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Nephrologe Gregor Bond koordiniert hochdotiertes EU-Horizon-2020-Projekt

TTV GUIDE TX Projekt mit 20 Partnern aus 10 EU Ländern arbeitet an Optimierung der Immunsuppression nach einer Nierentransplantation
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(Wien, 10-11-2020) Gregor Bond, Nephrologe der MedUni Wien, koordiniert ein internationales EU-Horizon-2020-Projekt mit 20 Partnern aus 10 EU-Ländern. Das Projekt zur Optimierung der Immunsuppression nach einer Nierentransplantation ist mit über 6 Millionen Euro dotiert.

Gregor Bond von der Klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse der MedUni Wien und seine Projektpartner setzten sich gegen 80 weitere Anträgen durch. Die Klinische Abteilung für Nephrologie und Dialyse hält nun bei einem konstanten Track Record an EU-Förderungen mit fünf Projekten in den vergangenen zehn Jahren.

Organabstoßung verhindern
Mittels Quantifizierung des non-pathogenen und im Menschen ubiquitären TT Virus soll die Immunsuppression nach Nierentransplantation optimiert werden und so Organabstoßung und Infektionen reduziert werden.

EmpfängerInnen einer Nierentransplantation benötigen immunsuppressive Therapie, um das Risiko einer Organabstoßung zu verringern. Das geschwächte Immunsystem bedingt jedoch ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Immunsuppressiva, vor allem Calcineurininhibitoren,  werden derzeit nach Medikamentenspiegel im Blut dosiert, wobei diese Messung die Stärke der Immunsuppression nicht ausreichend widerspiegelt. Das Projekt TTV GUIDE TX wurde entwickelt, um die Steuerung der Immunsuppressiven Therapie zu optimieren und sowohl Infektionen als auch Organabstoßungen zu reduzieren. Dafür wird das Torque Teno Virus (TTV) im Blut der EmpfängerInnen eines Nierentransplantats mittels PCR quantifiziert. Das Virus ist nicht pathogen, höchst prävalent und mit dem Grad der Immunsuppression assoziiert. In Vorarbeiten der Arbeitsgruppe von Gregor Bond, die durch den FWF finanziert wurden, konnte in Kooperation mit dem Zentrum für Virologie der MedUni Wien (Elisabeth Puchhammer-Stöckl) und der Virologie des KIMCL (Robert Strassl) eine TTV Range definiert werden, die eine optimale Immunsuppression darstellt. Grundlegende Vorarbeit wurde auch von der Abteilung für Thoraxchirugie (Peter Jaksch) geleistet. Im Rahmen des TTV GUIDE TX Projekts werden nun über 200 EmpfängerInnen eines Nierentransplantats von 10 Zentren aus 6 Ländern randomisiert die immunsuppressive Therapie entweder nach konventioneller – Calcineurininhibitor Talspiegel basierter – Strategie oder nach TTV Menge im Blut gesteuert erhalten.

Bei Erfolg und anschließender Einführung in die klinische Routine könnte die Studie zu einer Reduktion von 300 Toten, 600 Organverlusten, 10.000 Infektionen und 1.200 Abstoßungen sowie einer Ersparnis von 50 Mio. Euro pro Jahr in der EU führen. Mögliche weitere Anwendungsgebiete einer TTV gesteuerten Therapie neben der Organtransplantation wären Checkpointinhibitoren in der Onkologie und Biologika in der Rheumatologie.

Horizon2020 ist weltweit größtes Programm für Forschung und Innovation
Das Projekt TTV GUIDE TX wird durch den Horizon2020 Health Call (Projektnummer 896932) der Europäischen Union mit einer Summe von über 6 Mio. Euro für 5 Jahre gefördert. Das Horizon 2020 Programm ist das weltweit größte, transnationale Programm für Forschung und Innovation mit einem Budget von 75 Milliarden Euro. TTV GUIDE TX erlangte von 80 Einreichungen für die Ausschreibung New Interventions for Non-communicable Diseases den ersten Platz. Insgesamt wurden 12 Projekte gefördert. Gregor Bond ist Chief Investigator und Koordinator des Projekts mit insgesamt 20 Partnern aus 10 Europäischen Ländern. Das Unternehmen BioMérieux ist Industry Partner des Projekts.

Zur Person
Gregor Bond ist Nephrologe und assoziierter Professor an der Klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse der MedUni Wien. Seine Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Charakterisierung des Immunsystems bei PatientInnen nach Nierentransplantation. Er war mehrere Jahre als wissenschaftlicher Fellow am MRC Centre for Transplantation des King’s College London tätig und studierte an der London School of Hygiene & Tropical Medicine klinisches Studiendesign. Er koordiniert das Programm für Organversagen, -ersatz und -transplantation im Rahmen der Doktoratsstudien an der MedUni Wien. Weiters ist er als Mitglied des Betriebsrats der MedUni Wien tätig.

Literatur
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3. Strassl, R, Schiemann, M, Doberer, K, Gorzer, I, Puchhammer-Stockl, E, Eskandary, F, Kikic, Z, Gualdoni, GA, Vossen, MG, Rasoul-Rockenschaub, S, Herkner, H, Bohmig, GA, Bond, G: Quantification of Torque Teno Virus Viremia as a Prospective Biomarker for Infectious Disease in Kidney Allograft Recipients. The Journal of infectious diseases, 218: 1191-1199, 2018.
4. Jaksch, P, Kundi, M, Gorzer, I, Murakozy, G, Lambers, C, Benazzo, A, Hoetzenecker, K, Klepetko, W, Puchhammer-Stockl, E: Torque Teno Virus as a Novel Biomarker Targeting the Efficacy of Immunosuppression After Lung Transplantation. The Journal of infectious diseases, 218: 1922-1928, 2018.
5. Gorzer, I, Jaksch, P, Strassl, R, Klepetko, W, Puchhammer-Stockl, E: Association between plasma Torque teno virus level and chronic lung allograft dysfunction after lung transplantation. The Journal of heart and lung transplantation : the official publication of the International Society for Heart Transplantation, 36: 366-368, 2017.