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Endokarditis-Team stärkt interdisziplinäre Versorgung und Forschung

Multidisziplinäres Team verbindet seit einem Jahr klinische Expertise, strukturierte Entscheidungsprozesse und wissenschaftliche Weiterentwicklung bei einer seltenen, aber hochgefährlichen Herzerkrankung
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Teammitglieder (v.l.n.r.): R. Calabretta (Nuklearmedizin), L. Wolner (Herzchirurgie), B. Heidinger (Radiologie), L. Schubert (Infektiologie), S. Winkler (Infektiologie), A. Aliabadi-Zuckermann (Herzchirurgie), C. Gangl (Kardiologie), C. Nitsche (Kardiologie), S. Tobudic (Infektiologie), G. Klappacher (Kardiologie), R. Saleh (Herzchirurgie), A. Andreeva (Herzchirurgie)

(Wien, 08-04-2026) Am Universitätsklinikum AKH Wien/MedUni Wien wurde vor einem Jahr ein multidisziplinäres Endokarditis-Team etabliert, das klinische Versorgung und wissenschaftliche Weiterentwicklung eng miteinander verbindet. Seit der Gründung wurden 120 Patient:innen systematisch interdisziplinär evaluiert. Das Team schafft damit eine strukturierte Plattform für rasche Diagnostik, abgestimmte Therapieentscheidungen und die Weiterentwicklung der Versorgung von Patient:innen mit Endokarditis. 

Endokarditis ist eine seltene, aber hochgefährliche Infektion der Herzklappen. Die Diagnose ist oft schwierig, die Therapie komplex und die Krankenhaussterblichkeit kann bis zu 30 Prozent betragen. Um dieser Herausforderung mit einer strukturierten, fachübergreifenden Versorgung zu begegnen, wurde an der Medizinischen Universität Wien und dem AKH Wien ein spezialisiertes Endokarditis-Team aufgebaut, in dessen Kernteam Herzchirurgie, Kardiologie, Infektiologie, Radiologie, Nuklearmedizin und Psychologie zusammenarbeiten. Bei Bedarf werden auch Pharmazeut:innen, Neurolog:innen, Nephrolog:innen und Psychiater:innen hinzugezogen.

MedUni Wien und AKH Wien folgen damit den aktuellen Empfehlungen der europäischen Leitlinien, die spezialisierte Endokarditis-Teams als zentralen Faktor für eine verbesserte Diagnostik und bessere Behandlungsergebnisse hervorheben.

Wöchentliche Fallkonferenzen mit breiter Fachkompetenz
Das Team trifft sich wöchentlich und vereint Expert:innen aus zahlreichen medizinischen Disziplinen, darunter Herzchirurgie, Kardiologie, Infektiologie, Radiologie, Nuklearmedizin, Mikrobiologie, Nephrologie sowie Pharmazie. Ergänzt wird diese fachliche Breite durch psychosoziale Disziplinen wie Psychiatrie und Psychologie.

Diese enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht eine umfassende Bewertung jedes einzelnen Falls und stellt sicher, dass diagnostische, therapeutische und begleitende Maßnahmen eng aufeinander abgestimmt werden. Rund 50 Prozent der besprochenen Patient:innen mussten operiert werden, was die Schwere der Erkrankung unterstreicht.

Enge Vernetzung mit zuweisenden Krankenhäusern
Die Zusammenarbeit mit zuweisenden Krankenhäusern erfolgt sowohl über Online-Fallkonferenzen als auch durch Vor-Ort-Evaluationen durch Mitglieder des Teams. Das unterstützt eine rasche und strukturierte Entscheidungsfindung auch über den eigenen Standort hinaus.

Das Endokarditis-Team am Universitätsklinikum AKH Wien ermöglicht damit schnellere Diagnosestellungen, strukturierte Therapieentscheidungen und eine optimierte Abstimmung zwischen konservativer und chirurgischer Behandlung.

Grundlage für Register, Forschung und Versorgungsanalyse
Die strukturierte Erfassung der Fälle bildet zugleich die Basis für die wissenschaftliche Weiterentwicklung. Dazu zählen der Aufbau einer klinischen Datenbank und eines Registers, die Analyse von Versorgungsprozessen und Outcomes sowie die Entwicklung evidenzbasierter Behandlungsstrategien.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Optimierung diagnostischer Strategien einschließlich moderner Bildgebung, auf der Verbesserung des Timings chirurgischer Interventionen und auf der interdisziplinären Entscheidungsfindung bei komplexen Krankheitsverläufen.

Darüber hinaus arbeitet das Team an der Initiierung von Forschungsprojekten, an der Integration in internationale Registerstrukturen wie Euro-Endo sowie an wissenschaftlichen Publikationen, zu denen bereits erste Aktivitäten vorliegen.

Modell für strukturierte interdisziplinäre Medizin
Durch die enge Zusammenarbeit mit externen Zentren entsteht zudem ein Netzwerk, das perspektivisch als überregionale Referenzstruktur für Endokarditis dienen kann.

Die Leitung des Teams liegt bei Arezu Aliabadi-Zuckermann, Stefan Winkler und Clemens Gangl. Gemeinsam verbinden sie klinische Exzellenz mit wissenschaftlicher Weiterentwicklung.

Das Endokarditis-Team zeigt, wie strukturierte interdisziplinäre Medizin die Versorgung von Patient:innen verbessern und zugleich eine Plattform für Innovation und Forschung schaffen kann.