauchertherapie unterzogen. Sechs und zwölf Monate nach dem Aufenthalt wird eine Nachuntersuchung durchgeführt, die jene Aspekte überprüft, welche bei der Rekrutierung ermittelt wurden.

Therapieablauf: „Heraus aus dem Alltag“
Die stationäre Rauchertherapie in Österreich dauert 20 Tage und gliedert sich in drei Abschnitte: Die erste Woche dient dem Erkennen der individuellen Auslöser und Ursachen für das Rauchverlangen, wobei das Rauchen noch erlaubt wird. Allerdings werden bereits sukzessive die möglichen Rauchplätze reduziert, entsprechende unterstützende Maßnahmen eingeleitet und medikamentöse Therapie (Nikotinersatz, Bupropion, Varenicline) angeboten. In der zweiten Woche beginnt die rauchfreie Zeit, die mittels CO-Messung auch entsprechend überprüft wird. Die TeilnehmerInnen lernen nun Alternativen zum Rauchen kennen und einzusetzen. Mit Hilfe von Krisenplänen werden eventuelle Gefahrenpunkte reflektiert und analysiert. Im letzten Abschnitt in der dritten Woche werden sowohl im Rollenspiel als auch in vivo diverse Grenzsituationen durchlebt. Durch diese Art der Desensibilisierung soll eine Stabilisierung des Nichtraucher-Verhaltens erreicht und Rückfallprophylaxe effektiv betrieben werden. „Ein wesentlicher Aspekt ist, dass sich die Patienten drei Wochen nicht in ihrer Alltagssituation und ihrem sozialen Umfeld befinden und unter diesen besonderen Umständen die Erfahrung machen können, auch ohne Zigaretten auszukommen“, erklärt Rudolf Schoberberger. Nach sehr ähnlichen Konzepten wird dieses Programm in der Grazer Vorsorgeeinrichtung „Josefhof“ und der Kuranstalt „Linzerheim“ in Bad Schallerbach angeboten.

Entwöhnungserfolg
Wie eine Evaluation von Personen, die zwischen 2003 und 2011 an einer stationären Rauchertherapie teilgenommen hatten, zeigt, können so gut wie alle TeilnehmerInnen ihren Tabakkonsum in den letzten zwei Wochen des stationären Aufenthaltes, wie vorgesehen, einstellen. Bei der Halbjahresnachuntersuchung haben 44,8 Prozent der PatientInnen angegeben, seit der stationären Rauchertherapie nicht mehr zu rauchen. Weitere 17,8 Prozent haben ihren Rauchkonsum reduziert; 11,1 Prozent sind in ihre alten Rauchgewohnheiten wieder zurückgefallen.
Bei der Jahresnachuntersuchung waren 42,6 Prozent NichtraucherInnen und 23,3 Prozent RaucherInnen, wobei sich der Anteil der RaucherInnen mit reduziertem Konsum auf 10,7 Prozent verringerte.

Selbst für stark nikotinabhängige RaucherInnen bietet die dreiwöchige stationäre Rauchertherapie eine gute Möglichkeit, Tabak-Abstinenz zu erreichen. Dies führt nicht nur zu einer deutlichen gesundheitlichen Verbesserung, sondern auch zu vermehrter Lebenszufriedenheit und trägt sicher wesentlich dazu bei, dass die Sorge einer gesundheitlichen Beeinträchtigung infolge des Lebensstils abnimmt.