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Peter Ferenci erhält Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse

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(Wien, 18-03-2019) Peter Ferenci, Leber-Experte an der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie (Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien), wurde mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse ausgezeichnet. Ferenci zählt international zu den Top-Leberexperten.

Das Österreichische Ehrenzeichen beziehungsweise Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst wird vom Bundespräsidenten über Vorschlag der Bundesregierung beziehungsweise eines von ihr ermächtigten Bundesministers verliehen.

Peter Ferenci hat im Laufe einer 45 Jahre spannenden Karriere einen Weltruf als Experte über Leberkrankheiten erlangt.

Leberversagen
Nach einem Forschungsaufenthalt am NIH, Bethesda USA hat er sich vorwiegend mit der Hirnfunktionsstörung bei Leberversagen (hepatische Enzephalopathie) beschäftigt und entscheidend an der neuropharmakologischen Beeinflussbarkeit dieser Störung geforscht. Durch die Bedeutung seiner damaligen Arbeiten gilt er auch noch heute als Topexperte. Als wesentlichste Leistung hat er 2002 mit einer Gruppe internationaler Fachleute die Guidelines zur Diagnose und Therapie der hepatischen Enzephalopathie erstellt und diese 2016 im Auftrag der Europäischen Lebergesellschaft (EASL) aktualisiert. Er ist auch der Autor der Beiträge zur hepatischen Enzephalopathie im heute führenden Onlinelehrbuch (UpToDate), die er zweimal jährlich auf den neuesten Stand bringt.

Hepatitis C
Bereits vor der Identifizierung des Virus hat Peter Ferenci als Erster in Europa mit der Interferontherapie begonnen. Im Weiteren hat er lokale Studien organisiert, wodurch Österreich als wichtiger Kooperationspartner bei den internationalen Registrierungsstudien wurde. Somit hat er als Studienleiter an der gesamten Entwicklung einschließlich der neuen Therapien, die seit vier Jahren die komplette Heilung der chronischen Hepatitis C möglich machen, aktiv mitarbeiten und seine Ideen einbringen können.
Ferenci konnte die Interferontherapie grundlegend beeinflussen, und gilt als „Vater“ der sogenannten „response-guided Therapie“, die zum Standard aller interferonhältigen Behandlungsschemata wurde. Diese nun mehr als 10 Jahre alte Erkenntnis war ein wesentlicher Schritt zur personalisierten Medizin, die heute praktisch in allen Bereichen der Medizin verwendet wird. Ein weiterer Höhepunkt war 2014 die Publikation einer der nun modernen interferonfreien Therapien als Erstautor im New England Journal of Medicine (dem weltweit führenden Journal der klinischen Medizin).

Morbus Wilson
Der Morbus Wilson ist eine seltene Erbkrankheit. Die Störung des Kupferstoffwechsels in der Leber führt zur schweren Leberschäden und im weiteren Verlauf zur Schädigung des Gehirns. Bis in die 1990-er Jahre wurde diese Krankheit meist erst im Spätstadium erkannt, wo eine vollständige Besserung kaum möglich war. Zwei von Ferencis klinischen Arbeiten veränderten das gesamte Verständnis dieser Krankheit. Basierend auf diesen Erkenntnissen hat er einen Diagnosescore entwickelt („Ferenci-Score“), der heute international als Diagnosestandard gilt. Im Auftrag der EASL hat er auch die klinischen Guidelines zur Diagnose und Therapie erstellt. Er arbeitet heute mit einem internationalen Team an der Erforschung neuer medikamentöser Therapien und einer möglichen Gentherapie des M. Wilson. Sein Zentrum gilt heute als eines der drei führenden Zentren auf diesem Gebiet weltweit.

Zur Person
Peter Ferenci wurde in Budapest geboren und studierte Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien (heute MedUni Wien). Seine Facharztausbildungen zur Inneren Medizin und Zusatzfach Gastroenterologie und Hepatologie absolvierte er ebenfalls in Wien. Im Jahr 1981 führte ihn ein Max-Kade-Stipendium an die National Institutes of Health, Liver Unit, NIDDK, Bethesda,USA. Im Jahr 1984 erhielt er die Venia Docendi in Wien, im Jahr 1990 wurde er ao. Universitätsprofessor. Für seine Leistungen hat Peter Ferenci zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten (2 Ehrendoktorate, den EASL Achievement Award, und Anerkennung als Fellow der US-Amerikanischen Gastroenterologie (AGA) und Lebergesellschaft (AASLD). Er war Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH), der ASNEMGE (Vorläufer der UEGF) und 2005 der Europäischen Gastroenterologie Federation (UEGF). Ferenci ist seit seiner Pensionierung auch weiterhin an der MedUni Wien aktiv.