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PSMA-PET/MRT sorgt für zielgenaue Diagnose des Prostatakarzinoms

Interdisziplinäre Arbeitsgruppe der MedUni Wien zeigt Möglichkeiten des PSMA-PET/MRT auf
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(Wien, 24-09-2018) Moderne medizinische Bildgebung gibt genaue Aufschlüsse über die Ausmaße (Staging) des Prostatakarzinoms. Die PSMA-PET/MRT ermöglicht als sogenannte „One-Stop-Shop“-Methode ein exaktes Staging neu diagnostizierter Prostatakarzinome und führt zur Anpassung der Therapie. Das zeigt eine interdisziplinäre Studie der MedUni Wien, die nun im Top-Journal „Clinical Cancer Research” veröffentlicht wurde. 

Das primäre Staging des Prostatakarzinoms beruhte bislang auf methodenbedingt eingeschränkten diagnostischen Modalitäten. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe um Markus Hartenbach aus der klinischen Abteilung für Nuklearmedizin konnte nun die diagnostisch herausragende Wertigkeit der [68Ga]Ga-PSMA 11 PET/MRT beim Primärstaging des stanzbioptisch gesicherten Prostatakarzinoms zeigen. Die PSMA-PET/MRT zeigte dabei im Vergleich zur Histologie nicht nur sehr gute Ergebnisse beim Lokal- und Ganzkörperstaging, sie veränderte auch das initial geplante therapeutische Vorgehen bei nahezu einem Drittel der Patienten.

„Die PSMA-PET/MRT hat gezeigt, dass wir sowohl dem Patienten als auch dem Therapeuten entscheidende Informationen an die Hand geben können, die eine „Über- oder Unterbehandlung“ dieses Karzinoms verhindern. Als nächsten Schritt wollen wir zeigen, dass diese Methode bereits bei Patienten mit lediglich erhöhtem PSA-Wert exakte Ergebnisse liefert und somit die nicht-invasive, personalisierte Diagnostik vorantreiben!“ sagt Hartenbach.

Die Arbeitsgruppe untersuchte 122 Patienten mit PSMA-PET/MRT vor geplanter radikaler Prostatektomie (RP). Primärer Endpunkt war die Performance der PSMA-PET/MRT im Tumorstaging im Vergleich zur stagingrelevanten Histologie (histologische Großflächenschnitte der Prostata, Histologie der Lymphknotendissektion und Metastasenbiopsien). Darüber hinaus bewertete ein multidisziplinäres Team den anfänglichen therapeutischen Ansatz neu, um den Einfluss der PSMA-PET/MRT auf das therapeutische Management zu bewerten. 

Im Ergebnis identifizierte die PSMA-PET/MRT bei 119 von 122 Patienten (97,5%) korrekt das Karzinom. Zudem veränderte die PSMA-PET/MRI das therapeutische Vorgehen in 28,7% der Patienten entweder zu einer systemischen Therapie/Strahlentherapie auf Grund eines lokal fortgeschrittenen Stadiums und/oder Fernmetastasen, oder der sogenannten aktiven Überwachung, „active surveillance“ auf Grund eines minimalen oder nicht im Bild erkennbaren Primärtumors.

Bernhard Grubmüller aus der Universitätsklinik für Urologie konnte die Arbeit im klinischen Top-Journal „Clinical Cancer Research“  (IF 10,2) als Erstautor veröffentlichen.

PSMA-PET/MRT
64-jähriger Patient mit bioptisch gesichertem Prostatakarzinom. Die PSMA-PET/MRT zeigt ein ausgedehntes Wachstum des Tumors in die Samenblasen (roter Pfeil) und im Bereich des umgebenden Rektumgewebes (Enddarm; grüne Pfeile). Auch zeigen sich Lymphknotenmetastasen im Bereich der Beckengefäße (blaue Pfeile). Metastasen im Knochen konnten jedoch ausgeschlossen werden. Das fortgeschrittene Tumorstadium hatte entscheidenden Einfluss auf das anfänglich als rein operativ geplante therapeutische Vorgehen. Es erfolgte eine Bestrahlung und antiandrogene Therapie.

Autoren

Markus Hartenbach, Bernhard Grubmüller © MedUni Wien

Nach Studium, Assistenz- und Oberarztzeit in Ulm und München ist Markus Hartenbach seit 2014 an der MedUni Wien als Oberarzt am PET/MRT Scanner in der klinischen Abteilung für Nuklearmedizin unter der Leitung von Marcus Hacker (Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin) tätig. Gemeinsam mit den uroonkologischen Arbeitsgruppen der beteiligten Fachdisziplinen konnte er eine prospektiv klinische Arzneimittelstudie im Bereich der metabolisch multiparametrischen Hybridbildgebung (PET/MRT) beim Prostatakarzinom initiieren, die als Phase III Studie zum Radiopharmakon 68Ga-PSMAHBED-CC derzeit noch bis voraussichtlich Mitte 2019 Patienten mit v.a. Prostatakarzinom rekrutiert („The RAPID Study“, clinicaltrials.gov ID: NCT02659527). 

An dieser wirkt auch Bernhard Grubmüller als Prüfarzt mit. Der aktuell mit Schwerpunkt Prostatabildgebung an der Universitätsklinik für Urologie unter der Leitung von Shahrokh Shariat seit 2013 tätige Assistenzarzt schließt seine Ausbildung zum Facharzt für Urologie voraussichtlich Anfang 2019 ab. Neben seiner Forschungstätigkeit befindet sich Bernhard Grubmüller im „Doktorratsstudium Applied Medical Science“.

Service: Clinical Cancer Research

Bernhard Grubmüller, Pascal Baltzer, Sabrina Hartenbach, David D'Andrea, Thomas H. Helbich, Alexander R. Haug, Gregor M. Goldner, Wolfgang Wadsak, Sarah Pfaff, Markus Mitterhauser, Theresa Balber, Neydher Berroteran-Infante, Marko Grahovac, John Babich, Christian Seitz, Gero Kramer, Martin Susani, Peter Mazal, Lukas Kenner, Shahrokh F. Shariat, Marcus Hacker, Markus Hartenbach: PSMA ligand PET/MRI for primary prostate cancer: Staging performance and clinical impact.

Clin Cancer Res. 2018 Aug 23. pii: clincanres.0768.2018. doi: 10.1158/1078-0432.CCR-18-0768. [Epub ahead of print]