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MedUni Wien trauert um Astrid Kafka-Lützow

Pionierin der Retinaforschung im Alter von 81 Jahren verstorben
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Univ. Prof. Dr. Astrid Kafka-Lützow, Pionierin der Retinaforschung, Mutter des Medizincurriculums und Ehrensenatorin der Medizinischen Universität Wien (1937-2018).


Die Beeinflussung der Funktionssysteme des menschlichen Organismus durch das Nervensystem, insbesondere das visuelle System, das war die große Leidenschaft von Astrid Kafka-Lützow. Daher studierte sie nicht nur Medizin, sondern widmete ihr ganzes Leben der Physiologie. Ihr Einsatz für dieses Fach brachte ihr nicht nur die Bewunderung der Studierenden, geehrt als „Teacher of the Year“ im Jahr 2000, und die Würdigung durch Fachkollegen als mehrmalige Präsidentin der Österreichischen Physiologischen Gesellschaft, sondern auch die Ehrerbietung durch die Medizinische Universität Wien als deren Ehrensenatorin.

Geboren in Dresden 1937 gelangte Astrid Kafka über das Ruhrgebiet nach Wien und begann hier schon während des Studiums im Labor von Wilhelm Auerswald an der Physiologie von Blutgerinnung und Lipidstoffwechsel zu forschen. Nach der Promotion wurde Astrid Kafka Assistenzärztin am Institut für Allgemeine und Vergleichende Physiologie unter der Leitung von Prof. Hans Bornschein und widmete sich der Funktion der Retina. In mehreren Auslandsaufenthalten am Carl-Ludwig-Institut für Physiologie der Universität Leipzig, des Institute of Ophthalmology am University College London, sowie am National Eye Institute des NIH in Bethesda, Maryland, entwickelte und perfektionierte sie das physiologische Modell der isolierten Retina, was unter anderem in höchst beachteten Publikationen in Nature und Science mündete.

Der Habilitation im Fach Physiologie über funktionelle Untersuchungen an der Netzhaut des Auges folgte ein Jahr klinische Tätigkeit am Wilhelminenspital und in weiterer Folge die Etablierung des Forschungsschwerpunkts Arbeits- und Umweltphysiologie. Im Fokus stand hierbei die naturwissenschaftliche Fundierung der Beurteilung von Arbeitsbedingungen insbesondere im Hinblick auf optimale Lichtverhältnisse. Von Bedeutung wurde dies umso mehr, je weiter die Verbreitung der Bildschirmarbeit voran schritt. Astrid Kafkas diesbezügliches Bemühen galt immer der möglichst menschengerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen in der Informationsgesellschaft, und so wurde sie u.a. Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und auch Vorsitzende deren wissenschaftlichen Beirats.

1981 erfolgte die Berufung zur o. Univ. Professorin für Physiologie, sodass Astrid Kafka nach Erna Lesky (o.Univ. Prof. für Geschichte der Medizin) die zweite Ordinaria an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien war. In ihrer Funktion als Vorstand des Instituts für Allgemeine und Vergleichende Physiologie war sie stets um die Weiterentwicklung des physiologischen Unterrichts bemüht und etablierte innovative Konzepte in Kooperation mit Mitarbeiterinnen und Studierenden. In Wertschätzung ihrer enormen Erfahrung und ihres uneingeschränkte Engagements in der Lehre war Astrid Kafka 1999 bis 2002 Studiendekanin an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und somit maßgeblich an der Entwicklung und Einführung des heutigen Medizin-Curriculums an unserer Universität beteiligt.

Auch nach ihrer Emeritierung im Jahre 2005 folgte Astrid Kafka den Wünschen der Studierenden und beteiligte sich noch mehr als 10 Jahre aktiv am physiologischen Unterricht. Uns allen war sie stets ein großes Vorbild, sowohl was Begeisterung für die medizinische Forschung im Dienste der Menschen als auch Hingabe im Unterricht betraf, und genauso wird sie immer in unserer Erinnerung bleiben. Mit ihr verliert die Medizinische Universität nicht nur eine große Physiologin und bewunderte Lehrerin, sondern auch einen wundervollen Mitmenschen, der das universitäre Leben unendlich bereichert hat.

Peter Ahnelt und Stefan Böhm,
Abteilung Neurophysiologie und Neuropharmakologie am Zentrum für Physiologie und Pharmakologie